doch solch ein Kindskopf die Welt malt ! In gefährlichere Hände kann der Reichtum gar nicht kommen . “ rief sie tiefgeärgert . „ Ja , nicht wahr , bester Bruck , da stehen Sie nun auch und sehen sich nachdenklich die Hand an , die sich so hülfsbedürftig an Moritzens Arm anklammert und dabei doch so willkürlich und eigenmächtig das Geld zum Fenster hinauswirft , das er mit mehr Strenge verwalten sollte ? “ Käthe zog augenblicklich die Hand zurück . Sie sah noch , wie die Augen des Doktors unverwandt und finster auf ihren Fingerspitzen hafteten und dann erschrocken über die gegenüberliegende Wand hinstreiften . „ Ach , Großmama , ein Blick der Mißbilligung ist das ganzsicher nicht gewesen , “ rief Flora scharf ; sie trat mit einer ungestümen Geberde ein wenig zurück und beobachtete argwöhnisch den Farbenwechsel auf dem schönen Gesichte des Verlobten . „ Bruck war ja selbst immer so eine Art Entusiast für das sogenannte Volkswohl – “ „ Aber jetzt doch nicht mehr , mein Kind – jetzt , wo er bei Hofe verkehrt und die Gnade des Fürsten besitzt , wie kaum ein Anderer ? “ „ Und weshalb sollte ich diesem Verkehre meine Grundsätze unterordnen ? “ fragte der Doktor anscheinend ruhig , allein seine Stimme klang unsicher und bewegt , als habe er noch mit inneren Stürmen zu kämpfen . „ Mein Gott , Sie werden doch nicht mit diesen Umsturzmenschen , diesen Socialdemokraten , gehen wollen ? “ rief die Präsidentin ganz bestürzt und alteriert . „ Ich glaube , schon einige Male ausgesprochen zu haben , daß ich gar keiner dieser heftig streitenden Parteien angehöre , eben aus Humanität . Ich bemühe mich , den klaren Ueberblick zu behalten , den der Parteihaß stets trübt und welcher doch so nothwendig ist , wenn man zum wahren Menschenwohle wirken will . “ Währenddem hatte der Kommerzienrat geschäftig die Kiste ausgepackt . Ihm war es stets höchst fatal , wenn das Gespräch auf ein Gebiet hinüberspielte , wo die Meinungsdifferenzen ihm das häusliche Behagen , wenn auch nur für einen Moment , störten . Er entfaltete maisgelben Atlas und veilchenfarbenen Seidensammet . „ Zwei Toiletten zu Deinem ersten Debüt als Frau Professorin auf dem Balle und in der Soirée , “ sagte er unmittelbar nach Bruck ’ s Ausspruche zu Flora . Er hatte seinen Zweck erreicht – der Glanz , den er hinbreitete , war zu verführerisch für Damenaugen ; selbst Henriette vergaß momentan ihren Groll , als auch noch elegante Fächer und Kartons mit Pariser Blumen und Federn das reiche Geburtstagsgeschenk vervollständigten . Aber noch war der Inhalt der Kiste nicht erschöpft . „ Die anderen Damen meines Hauses dürfen nicht leer ausgehen , um so weniger , als ich einstweilen eine Reise nicht in Aussicht und mithin für die nächste Zeit nicht die Gelegenheit habe , Etwas mitbringen zu dürfen , “ fuhr der Kommerzienrat fort . Die Präsidentin nahm mit süßem Lächeln einen kostbaren Spitzenshawl in Empfang , und Henriette erhielt eine weiße Taffetrobe , in Käthe ’ s widerstrebende Hand aber drückte der Kommerzienrat mit einem eigenthümlich verständnißvollen , vielsagenden Blicke ein ziemlich umfangreiches Etui . Dieser eine Blick rief blitzschnell in der Seele des jungen Mädchens einen wahren Sturm der widerwärtigen Empfindungen wach , die sie in der letzten Zeit zu ihrem eigenen Befremden so sehr gegen den Schwager und Vormund eingenommen . Nein , und abermals nein ! So seltsam feurig und so innig vertraut , als gelte es ein Geheimniß , um das nur sie Beide wüßten , durfte und sollte er sie nicht anblicken – sie wollte sich das ein- für allemal verbitten . Scham , Abneigung und der fast unbezwingliche Drang , ihren Widerwillen gleich jetzt , vor Aller Ohren , unverhohlen auszusprechen , das Alles kämpfte in ihr und mochte sich wohl auf ihrem Gesicht spiegeln , wenn es auch mißverstanden wurde . „ Nun , Käthe , ist es Dir so etwas Neues , beschenkt zu werden ? “ fragte Flora . „ Was hat Dir denn Moritz zugesteckt ? Einmal müssen wir es doch erfahren , das süße Geheimniß – gieb nur her , Kind ! “ – Sie fing das Etui auf , das eben im Begriff war , auf die Erde zu fallen , und drückte auf die Feder . Ein blaßrotes Feuer entströmte den Steinen , die , als Halsband aneinandergereiht , auf schwarzem Sammet lagen . Die Präsidentin nahm die Lorgnette vor die Augen . „ Superbe gefaßt ! Eigentlich zu künstlerisch , zu antik für die Imitation , wenn sie auch modern und selbst von hochgestellten Damen augenblicklich sanctioniert wird . … Der Glasfluß ist merkwürdig rein und feurig . “ Sie blinzelte angestrengt hinüber und streckte nachlässig die Hand aus , um sich das Etui zur näheren Besichtigung auszubitten . „ Glasfluß ? “ wiederholte der Kommerzienrat beleidigt . „ Aber , Großmama , wie können Sie mich denn für so entsetzlich unnobel halten ? Ist denn auch nur ein Faden hier unecht ? “ – Er fuhr mit der Hand durch die knisternden Stoffe . „ Ich kaufe grundsätzlich nie Imitation – das sollten Sie doch aus Erfahrung wissen . “ Die Präsidentin biß sich auf die Lippen . „ Das weiß ich , Moritz – ich bin nur ganz konsterniert der Thatsache gegenüber ; das sind Rubinen-Exemplare , wie sie , meines Wissens , unsere liebe Fürstin nicht einmal aufzuweisen hat . “ „ Dann tut mir der Fürst leid , daß ihm die Mittel dazu fehlen , “ rief der Kommerzienrat unter übermüthigem Lachen . „ Uebrigens müßte ich mich schämen , gerade Käthe etwas Werthloses zu schenken , Käthe , dem Goldkind , das in zwei Jahren aus dem eigenen Besitze jedes beliebige Kapital entnehmen und sich Juwelen anschaffen kann , so viel sie Lust hat . Wie würde sie dann die Imitation als eine Beleidigung verächtlich in die Ecke werfen ! “ „ Ich glaube das