aber sie sprachen nur flüsternd miteinander . In den Räumen der fürstlichen Kinder blickten sich die Erzieherin und die Wärterin des kleinen Prinzen traurig in die Augen und im Erdgeschoß wisperte die Dienerschaft und erzählte sich grausige Geschichten . Alle wußten , daß noch ein letzter Versuch unternommen wurde zur Rettung der Kranken , der Name des Fräuleins von Gerold war in aller Munde . In Herrn von Palmers Zimmer saß Frau von Berg . Sie war von der durchlauchtigsten Mama geschickt worden , die Prinzessin zu holen . Da hatte sie denn die Gelegenheit benutzt , dem Freunde » Guten Abend « zu bieten , nach dem Stand der Dinge zu fragen und zu vermelden , daß der Baron in Gegenwart der Prinzeß Thekla bei der Herzoginmutter um seine Cousine angehalten habe . Die schöne Frau war einfach fassungslos . » Wenn ich nur die Prinzeß erst glücklich im Wagen hätte ! « klagte sie in dem Gemache auf und ab schreitend , während Herr von Palmer sich nervös im Schaukelstuhl wiegte , » sie macht noch die größten Tollheiten in ihren Bußanwandlungen . « Ja , die Prinzessin , wo war die Prinzessin ? Die alte Leinenschließerin hatte die weiße Frau gesehen . Es war die kleine Prinzeß gewesen ; und daß sie so schwer und gebückt ging , das machte die Seelenangst bei der Nachricht , daß es mit Ihrer Hoheit zum Sterben komme und daß auch Fräulein von Gerold in Gefahr sei . Sie hatte es den abgerissenen Worten der alten Kammerfrau entnommen , als sie aus dem Garten zurückkehrte , in den die Angst sie getrieben , weit , weit dort unten , wo man nichts mehr sah vom Schlosse , in welches das Unglück eingezogen war durch ihre Schuld . Als sie dann mit wankenden Schritten in eins der Gemächer der Herzogin hinging , da hatte der Herzog am Fenster gestanden , und als er sich umwendete , hatte sie in der trüben spärlichen Beleuchtung auf dem schönen , sonst so kühlen , unbewegten Gesichte desselben eine tiefe Erschütterung gesehen , und an den Augen Tränenspuren . Das war mehr , als sie ertragen konnte ! In undeutlicher , verworrener Weise , fast schreiend , klagte sie sich an und gestand alles , indem sie vor ihm auf den Knien lag , seine Hand in der ihren . Er unterbrach sie mit keinem Worte , er tat nur eine Frage , als sie erschöpft schwieg . » Den Brief , Helene ? Wie , um Gottes willen , kamen Sie zu dem einzigen Brief , den ich je an Klaudine geschrieben und der offenbar von der Herzogin völlig falsch verstanden worden ist ? « » Hoheit baten darin , daß Klaudine trotzdem eine Freundin Ihrer Gemahlin bleiben sollte . « » Trotzdem ich Fräulein von Gerold beleidigt hatte – allerdings ! « » Vetter , Vetter , bestrafen Sie mich ! « rief die Prinzessin außer sich , » sagen Sie , was ich tun soll , um wieder gutzumachen – « Er zuckte die Schultern . » Wie kamen Sie zu dem Briefe ? « » Frau von Berg – « stammelte die Prinzessin und sank wie gebrochen zusammen . Der Herzog hob sie empor und geleitete sie zum nächsten Sessel . Dann wandte er sich kurz ab und verließ das Zimmer . 25. Die Operation war vorüber . Die Herzogin hatte Farbe bekommen und ihr Puls schlug kräftiger . Das gesunde Lebensblut Klaudines schien ihr neue , frische Kraft verliehen zu haben , es war wie ein Wunder . Sie lag sanft schlafend , wahrend in das geöffnete Fenster der duftige Hauch der Sommernacht wehte und eine tiefe Stille in dem Gemach herrschte . Regungslos saß die Schwester im Schatten des Bettvorhanges , so daß man nur die sanften regelmäßigen Atemzüge der Kranken hörte . Klaudine stand in ihrem Zimmer mit verbundenem Arm . Sie fühlte sich matt . Das war aber nicht allein die Folge des fehlenden Blutes , die ganze Aufregung des Tages machte sich geltend . Ihre Füße wollten sie kaum noch tragen , und dennoch wies sie mit einer an Eigensinn grenzenden Hartnäckigkeit die Aufforderung , sich zu legen , zurück . Sie habe noch mit Baron Gerold zu sprechen , sagte sie , und wünsche dann sofort nach Hause zu fahren . Die alte Herzogin , die ihr vom Bette Ihrer Hoheit in überströmendem Dankgefühl nachgefolgt war , bat wie eine besorgte Mutter , doch heute von dieser Unterredung abzusehen , nach der Operation müsse sie sich schonen , allein Klaudine blieb bei ihrem Verlangen . » Ich tue nichts halb ! « erklärte sie mit ungewöhnlicher Ruhe . Der Professor , den man zu Hilfe rief , wurde fast unangenehm . » Gut « , sagte der durch sein strenges Wesen bekannte Herr , » so mag denn diese Unterredung stattfinden , aber die Fahrt muß unterbleiben . Und nun trinken Sie ein Glas Wein ! « Er hielt ihr mit einer Miene , die keinen Widerspruch zuließ , das Glas an die Lippen . Widerstrebend nippte sie ein wenig . Als sie aber Schritte auf dem Flur hörte , wandte sie das Antlitz der alten Herzogin zu : » Hoheit wollen mir gestatten , allein mit meinem Vetter zu reden ! « Die alte Hoheit zog sich kopfschüttelnd und betrübt zurück . Frau von Katzenstein und der Professor folgten ihr . » Alles Glück mit Ihnen , lieber Baron « , flüsterte die Herzogin draußen dem blassen Manne zu , der sie beim Vorübergehen mit einer tiefen Verbeugung grüßte . Fast ungestüm trat er ein . Er war zuletzt ruhelos im Parke umhergewandert , wo ihn der suchende Diener gefunden hatte . Seine erschreckten Blicke fielen auf die Binde , in der Klaudines Arm hing , auf das lose weite Morgenkleid , auf die halbgelösten Haare und das farblose , entstellte Gesicht des schönen Mädchens . Was ging hier vor ? fragten seine Augen ,