es zu , daß Herr Falkenberg , ein Ritter und Würdenträger , seiner Schwäherin , einer Gräfin Schlick , erlauben gekonnt , einen Soldaten zu heuraten , so weder adlig ist noch Offizier ? « Thekla blickte verwirrt , und auch ich stutzte , sammelte mich aber zu der Antwort : » Den Obersten Falkenberg haben wir nicht erst um Erlaubnis gefragt . « Aber Zetteritz hatte unsere Bestürzung über seinen Einwand wahrgenommen und forschte weiter : » Wie denn ? Fand eure Trauung etwan heimlich statt ? Wie konnte das geschehn , da doch in Magdeburg des Kommandanten Schwäherin bekannt war ? Welcher Prädikant hat sich zu solchem Wagnis verstanden ? « Thekla errötete und schwieg . Scharf beobachtend fuhr Zetteritz fort : » Und was hat Falkenberg hinterher gesagt , wie er es nun vernommen ? He ? « » Nichts davon hat er vernommen , « erwiderte Thekla ; » erst als der Held gefallen , sind wir Eheleute worden . « Zetteritz machte große Augen , stieß einen leisen Pfiff herfür und nickte mit listigem Lächeln . Dann inquirierte er weiter : » Also erst vorgestern seid ihr getraut ? Während des Kriegsgetümmels und in der Plünderung ? Und in der Johanniskirche ? Ei , wie denn ? Habe ich nicht soeben zu hören bekommen , wie ihr nicht bei dem Geistlichen der Johanniskirche und seiner Gemeinde , sondern in einem Versteck , lediglich zu zweien euch befunden ? Da stimmt etwas nicht ! Tielsch , mach Er sich wieder fort ! Ich werde die Gräfin allein befragen . Hernach komme ich zu Ihm , und weh Ihm , so Er Flausen macht . « Ich sprang auf und rang nach Worten : » Ich selber - ich habe die Trauung vollzogen - war mein eigener Priester - vor Gott sind wir Eheleute . « » Hoho « , lachte Zetteritz . » Vor Gott ? Ohne Sakrament ? Sag Er lieber , vor Frau Venus , der Teufelin ! « Das Blut stieg mir zu Kopfe , zumal der freche Milchbart jetzt ein höhnisch-hohl Gelächter anhub . Mit geballten Fäusten hätte ich mich auf die Beleidiger stürzen mögen und stund schwer atmend vor ihnen . Auch Zetteritz war aufgesprungen und maß mich dräuenden Auges , während ihm dunkle Röte ins Gesicht schoß . » Untersteh Er sich ! « rief er hochmütig . Abwehrend trat Thekla zwischen uns . Mich sah sie flehend an , zu Zetteritz aber sprach sie entrüstet : » Herr Ritter ! Wie dürfet Ihr an wehrlosen Gefangenen so Euer Mütchen kühlen ? Meine Frauenehre verletzet ihr ! Tut denn so ein Edelmann ? « Zetteritz mäßigte sich und kehrte ihr genüber den Kavalier heraus : » Halten zu Gnaden , Jungfer Gräfin . Nicht Euch will ich kränken . Mein ritterlicher Schutz ist Euch sicher . Zu bedauern seid Ihr ja ob Eures Mißgeschicks , und daß Ihr obendrein an diesen Tropf geraten , der nach einer Gräfin seine Kommispratzen ausstreckt . « Da erhub sich in mir der Zornteufel so heiß , daß ich aufbrüllend meine Bierkanne dem Verhaßten ins Angesicht schleuderte und , ohne mich von Thekla zurückhalten zu lassen , ihn anpackte und mit ihm rang . Aber der Kornet und die Soldaten , vom Geschrei alarmiert , packten mich von hinten , und schnell war ich gefesselt , daß kein Sträuben etwas half . Während man mich hinauf zum Deck schleppte , hörte ich Thekla rufen : » Gnade , Herr Ritter ! Ihr habt ihn aufgebracht . Er hat Ehre nicht minder wie Ihr ! « » Bindet ihm auch die Füße ! « rief Zetteritz . Das letzte , was ich von Thekla vernahm , war ein Aufschluchzen und das Wort , an das ich lange mit heißer Dankbarkeit zurückdachte : » Er ist mein ehelicher Gatte ! « Wie ein Bündel , ohne daß ich Arme und Füße regen konnte , hatte man mich auf das Deck gelegt , wo scharrend die Rosse stunden , indes die Sonne mir wie zum Hohn gerade ins Gesicht schien , und die Soldaten schimpften : » Ins Wasser mit dem Landstörzer ! Solch Gesindel bringt uns noch die Pest an Bord . Soll man sich mit unnützen Fressern herumplagen ? Und beißen will der Hund auch noch ? Unsern Rittmeister anzugreifen ! Na warte , du Knollfink ! « Der Korporal aber näherte sich mir , und wiewohl er zum Schein ein finster Gesicht machte , raunte er mir die tröstlichen Worte zu : » Ego tibi condoleo , nam et ego addictus sum Augustanae confessioni - will sehen , daß ich Euch freimache . « » Gratias tibi ago ! « raunte ich zurück , worauf sich der Korporal entfernte und hinunter zu Zetteritz ging . Nach einem Weilchen kam Zetteritz mit dem Korporal an Deck und ließ drei Dragoner antreten . Mit gedämpfter Stimme sprach er zu ihnen . Drauf machten sich die drei Kerle an mich heran , und ehe ich ihr Vorhaben erraten konnte , hatten sie mich am Kopf gepackt und meinen Mund geknebelt , so daß ich nicht zu schreien vermochte . Drauf erscholl ein Hornsignal , die Ruderer stellten ihre Arbeit ein , und das Boot , mittels dessen unsere Gefangenschaft zustande gekommen , ward flott gemacht . Mich hub man ins Boot hinunter und legte die Ruder ein . Eine Zögerung entstand noch dadurch , daß der Korporal , an Bord geblieben , den einen Soldaten zu sich heranrief und ihm etwas zuraunte . Hierauf ruderten die Soldaten dem rechten Elbufer zu . Man wollte mich also von Thekla trennen , vielleicht gar umbringen . Das Boot fuhr auf den Sand , man packte mich , warf mich ans Ufer und wollte sogleich wieder wegrudern . Doch der eine Soldat kehrte zu mir zurück und machte sich mit einem Messer über meine Fessel , als wolle er sie lösen . » Zum Henker , was tust du ?