gegen das Laternenlicht , daß Einhart kaum noch seine Züge ahnte . Aber es deuchte ihm , daß der Alte noch immer lachte . Sie hielten trotz hohem Wogendrang die Richtung gut . Alles Bleichgrau aus Himmelshöh war jäh verschwunden . Die fernen Lichter der Ufer waren in Finsternis untergesunken . Es brach weißes Feuer aus der samtnen Schwärze , züngelte wie Schlangen , floß nieder , zerbrach , wie Zersplittern von Bäumen und dumpfes Bellen und Zerkrachen , grollte aufwachend und zerbarst neu in dumpfe , lautlose Erwartung . Rege und jach krochen die bleichglühen Fäden pfeilschnell in der Finsternis hin , fern und hoch , oder nahe . Manchmal ganz nahe jetzt , daß Einhart sich schreckhaft duckte . Das nächtliche Chaos der jagenden Wogen und Wolken auferstand ewig in höllischem Schein , den das Sammetdunkel eben so immer wieder jäh verschluckte . Als wenn die Himmel zerbrächen , barsten die Donner und brandeten und schmetterten unaufhörlich jetzt . Bis dann der Regen hart wirbelnd und trommelnd in die tiefdunkle Nachtflut fiel . Wie Perlen , in Menge ausgeschüttet , tanzten und klirrten die Tropfen auf der finsteren Woge um die Bootsplanken . Und die monotone Weise der jankenden Ruderstangen hörte man mitten hinein in die tausend Rätselgeräusche der Wetter . Noch immer in rabenschwarzer Düsternis Blitz um Blitz , wie glühende Peitschen von Göttern geschwungen . Und wilder , rastloser Wogendrang . Und Grollen und Rollen in den Schlüften , Branden und Verhallen . Einhart war Seele und Auge . Und wenn er sich in Wunder verstrickt fühlte , wurden es Seligkeiten aus Farben . Er sah das Geringste in den Spielen des Lichtes und der Dunkelheiten jetzt . Die Wetter erstarben in tausend rätselhaften Geräuschen . Versickernd . Dröhnend in Höhe und Nähe , rieselnd und ungewiß . Das Boot schoß vorwärts . Die Blitze schwiegen , nur matte Scheine noch . Die Ruhe nach dem Regenfall blieb tief . Die Wolken jagten wie schwarze Riesenvögel in Scharen hoch und ließen ein Stück Nachtäther frei , groß , wie ein See , darin zwei Sterne blinkten . Da besann sich der Schiffermann wieder auf sein Lied . Der Gang des Bootes war noch voll Unruh . Das Lied klang jetzt hell und froh . Lichter am Ufer begannen von ferne zu blinken . Eins . Man kam nahe . Noch eins und noch eins . Man glitt jetzt dem Strande nahe vorüber . In der Haustür einer kleinen Strandhütte stand ein Weib und warf einen langen Schatten in die Nacht . Man glitt hörbar . Man sah wieder die Bewegung . Es ging in Eile . Der Alte sang mit rauher , zitternder Stimme , und beflügelte damit seine Ruderschläge . Man war Stunden gefahren . Einhart war ganz in sein altes , lächelndes Staunen verloren . » Was war ich , « dachte er , » so in die Wetternacht eingesunken ? Komme ich je ans Licht zurück ? « Es gingen undeutbare Gefühle in ihm hin , indessen sein Auge frei den Wolken folgte , die in wechselnder Gestalt gegen grünlichen Nachtäther hinjagten . » Ich ? Wer bin ich ? So gar nicht bekannt weder dem alten , singenden Manne vor mir , noch mir selber , noch den Wasserfluten , noch den Wesen im Dämmerkreise , noch gar jenen Gebirgsgipfeln und Bergzacken , die sich jetzt neu aus den Wolken lösen ? « Er war heiter , wie jetzt fast immer . Und die Welt und er selber kamen ihm jede Stunde nahe , wie neue Enthüllung . Und er erstaunte neu , wie er dann endlich unter Menschen trat . Als das nächtige Ufer eine lichte Fläche von silberblinkenden Steinen , sich dehnte . Als Leute mit Laternen sich nahten . Als sie das Boot und den Graubart und auch den eigenen Menschen Einhart aus der Nacht herauslichteten . Als er endlich auf den Beinen einherging und sich leibhaftig wiedersah . Es war ein kleines , italienisches Gasthaus am Strande . Aber es ging darin laut zu . Man spielte in der erleuchteten , offenen Schenkstube und schrie . Einhart fragte nach einem Hotel höher oben , worein bessere Fremde kehrten . Dort saßen zwei junge Frauen einsam an der Hoteltafel , als Einhart eintrat . Die gleich aufmerksam nach ihm herüber blickten . Er war von schier verzehrter Tiefe in dem sicheren Blick seiner Glutaugen , und ganz sanft und sehr für sich die ganze Reise . Er mußte mit dieser Welt , die um ihn in Neuheiten aufstieg , Tag und Nacht fertig werden . Das rauhe , zitternde Lied des Schiffers klang ihm noch in der Seele wider . Schon am andern Tage ging Einhart eine freie , sonnige Bergstraße einsam nach Norden zu . 4 Heimweh ist eine verborgene Urmacht . Wer weiß , aus welchem Paradiese der Mensch ausgetrieben ? Eine große Fremde ist die Welt . Und es ist ein anderes , sich in dieser Fremde wissend heimisch machen , also daß man darin seine Wege findet . Ein anderes , aus eigener Schöpferfreude dieser Welt Gestalt und Glanz verleihen , in göttlichem Spiele dem ewigen Heimweh Ahnungen von Stillung und Erfüllung zuzutragen . Ist es wahr , daß der Künstler aus seinem zutraulichen Hange zu den Wesen und Dingen dieser einen , weiten Sonnenerdenwelt - er allein - die Fremde der Erdentage vergessen machte , das starre Staunen und Ergrausen vor den Mächten in zartes Mitfühlen und Entgegendrängen verwandelte ? Der Erkenner findet sich zurecht in dieser großen Fremde . Aber der Künstler bildete je und je den Trost , verklärte die ewigen Irrtümer alles Lebendigen in Leidensstufen des Aufgangs , machte aus den Sünden der Seele den großen Preis des Lebens , verriet uns und verrät uns immer neu die innige Bruderschaft zu Stein und Quelle , daß wir in Einöden und Felsengebirgen nicht mehr erzittern , gab den Vögeln unter dem Himmel und den Fischen im Meer Namen und Sprache und schuf