schwerer Atemzug hob seine breite Brust . » Wahr ist ' s , Nachtigall ! Ich hab viel gesündigt an meinem Haus . « Er deutete nach der Türe . » Der da sieht aus , als sollte er ' s vergelten an mir . « Die Vögel zwitscherten wieder , und Nachtigall spielte die zärtlichste seiner Weisen . Herr Ludwig schüttelte den Kopf : » Laß gut sein ! Mein Gehör ist verdorben , alles klingt mir falsch « . Der Kämmerer Wolfl brachte eine Meldung . Und dann trat ein kleiner , hochbejahrter Mann mit weißem Faltengesicht in die Stube , dunkel gekleidet , mit einer seidenen Schaube : Herzog Ludwigs Geheimschreiber , der Stadtpfarrer Gabriel Gleslin . Ihm folgte ein Laienpriester , vierzigjährig , in langem Schwarzkleid ; eine gesunde , derbe Gestalt war ' s , mit sonnverbranntem Gesicht und groben Fäusten ; doch unter der braunen Haut an Stirn und Wangen war dem Manne das Blut entronnen , eine wehe Angst bettelte in seinen Augen , und seine Fäuste zitterten . Er neigte sich tief . » Wer ist das ? « fragte der Herzog . Gleslin erwiderte : » Einer , der den gnädigsten Herrn um Gnade bitten möchte . « Herr Ludwig betrachtete den Mann , schickte den Meister Nachtigall mit einem stummen Wink aus der Stube und fragte wieder : » Wer ist das ? « » Der Pfarrer von Kösching . « » Sooo ? « Der Herzog nickte heiter . » Von Kösching ? Der , als der Papst den Bann über mich verhängte , so flink seine Kirche schloß , die Lichter ausblies und das Sakrament versperrte ? « » Ich mußte , Herr ! « Der Pfarrer kämpfte um jedes Wort . » Als Priester ! Nach meinem Eid ! « » Sooo ? Und wie hältst du denn sonst deinen priesterliche Eid ? Du bist doch wohl der Pfarrer von Kösching , der eine Kebsin mit drei Kindern in seinem Widum hält ? Hat deine sakramentlose Gemeinde dich verklagt ? « Der Pfarrer schüttelte den Kopf . » Bloß mein Kaplan . Meine Pfarrkinder mögen mich leiden . Mich und - ach , gnädigster Herr , mein Trinle ist so ein gutes , barmherziges Weibl ! « » Gut oder boshaft , das macht für die Weiber keinen Unterschied . Ein Weib zieht immer den kürzeren . Ist sie boshaft , so hilft es ihr nichts . Ist sie barmherzig und geduldig , so geschieht ihr unrecht . « Herr Ludwig wandte sich an Gleslin . » Wie denkst denn du über dieses verbotene Zuckerbrot in den Pfarrhöfen ? « Der Greis schmunzelte . » Da hab ich kein zutreffendes Urteil mehr . In drei Jahren bin ich achtzig . « » Ja , Gleslin , alte Bäcker verstehen sich nimmer auf neues Brot . « Herr Ludwig betrachtete den Inkulpaten . » Jetzt bist du verklagt . Du mußt das Weib mit den Kindern fortschicken aus deinem Widum . Oder ich muß dich strafen . Gesetz ist Gesetz . « In den Augen des Dorfpfarrers irrte eine hilflose Verzweiflung . Er preßte vor der Brust die Fäuste aneinander , daß er weiße Knöchel bekam , und stieß die Worte rauh heraus : » Ich möcht dem Gesetz gehorchen , Herr , und bring ' s nit fertig . In meinem Innern ist beständiger Krieg . Oft lauf ich in meiner Gewissenspein hinaus in den Wald und tu einen Eid um den andern , daß ich umkehren will auf dem Weg meiner Sünden . Und komm ich wieder heim , und treten mir Weib und Kinder entgegen , dann regt sich in mir die Lieb zu ihnen mächtiger als die Lieb zum Guten . Und da muß ich wieder ein Meineidiger sein und bring ' s nit fertig , daß ich mich selber überwind . « Er konnte nimmer weiterreden . Seine Zähne knirschten . Da sagte Herr Ludwig rasch : » Du bist ein Mensch . Sei im übrigen , was du magst ! Ich bin kein Heiliger , der zu richten kam . Drum sag ich dir : Geh hin und sündige ! « Der Mann von Kösching riß die Augen auf und konnte dieses Wort der Gnade nicht gleich begreifen . Als er es verstand , wölke er sich aufs Knie werfen . Doch Herr Ludwig , mit seiner starken Faust , hielt ihn aufrecht und sagte ruhig : » Ein Pfarrer , der seinen Eid hält , darf nicht knien vor einem , den der Papst in den Bann getan . - Gleslin ! Führ diesen Menschen hinaus ! Das Ding ist erledigt . « Als der Greis wieder in die Stube kam , sagte er : » Der Himmel segne Eure Barmherzigkeit ! « Herr Ludwig schüttelte den Kopf , » Barmherzigkeit ist keine Eigenschaft der Menschen . Die kommt zuweilen , ich weiß nicht , von wo . Vielleicht von dort her , wo der Ewige wohnt , von dem wir alle wissen und den noch keiner gesehen . - Gleslin ! « » Was , gnädigster Herr ? « » Ich glaube : Er lebt ! Und gut ist er . Zu ihm kehrt , wenn ein Körper verdirbt , der menschliche Geist zurück , sei er von Sünden befleckt oder nicht , seien die Werke des Menschen gut oder bös gewesen . « Wieder schmunzelte Gleslin . » Sagt solche Dinge nur zu mir , gnädigster Herr ! Sonst verbrennt man euch wie den Hus . « Der Herzog lachte : » Das Feuer ist für die Kleinen . Wenn ein Ketzer den Purpur zur Entschuldigung hat , dann ist er sicher . « Verstummend hob er den Kopf und betrachtete den Greis , der aus seiner Schaube ein Pergament herausholte . » Gleslin ? Du machst dein Rätselgesicht ? Bringst du was Dummes ? « » Das hat mir vor einer Viertelstunde ein Freund geschickt . « Herr