, oft in Gefahr , das Opfer ihres Hasses zu werden und meine Stelle zu verlieren . In ruhigen Zeiten ging es noch , wenn nichts vorkam , was den Zwiespalt zwischen uns hervortreten ließ . Seit Sie aber hier sind , mein gnädiges Fräulein , ist der alte Streit wieder entbrannt und ich sehe aufs Neue ein , wie ohnmächtig ich bin . “ „ So bin ich nur gekommen , um Zwietracht in diesem friedlichen Orte zu säen “ , bemerkte Ernestine gedankenvoll vor sich hin starrend . „ Ja , ja — es ist kein Glück mit mir , wo ich weile . “ „ O sagen Sie das nicht “ , rief die Schulmeisterin , Ernestinens Hand fassend , „ ich meine nur — verzeihen Sie einer alten , einfältigen Frau , wenn sie sich erlaubt , Ihnen so etwas zu sagen , ich meine , nur , ein Fräulein , schön und begabt wie Sie , sollte nicht hier und nicht so einsam leben . Ach Gott , mein Alter und ich sagten es oft zusammen — wie schade , daß solch ein herrliches Wesen sich lebendig begräbt ! Glauben Sie uns , liebes Fräulein , dabei kommt nichts Gutes heraus . Ich kann mir nun einmal nicht helfen , es ist etwas Unnatürliches und das Natürliche ist doch immer das Beste ! “ Ernestine schwieg und sah vor sich nieder . „ Ich muß hier noch hinzufügen “ , sprach Leon ­ hardt schüchtern , „ daß Sie gerade hier nicht an Ihrem Platze sind ! Sahen Sie wohl je die Statue irgend eines berühmten Gelehrten , Künstlers usw. inmitten eines Dorfes aufgepflanzt ? Gewiß nicht , denn die Dorfjugend würde sie mit Schmutz bewerfen , kein Mensch würde ihre Bedeutung verstehen , sie würde eine Puppe sein , über die man lachte und welche man zum Spaß verstümmeln zu dürfen glaubte . Und Sie , mein Fräulein , setzen sich mit Ihrem feinen Gefühl , in der Fülle und Blüte des Lebens , freiwillig dem Schicksal aus , das solch einer Statue zu Teil würde , wenn man ihr die undankbare Aufgabe übertrüge , die ­ sem rohen Volke die Bedeutung einer großen Idee vor Augen zu führen ? Nein , wahrlich , das können Sie an sich selbst nicht verantworten ! “ Ernestine hing mit Interesse an den welken aber edlen Zügen des alten Mannes . Seine Sprechweise war so ganz anders , als sie von einem einfachen Dorf ­ schullehrer erwartet hatte , daß sie höchst erstaunt war und es sie reizte , sich mit ihm zu messen . „ Ich verstehe Ihr Gleichnis , Herr Leonhardt , und ich fühle mich dadurch geehrt ; aber verzeihen Sie mir , wenn ich sage , daß die Tatsache , auf der es beruht , doch nicht ganz richtig ist , denn ich weiß fast kein Dorf , in welchem nicht Statuen entweder von Christus , der Madonna oder Heiligen aufgestellt sind , und der rohste Bauer ehrt in ihnen die Idee , weil er sie versteht . Würde nun dieser vernachlässigten Klasse das Verständnis auch anderer nicht religiöser Ideen eröffnet , so würde sie dieselben in ihren Trä ­ gern nicht minder ehren als jene ! “ Frau Leonhardt ward bei dieser Wendung des Gesprächs ein wenig beklommen , denn wie ein braver Dienstbote nicht achtungswidrig über seine Herrschaft sprechen läßt , so fürchtete sie als treue Magd ihres Herrn und Heilandes die Art , mit der die Hartwich voraussichtlich von ihm reden würde , und fand es für eine gute Christin nicht wohlanständig , solch ein Ge ­ spräch mit anzuhören . Doch ihr Gatte machte in bescheidener und taktvoller Weise ihrer Angst ein Ende . „ Sie entschuldigen , mein gnädiges Fräulein , ich habe daran wohl gedacht , doch ist das , wie mir scheint , etwas Anderes . Das Volk ehrt in diesen Statuen nicht Ideen , sondern Personen und zwar die höchsten , heiligsten , die es kennt und die es gibt , die Personen seines Gottes und dessen Diener . Wie wir uns auch wohl der Bilder von fern lebenden Ver ­ wandten freuen , die wir , ohne sie je gesehen zu haben , um ihrer Taten willen lieben und verehren , so und noch tausendmal mehr freut sich das Volk eines Ab ­ bildes des ewig unsichtbaren und doch ewig ersehnten Allvaters ! Diese Empfindung , mein gnädiges Fräulein , ist und bleibt meiner Ansicht nach himmelweit verschieden von den Gefühlen der Bewunderung , welche durch das Verständnis der großen Ideen dieser Welt in dem Volke erweckt werden könnten . — Noch aber sind wir nicht so weit , und wer weiß , ob wir je so weit mit denjenigen Klassen kommen sollen , welche für uns arbeiten müssen , damit wir für sie denken können , und welche zu ihrem Glücke nichts weiter bedürfen , als ihren Pflug und ihren Gott ! Alles , was meiner Ansicht nach zu wünschen wäre , ist , daß dieser Gott , in ihrer Vorstellung kein rächen ­ der , zorniger Herr Zebaoth , sondern der liebende , versöhnende Gott des Christentums sei ! — Um nun mein Gleichnis noch einmal auf Sie , gnädiges Fräu ­ lein , zurückzuführen , muß ich wiederholen , daß Ihr Platz nur da ist , wo man Ihre Ideen und Bestrebun ­ gen versteht und Sie auf das Ihnen gebührende Piedestal stellt . Dann werden Sie erst glücklich sein und sich eher mit Ihrem Schöpfer versöhnen , als in der Erbitterung über den , Sie hier umgebenden reli ­ giösen Starrsinn und Irrwahn . Dem Volke sind Sie eine Feindin , weil es Sie für eine Feindin dessen hält , was ihm das Heiligste ist — seines Glaubens . Wer in seinen Augen aus dem Verbande der christ ­ lichen Gemeinschaft schied , der ist ihm aus dem Ver ­ bände der Menschheit getreten , der hört ihm auf ,