, die nicht in den besten Verhältnissen lebt , wird erzählt , sie habe eine goldene Stehuhr , ein vortreffliches Erbstück , versetzt , um eine Soiree zu Ehren des Lords geben zu können . Man verdächtigt eine Dame , Frau von Imhoff , uralter Patrizieradel , der näheren Beziehung zu mir , vielleicht nur deswegen , weil die Arme in einer unglücklichen Ehe lebt , an der sich der Klatsch seit Jahren mästet . Scherzhafter Unsinn . Die Dame ist , leider , ein makelloser Mensch . Das übrige Volk ist kaum der Rede wert . Die guten Deutschen sind servil bis zum Erbrechen . Der behäbige Kanzleidirektor , der mit einer sklavisch tiefen Reverenz den Hut vor mir zieht , würde mir mit Vergnügen die Stiefel putzen , wenn ichs ihm befähle . Nichts hindert mich , hier eine Art Caligula zu spielen . Zur Sache . Ein äußerer Grund meines Verweilens hier ist nicht mehr vorhanden . Der bislang vorgeschriebene Teil meiner Aufgabe ist erfüllt . Was verlangt man noch von mir ? Wessen hält man mich noch weiterhin für fähig ? Hat Euer Hochgeboren oder dero Gebietende noch intime Wünsche , so wäre es geraten , sie in Bälde vernehmen zu lassen , denn der ergebenst Unterzeichnete ist satt . Die Mahlzeit füllt ihn bis zum Hals , er muß jetzt ans Verdauen denken , Ich gehe mit der Absicht um , in Rom Prälat zu werden oder mich hinter Klostermauern einzusperren , vorher muß ich noch das nötige Schwergeld für den Ablaß beisammen haben ; wenn der Papst kein Einsehen hat , kehr ich in den Schoß der puritanischen Kirche zurück , so bin ich wenigstens der Sorge und des Ekels enthoben , mir den Bart wachsen lassen zu müssen . Auch in meinem Land gibt es Masken und jedenfalls ein würdigeres Kostüm . Ist der Minister H. in S. , der Pensionist , von allen Vorgängen verständigt und hat man ihn gegen Überfälle gesichert ? An welcher Bankstelle kann ich meinen nächsten Zinsgroschen beheben ? Dreißig Silberlinge ; mit welcher Zahl darf ich die Summe multiplizieren ? Denn auf Multiplikation ist nun einmal mein Leben gestellt . Herr von F. ist vor einigen Tagen nach München abgereist ; dies zur Notiz . Das bewußte Dokument ist , wie ein ranziges Stück Fleisch , von einem gewissenhaften Raben in Aussicht genommen , vorläufig aber noch unzugänglich . Wie hoch normiert man den Preis und , sollten im Kriegsfalle kühnere Maßregeln geboten sein , was billigt man dem jenigen zu , der die Hölle um einen neuen Untertanen reicher machen will ? Ich muß dies wissen , gegenwärtig stellen auch die geringsten Diener des Satans ihre Ansprüche . Wenn Herr von F. so weit kommt , mit der Königin zu verhandeln , wie er beabsichtigt , muß ein geeigneter Repräsentant gefunden werden , um das angefachte Feuer zu löschen ; freilich wird dann das ranzige Stück Fleisch anfangen zu stinken . Dabei fällt mir ein penetranter Passus in dem letzten Schreiben von Eurer Hochgeboren ein ; wie lautet er doch gleich : » Sie beginnen , mein lieber Graf , zu viel Wert auf das Verruchte und Verfluchte zu legen , sobald es nur einen Anschein von Zweckmäßigkeit und Behendigkeit hat . « Ich nehme diesen Worten die Schminke und lese : es ist unglaublich , was Sie für ein Spitzbube sind . Kennen Sie die hübsche Replik des alten Fürsten M. , als ihn der amerikanische Gesandte ins Gesicht hinein einen Betrüger nannte ? » Mein Lieber , Teurer , « erwiderte der Fürst mit seinem sanftesten Lächeln , » daß Sie doch in Ihren Ausdrücken niemals maßhalten können ! « Ja , halten wir Maß , wenn auch nicht im Tun , so doch im Reden . Wozu Sottisen ? Ein Schurke wird geboren so gut wie ein Edelmann . Wer sich anmaßt , in den Lauf eines fremden Schicksals zu pfuschen , ist ein Philister oder ein Dummkopf , wenn nicht beides . Wer kennt mich ? Wer will mich richten oder formen ? Verrät mich nicht jeder Atemzug ? Verwandte Sterne haben über Ihrer und meiner Wiege geleuchtet . Sie sind ein getreuer Diener . Das ist eine wunderschöne Ausrede . Werfen Sie ab , was Sie bindet , fliehen Sie in eine Einöde , auf das Meer , in die Wüste , zum Pol , auf einen andern Planeten , zu sich selbst und erproben Sie , ob Sie sich noch am Glanz des Himmels und am Schein der Sonne zu freuen vermögen , und wenn das der Fall ist , wollen wir über das Thema weiter verhandeln . Schlagen wir uns in die Nacht wie Wölfe und sammeln wir Mut , denn das Opfer könnte wehrhaft werden . Unser Schutzbefohlener bereitet mir neuestens mancherlei Sorge , und ich muß gestehen , daß er es ist , der mich in dieser gottverlassenen Gegend noch immer festhält . Allerdings ohne daß er davon weiß , aber er ist mir in jeder Hinsicht verdächtig geworden , und ich komme mir bisweilen wie ein tauber Musikant vor , der auf einer verstopften Flöte spielen muß . Aber nicht nur dies hält mich , sondern auch noch ein andres , womit ich jedoch Ihr allen Empfindsamkeiten abholdes Ohr nicht belästigen will . Auf jeden Fall , und dies nun im Ernst , entlassen Sie mich aus der Arena . Ich bin betäubt , ich bin müde , meine Nerven gehorchen nicht mehr , ich werde alt , ich fange an , den Geschmack an Treibjagden zu verlieren ; es erregt meinen Widerwillen , wenn der geängstigte Hase dem bissigsten der Hunde von selbst in die Zähne rennt , ich bin zu sehr Schöngeist , um dies noch ergötzlich zu finden , und ich könnte kaum dafür einstehen , daß ich nicht im letzten Moment eine Bresche in die Treiberkette schlage , die der verfolgten Kreatur zur Flucht verhilft . Dann aber könnte sich eine merkwürdige