ein , daß er auf dem Wege zum Grafen Kicki gewesen sei , der ihn zum Ball geladen , er hoffte fröhliche Menschen zu sehen , und ging eiligst zurück nach der Stadt . In einer engen Gasse sah er eine lichte Hausflur , und fröhliche junge Männergestalten , bald in schmutzige Schafpelze , bald in glänzende Uniformen gekleidet , gingen ein und aus ; die ganze Straße hallte wider von patriotischen Gesängen der Ab- und Zugehenden . Er blieb einen Augenblick stehen , und es schien ihm , als sähe er Magyac eintreten . Neugierig ging er ihm nach und erblickte sich bald in einem großen Saale , in welchem sich zahlreiche Gruppen von Männern befanden . Der Raum war spärlich beleuchtet , und das bunte Durcheinander von lauter männlichen Gestalten , die mit etwas gedämpfter Stimme , aber größtenteils rasch und heftig sprachen , machte einen wunderlichen Eindruck . Valerius drückte sich in eine dunkle Ecke . Er wollte versuchen , ob er sich in diesem ihm ganz neuen Elemente zu orientieren vermöchte . Dicht neben ihm stand eine Gruppe Bauern , sie sprachen leise und unverständlich . In seine Nähe drängte sich ein Mann , bis an die Nase in den Mantel gehüllt , die Mütze hatte er tief in die Augen gezogen - es entstand eine Bewegung im Saale , und auf einer Art Tribüne im Hintergrunde desselben erschien eine Figur . Ein stürmisches Beifallsrufen drang aus mehreren Gruppen , die meistenteils aus Offizieren und jungen Männern bestanden , welche , in feinen Zivilkleidern , den gebildeten Ständen anzugehören schienen . Die Bauern neben Valerius sahen neugierig nach der Tribüne , als wäre ihnen die Erscheinung völlig neu und unbekannt . Der Redner - denn als solchen gab er sich bald kund - war eine schmale , hohe Gestalt , ganz in Schwarz gekleidet ; auf dem Kopfe trug er ein Käppchen von eben dieser Farbe , und sein ganzes Ansehen gewann dadurch etwas Klerikalisches . Die Haltung des Körpers schien von Sorgen oder Studien gebeugt zu sein - da die Gegend , in welcher sich der Redner befand , heller beleuchtet war , als die Tiefe des Saales , so konnte Valerius die Gesichtszüge genau unterscheiden . Es lagen tiefe geheimnisvolle Furchen in dem magern blassen Antlitze , die Nase war spitz und scharf geformt , und die tiefliegenden Augen waren still und fast ohne Bewegung , bevor der Redner zu sprechen begann . Dann aber flogen sie zuweilen hervor mit einem wie unterirdischen Feuer , zuweilen glänzten sie sanft und mild wie die Seele der wohlwollendsten Weisheit . Derselbe Wechsel spielte um den feinen Mund und dessen schmale Lippen : bald schienen Pfeile des tiefsten Hasses aus den Winkeln zu fliegen , bald saß ein Lächeln darauf , das aus dem schönsten Herzen zu kommen schien und von unendlicher Liebe zeugte . Die Stimme war sanft und äußerst wohlklingend , und der Akzent der schönste , welchen Valerius noch in Polen gehört : die schwierigsten Konsonanten zerflossen auf jenen feinen Lippen , und alles schmiegte sich in Wohlklang und Reiz . Der Redner begann mit jener anspruchslosen Einfachheit mächtiger Künstler die Geschichte Polens zu erzählen , die Stimme schien leise und schwach , und da die Erzählung mit den fernsten Jahrhunderten aushob , so fürchtete man , es werde ihr für den eigentlichen Zweck , für die Verhältnisse des Augenblicks keine Kraft übrig bleiben . Aber dieser Glaube war sehr irrtümlich . Die Stimme wurde stärker , wie ein Baum , der immer höher wächst , und so wie dieser immer breiter um sich greift mit seinen Zweigen , so schien auch diese Stimme immer tiefer in die Herzen der fernsten Zuhörer zu greifen . Es war eine Stille im Saale , daß man den Fall einer Nadel gehört hätte ; auf allen Gesichtern war die höchste Spannung zu lesen . Die Bauern neben Valerius schienen kaum zu atmen , und so erreichte die Rede ihren Höhepunkt bis zum Ausbruch der neuesten Revolution , die noch mit den lebendigsten , blutvollsten Worten dargestellt wurde . Da hörte sie plötzlich auf , der Redner machte eine Pause . Der Eindruck war über jenen hinaus , wo der Beifall der Zuhörer losbrechen kann , diese waren selbst über den Raum hinausgehoben , und nicht ein Laut unterbrach die feierliche Stille . Der Redner schien auch diese Art der Anerkennung zu verschmähen , denn mit viel schwächerem , aber noch völlig festem und gewandtem Tone sprach er nun über die neuesten Tage . Im Anfange der Rede waren dem aufmerksamen Zuhörer manche kleine unbedeutende Sätze begegnet , die mit dem folgenden in geringem oder gar keinem Zusammenhange zu stehen schienen . Sie betrafen meist die Verhältnisse der niedrigsten Stände und schienen mehr nebenbei vom Redner hingeworfen zu sein , um einen Teil seiner Zuhörer , die in Schafpelzen und ohne Halstuch gekommen waren , nicht ganz leer ausgehen zu lassen . Aber all die kleinen Sätze wurden in diesem letzten Teil der Rede sorgfältig aufgehoben , zusammengerückt , über-und unterbaut , daß man plötzlich ein massives Gebäude der Volksfreiheit vor sich sah , und im ersten Augenblicke stutzig war , wie es so plötzlich fest in allen Teilen aus der Erde habe wachsen können . Es war aber in diesem Abschnitte der Rede alles so fein schattiert , so schnell und gewandt ausgedrückt , daß das Ganze wie ein Luftschloß vorübergaukelte , und der eifrige Aristokrat hätte es anhören können , ohne zum klaren Bewußtsein zu kommen , wie seine innersten Meinungen hastig mit Erde verschüttet würden . Die Argumente , die historischen Data flogen wie das Weberschifflein und die Einschlagfäden vor den Augen durcheinander , und das Gewebe war fertig , dicht und dauerhaft , ohne daß der Zuhörer Absicht und Weise hatte beachten können . Man konnte in der Stunde darauf den Redner vor Gericht ziehen , und niemand wäre imstande gewesen , anzugeben , auf diese oder diese Weise hat er die Demokratie gepredigt