. Möske bedeutet » Waldmeister « ( asperula odorata ) , und in alten Zeiten lief die Festlichkeit einfach darauf hinaus , daß die Stadtkinder frühmorgens in den Wald zogen , Waldmeister pflückten und damit heimkehrend den Altar und die Pfeiler der Kirche schmückten . Erst im Jahre 1757 nahm die Feier einen anderen Charakter an . Am 6. Mai war die Schlacht bei Prag geschlagen worden , und am 20. Mai traf die Nachricht davon in Rheinsberg ein . Es war Sonntag vor Pfingsten , also der Tag des Möskefestes . Die Siegesfreude , vielleicht auch der Umstand , daß der damals schon in Rheinsberg residierende Prinz Heinrich zu dem glücklichen Ausgange der Bataille sehr wesentlich beigetragen hatte , schuf auf einen Schlag die bis dahin rein kirchliche Feier in eine militärisch-patriotische Feier um . Und was damals Impromptu war , blieb . Das Möskefest ist ein Soldatenspiel geworden , das die Rheinsberger Jugend aufführt . Früh am Morgen schon ziehen vier Trommler durch die Straßen und schlagen die Reveille , die jungen Soldaten sammeln sich , und so geht ' s mit Musik vor das Haus des » Generals « . Hier dreimaliges Vivat , dem General und seinen Angehörigen ausgebracht , dann zieht alles , militärisch in Sektionen aufmarschiert , in den schönen Boberowwald hinaus , wo nun das Waldmeisterpflücken beginnt . Nachmittags kommen die jungen Mädchen und besuchen mit ihren Angehörigen die mittlerweile zu Turnen und Wettlauf übergegangenen Soldaten in ihrem Waldbiwak , Preise werden verteilt , Pfänderspiele gespielt , und spät am Abend erst erfolgt unter Trommelschlag und Liedersingen der allgemeine Rückmarsch in die Stadt . – Unser Frühstück war abgetan , und wir schickten uns nunmehr an , dem Schlosse , dessen gelbe Rückwände schon überall durch das Baum- und Strauchwerk hindurchschimmerten , unsern Besuch zu machen . Die vertrauliche Mitteilung beider Herren indes , » daß der alte Kastellan um diese Zeit seinen Mittagsschlaf zu halten pflege « , bewog uns , zuvor einen Umweg zu machen und erst noch in die alte Rheinsberger Kirche hineinzusehen . 2 2 Die Rheinsberger Kirche Wir hatten bald guten Grund , uns bei dem Mittagsschlafe des alten Kastellans zu bedanken , denn sehr wahrscheinlich , daß wir ohne denselben an der Rheinsberger Kirche vorübergegangen wären . Und doch ist es ein alter und in mehr als einer Beziehung interessanter Bau . Die erste Anlage desselben datiert weit zurück , und erst 1568 war es , daß er durch Achim von Bredow um zwei Drittel vergrößert wurde . Man kann den Anbau noch jetzt von dem älteren Teile deutlich unterscheiden . Diese Kirche ist der einzige Punkt in Rheinsberg , wo man auf Schritt und Tritt den Bildern zweier völlig entgegengesetzter Epochen , der Bredow- und der Prinz-Heinrich-Zeit begegnet und diesen Gegensatz als solchen empfindet . In Schloß und Park stören die französischen Inschriften nicht , wohl aber hier in der Kirche , darin deutsche Kunst und deutsche Sprache längst vorher Hausrecht geübt hatten . Wir treten durch einen Vorbau von der Seite her ein . Gleich dieser Vorbau , der sein spärliches Licht nur mittelst der offen stehenden Tür empfängt , zeichnet sich durch den angedeuteten Gegensatz aus . Zur Linken , fast ein Vierteil des ganzen Raumes einnehmend , erhebt sich hier ein grau getünchtes Monument , das genau die Form eines aus Backstein aufgemauerten Kachelofens hat . Es ist dies das Grabmal , das Prinz Heinrich dem Andenken seines Violinisten Ludwig Christoph Pitschner , geboren 5. März 1743 , gestorben 3. Dezember 1765 , errichten ließ und trägt folgende Inschrift : Un prince , Ami des Arts , secondant mon Genie – Déjà l ' Ecole d ' Italie A l ' Allemagne mon Berceau Promet un Amphion nouveau : Mais comme j ' avançois dans ma carrière illustre J ' ai vu de mes beaux jours s ' éteindre le flambeau Sans passer le milieu de mon cinquième Lustre ; Muses ! pleurez sur mon Tombeau . Also etwa in freier Übersetzung : Gepflegt , getragen durch fürstliche Gunst , Versprach ich , ausübend italische Kunst , Meiner Heimat zwischen Rhin und Rhein Demnächst ein neuer Amphion zu sein . Doch während ich leuchtend wuchs und stieg , Stieg die Sonne meines Lebens herab . Dem Tode gehört der letzte Sieg Und die Muse weint an meinem Grab . So reimte man damals in Rheinsberg . Dem Pitschnerschen Monument gegenüber aber stehen an der Wand entlang sechs aufgerichtete Grabsteine der Bredowschen Familie , drei Männlein und drei Fräulein , die bis vor kurzem im Schiff der Kirche lagen , und blicken ernst verwundert zu dem Kachelofen hinüber , an dem sie mit Mühe den Namen Pitschner entziffern . Zum Glück verstehen sie nicht französisch , sie würden sonst noch ernsthafter dreinschauen . Wir treten nun in die freundliche , vor kurzem erst restaurierte Kirche . Die Hauptsehenswürdigkeit derselben ist das große , kunstvoll gearbeitete Grabmonument Achims von Bredow , desselben Achim von Bredow , der im Jahre 1568 die Kirche erneute und erweiterte . Es ist ein Denkmal von ganz ungewöhnlichen Dimensionen , das bei wenigstens 10 Fuß Breite gewiß die doppelte Höhe hat . Es beginnt über der Holzeinfassung des Chorstuhls , reicht bis fast an die Decke hinauf , und besteht aus vier klar gegliederten Teilen . Oben das Bredowsche Wappen , zu beiden Seiten von allegorischen Figuren eingefaßt ; darunter zwei Basreliefs , von denen das eine , nach links hin , die Auswerfung des Jonas aus dem Walfischbauche , das andere , nach rechts hin , die Auferstehung Christi darstellt ; darunter in Lebensgröße die Figuren Achim von Bredows und seiner Gemahlin , einer geborenen Anna von Arnim ; und endlich viertens unter diesen beiden Bildnissen folgende Inschrift : O frommer Christ , urtheile mild Der Du anschauest dieses Bild . Fragst Du , wer ich sei im Grab ? Gewesen bin ich und Itzt ab ; Verfolgung , Sorge , Kreuz ohn ' Zahl Die mir begegnet überall