auf so wunderbare Art zu neuem Leben bestimmt wurde , waren der Retter und das gerettete Geschöpf verbunden geblieben . Es wäre ihm unsinnig erschienen , sie wieder aus den Augen zu verlieren . Er betrachtete sie wie ein ihm anvertrautes Gut , wie ein letztes Pfand des Schicksals , mit dem es ihn noch einmal erproben wollte ; in seinem schon wie erstorbenen Willen war eine neue Saat aufgegangen , - ihm war , als verpflichtete ihn dieses Vertrauen des Schicksals fest auf sich selbst . Sie wieder fühlte , wie ihr geknebelter , mit den Füßen getretener Liebeswille befreit war . Nun endlich hatte er ein Objekt , das kein Phantom war und sich ihr nicht entzog . Sie ging seit jener Nacht wie eine Verklärte . Der Wahn , den ihr schon der Psychiater ausgetrieben , hatte nun den letzten Boden verloren , und die schwarzen Wasser des Landwehrkanals hatten nicht nur ihn , sondern auch sie gereinigt . Da sie dem Tode so nahe gewesen , genoß sie nun das neugeschenkte Leben mit jedem Atemzug . Sie betrachtete sich als sein Geschöpf , als ihm gehörig , in jedem Sinn . Er hatte nach kurzem , leisen Sträuben , - nach dem schwachen Versuch männlicher Defensive - nach und nach jeden » Widerstand « aufgegeben . Dieses Geschöpf , das er sich da aus dem Wasser gezogen , das sich nun in seinem Leben fest einnistete und den leeren Platz in seinem Schicksal keck besetzte , dieses Geschöpf war ihm offenbar bestimmt . Mehr und mehr schien es ihm , als ob sie ihm auf rätselhafte Weise teuer geworden wäre . Immer wieder tauchte die Erinnerung an das Köpfchen mit dem verzweifelten Ausdruck der Ertrinkenden , das sich damals aus der dunklen Wasserfläche hob , vor ihm auf , und um nichts in der Welt hätte er diesen Ausdruck je wieder an ihr sehen mögen . Wenn sie nur durch ihn und bei ihm glücklich sein konnte - wie sie nicht aufhörte zu beteuern , - so mochte es denn so sein . Und er ertappte sich darauf , wie er manchmal , wenn er , spät nachts , allein von seiner musikalischen Kaffeehaustätigkeit nach Hause kehrte und an sie , - die ihm zugeworfen worden , durch rätselhafte Fügung , - dachte , wie er dann jene Worte vor sich hinsummte , die seine erste Sehnsucht begleitet hatten : - - - » Sieh , da war - meine Chiffre leis ' gezogen . « Mit dieser Kaffeehaustätigkeit waren Erika und Olga gleichermaßen unzufrieden . Eifrig beratschlagten sie zusammen , wie man den Mann aus dieser Lebenslage in eine andere bringen könnte . Olga berichtete , daß sie das schon vergeblich versucht hatte . Sie sagte , ihre Meinung ginge dahin , daß Koszinsky mit seinen großen Sprachkenntnissen sich durch kaufmännische Tätigkeit ganz gut nach und nach eine Stellung im Leben schaffen könnte . Aber es sei vergebene Liebesmüh , ihm in dieser Hinsicht zuzureden , denn er wolle davon nichts wissen . Der Gedanke an eine kaufmännische Tätigkeit Koszinskys schlug sofort bei Erika ein . » Und was wetten Sie , meine Liebe , daß ich ihn dazu bringe « , rief sie und war gleich Feuer und Flamme für diese Idee . Sie gab nicht nach , sie belagerte und bedrängte ihn , sie verfolgte ihn mit Annoncen , die sie aus Zeitungen herausschnitt und die er schließlich , von ihr gedrängt , durch Offerten beantwortete . Sie blieb bei ihm , wenn er sie schrieb und ließ nichts passieren , was nicht » tadellos korrekt « war . Der Erfolg blieb nicht aus . Eine große Zuckerfabrik , die nach dem Auslande exportierte und einen Korrespondenten fremder Sprachen brauchte , stellte ihn in ihre Dienste . Erika jubelte : das hatte sie erreicht ! Und so taten diese beiden , diese Törichten , diese Verirrten , diese beiden Sündhaften und Entgleisten , - so taten sie aneinander , was keiner der Gerechten und Klugen an einem von ihnen vermocht hatte . - - - Da war noch ein anderer Gast , der sich meldete : Werner kam zu Olga als einer , der ihrer bedurfte . Sie erschrak , als sie ihn wiedersah ; es schien , als wäre jeder verbindende Strang zwischen seinen vielfachen Willensstrebungen durchschnitten . Er kam zu ihr , wie ein Flüchtiger . In langer , wirrer Rede erzählte er ihr wieder von seiner Leidenschaft . Aber er hatte nicht mehr als einziges Willensziel den Wunsch , verkettet zu bleiben . Die Gunst der schönen Frau hatte ihm nicht die erhoffte Seligkeit gebracht ; denn da war etwas - Dunkles - Ungreifbares . Sie , die er besaß , schien ihm immer wieder in neue , rätselhafte Fernen zu entgleiten . Oft , während er durchglüht , fiebernd , aufgelöst in seiner Leidenschaft , zu ihren Füßen sank , begegnete er , wenn er die Stirn aus den Falten ihres Kleides hob , einem eisigen , in die Ferne gerichteten Blick , der über ihn hinweg sah , weit hinweg . - - - Dabei drängte sie ihn zu einer entscheidenden Aussprache mit ihrem Gatten . Er schreckte davor zurück , weil er wußte , daß , wenn der Ehebruch zwischen ihnen beiden zugegeben würde und als Grund der Scheidung festgestellt war , sie keine Ehe miteinander schließen konnten . » Ich wünsche auch gar nicht , daß der Ehebruch zugegeben wird « , sagte sie , und in ihren irisierenden Augen tanzten geheimnisvolle Fünkchen . » Nein , ich wünsche nur einen endgültigen Abschluß dieser Ehe . Man kann ja die Eifersucht des Barons heraufbeschwören : dann wird er selbst die Scheidung wollen . Bei der Scheidungsverhandlung kann man ja den Ehebruch immer noch in Abrede stellen . « » Meineid ? « flüsterte er und sah sie starren Blickes an . Sie lächelte nur , hob gleichmütig ihre tief abfallenden , romanischen Schultern und strich ihm