fehlte noch daran . War die vollzogen , so war [ 271 ] es auch die Scheidung , denn die Einwilligung ihres Gatten , der Einfluß und die Verbindungen des Barons sicherten der Angelegenheit ein schnelles und erwünschtes Ende . Sie hatte vorhin , in Gegenwart des Vaters , den verhängnißvollen Federzug nicht thun wollen , gethan mußte er doch jetzt werden . Was half der Aufschub einer einzigen Stunde ? Es galt ja gleich , ob das Unabänderliche früher oder später geschah . Aber gerade in dieser einen Stunde war Curt gekommen und hatte mit seiner Erzählung die Wunde wieder aufgerissen , die freilich noch niemals aufgehört zu bluten . Und doch hatte ihr Bruder kein Wort , nicht einmal einen Gruß bringen können . „ Empfiehl mich dem Herrn Baron und Deiner Schwester ! “ das war das Ganze . Warum nicht lieber „ Empfiehl mich der gnädigen Frau “ ? Das wäre noch eisiger , noch passender gewesen . Eugenie war an den Schreibtisch getreten , und ihr Auge irrte über die Worte des Schriftstückes hin . Auch dort klang Alles so kalt , so förmlich , und doch wurde damit der Stab gebrochen über die Zukunft zweier Menschen . Aber Arthur hatte es ja nicht anders gewollt . Er war es , der zuerst das Wort der Trennung aussprach , er , der sich zuerst und rückhaltslos in die Beschleunigung fügte , und als sie zu ihm gekommen war und sich bereit erklärte , noch zu bleiben , da hatte er sich abgewandt und sie gehen heißen . Das Blut stieg wieder heiß empor zu den Schläfen der jungen Frau , und ihre Hand griff nach der Feder . Sie war denn doch Weib genug , um zu wissen , wie ihn diese Unterschrift traf , wenn er auch darauf gefaßt sein mußte ; sie verstand es denn doch , auch Blicke zu deuten und unbewachte Momente , in denen er sich verrathen hatte ; aber daß er Herr über diese Schwäche geblieben war bis zum letzten Augenblick , daß er den Wink nicht verstehen wollte , mit dem sie ihm die Möglichkeit einer Versöhnung gezeigt , daß er Stolz gegen Stolz , Schroffheit gegen Schroffheit setzte , das sollte er jetzt büßen und wenn sie selbst zehnfach mitbüßte . – Lieber zwei Menschen unglücklich machen , als bekennen , daß man einmal Unrecht gehabt . Der Dämon des Stolzes bäumte sich wieder in ihr empor mit seiner ganzen verderblichen Macht . Wie oft schon hatte er allen besseren Regungen zum Trotz das Feld behauptet , wenn auch nicht immer zum Segen für sie und Andere . Aber heute mischte sich seine Stimme doch mit einer anderen . „ Arthur wehrt sich wie ein Mann gegen das Unglück , das von allen Seiten auf ihn einstürmt , aber er wird ihm doch zuletzt unterliegen ! “ Und wenn er unterlag , so erlag er allein , allein wie er in dem ganzen Kampfe gestanden , er hatte keinen Freund , keinen Vertrauten , nicht einen einzigen . Wie sehr ihm auch die Beamten ergeben sein mochten , wie sehr die Fremden ihn jetzt bewunderten , nahe stand ihm Keiner ; ein Herz hatte Keiner für ihn , und die Gattin , deren Platz jetzt an seiner Seite war , sie unterschrieb in diesem Augenblicke das Blatt , in dem sie in möglichster Eile nun auch die Trennung von dem Manne verlangte , den sie bereits verlassen hatte und der jetzt Tag für Tag mit dem Untergange rang . Eugenie ließ die Feder fallen und trat vom Schreibtische zurück . Was war denn am Ende Arthur ’ s Schuld gewesen ? Er hatte sich gleichgültig , nachlässig gegen eine Frau gezeigt , von der er geglaubt , daß nur die Aussicht auf seinen Reichthum sie zu dieser Convenienzehe verlockte , und als diese Frau ihn aus seinem Irrthum riß , da trat sie ihm auch zugleich mit einer Verachtung entgegen , die kein Mann erträgt , wenn noch ein Funken von Ehre in ihm ist . Er büßte auch hier die Sünden seines Vaters und hatte sie reichlich gebüßt in dieser kurzen Ehe . Seit jener Unterredung war ihr nichts weiter geschehen , als daß ihr Gatte sich fremd und kalt von ihr zurückzog , aber ihm ? Eugenie kannte am besten den wahren Inhalt dieser drei Monate , die ihrer Umgebung nur die ruhige Oberfläche der Gleichgültigkeit gezeigt und die doch Stacheln in sich bargen , genug , um einen Mann bis auf ’ s Aeußerste zu treiben ; man kann mit jedem Blicke , mit jedem Athemzuge beleidigen , und das war hier geschehen . Mit dem ganzen Hochmuth ihrer Geburt und ihres Standes hatte sie immer wieder versucht , ihn in die Nichtigkeit und Erbärmlichkeit herabzudrücken , wohin er ihrer Meinung nach gehörte . Tag für Tag hatte sie ihre Waffen gebraucht , und nur um so schonungsloser gebraucht , als sie erst sah , daß er verwundbar war , hatte ihm sein Haus zu einer Folter , seine Ehe zu einem Fluche gemacht , um sich an ihm dafür zu rächen , daß sein Vater gewissenlos an ihrer Familie gehandelt . Sie hatte ihn mit vollster Absichtlichkeit dahin getrieben , daß er zuletzt selbst die Trennung verlangte , weil er das Leben an ihrer Seite nicht mehr ertragen konnte – wenn er sich nun endlich aufbäumte und die Hand von sich stieß , die ihn so oft gequält und gepeinigt , wer war da im Unrecht ? Die junge Frau sprang auf von dem Sessel , auf den sie sich geworfen , und schritt in furchtbarer Erregung auf und nieder , wie um ihren eigenen Gedanken zu entfliehen . Sie wußte nur zu gut , was sie von ihr wollten , wohin sie sie drängten ; es gab nur eins , was hier helfen und retten konnte , aber das war ja unmöglich , das konnte ja nicht sein . Und wenn sie