ist wahr ? « - » Ja . « Beide schwiegen , und es war still in dem kleinen Zimmer . Nur die Uhr hörte man ticken . Nach einer Weile sagte die Mutter : » Magst it wart ' n bis nach ' n Essen ? Sunst kimmt d ' Weberin wieder eina , und de paßt oamal z ' viel auf . « » Hast du noch nicht gegessen ? « » I scho . I kriag bloß a Supp ' n auf d ' Nacht . Aber du ! « » Ich kann nichts essen . « » Nacha sag ' s der Weberin . Sie is in der Kuchel . « Sylvester ging hinaus . Als er zurück kam , saß die Mutter unbeweglich und schaute nachdenklich in das Licht . » Er hat dir erzählt , daß ich nicht mehr dabei bleiben will ? « » Dös hat er g ' sagt , ja . Und daß du heirat ' n willst , und daß d ' Musiker werst und zum Theater gehst . « » Wie kann er so lügen ? « » Net so laut ! D ' Weberin hört ins . « » Ja , und du , Mutter ? « » I hon net all ' s glaabt , g ' rad , weil er so viel daher bracht hat . « » Nicht alles , aber das vom Weggehen ? « » Dös scho . Weil i ' s schon lang ' kennt hab ' , daß ' s di net freut . « » Du hast das g ' wußt ? « » Ja ; wia ' s d ' im Herbst dag ' wen bist , hon i ' s kennt . Und davor scho . Du hoscht oft so g ' spaßig drei g ' schaugt , wenn i g ' red ' t hab ' , wia ' s amal werd . Und du hoscht mir nia recht o ' geb ' n. « » Warum hast du nie was g ' sagt ? « » Ja mei ' ! Selbig ' smal hon i ' s glaabt , und hon ' s net glaabt . I hab ' mi selber vertröst ' und hab ' mir denkt , du b ' sinnst di vielleicht wieder anderst . Nacha hat mir da Herr Sitzberger dös g ' sagt . « » Hast d ' dich in deiner Krankheit so kümmern müssen ! « » Nix leicht ' s war ' s mir it , Bua ! Aber je mehra , daß i d ' rüber nachdenkt hab ' , desto besser hon i ' s ei ' g ' sehg ' n , daß dös erst recht nix waar , wenn ' s d ' net gern dabei waarst . Jetzt is ' s no koa Sünd ' , bal ' s d ' weggehst . Aber danach waar ' s oane , wenn ' s d ' amal ausg ' weiht waarst . « Sylvester schwieg . Da war nun die Stunde , die er so lange gefürchtet hatte . Und seine Mutter machte ihm keine Vorwürfe . Er hatte die Freiheit gewonnen ohne Kampf . Und er konnte sich nicht darüber freuen . Die schlichten Worte erschütterten ihn . Wie manche Nacht hatte die alte Frau keinen Schlaf gefunden , bis sie ihrem Herzenswunsch entsagte ! Und jetzt sagte sie nur , es sei ihr nicht leicht geworden . Sie unterbrach die Stille . » Warum hoscht net früher was g ' sagt ? « » Ich hab es selber nicht gewußt . Das ist so gekommen , nach und nach . « Er griff nach ihrer Hand , und sie ließ sie ihm . » Schau , Mutter ! Ich wär ' dabei geblieben , dir zulieb . Aber es geht nicht . Ich kann nicht . « Er legte den Kopf auf den Arm und weinte . Sie zog sachte ihre Hand aus der seinen und strich ihm liebkosend über das Haar . » Geh , Bua ! « Aber sie ließ ihn gewähren und dachte , das täte ihm gut . Junge Leute weinen sich die Sorgen und Schmerzen weg . Als Sylvester sich wieder aufrichtete , sagte er noch einmal : » Dir zulieb ' hab ' ich dabei bleiben wollen . « » Dös hätt ' i gar it mög ' n. Wia ' r i so da g ' leg ' n bi , hon i oft denkt , du bleibst am End ' dabei , so lang i leb ' , und bal i amal g ' storb ' n waar , gangst du weg . Dös hätt ' mir koa Ruah it lassen . « Und dann fragte sie : » Was hoscht nacha jetzt im Sinn ? « Sylvester erzählte ihr von seinen Plänen . Erst stockend und unsicher . Allmählich wurde er lebhaft . Die Freude an der tätigen Zukunft regte sich , und er schilderte sie in rosigen Farben . Er komme schon bald zum Verdienst , sagte er . Der alte Schratt habe ihm eine Stellung verschafft in einem großen Handelshause in Frankfurt . Das habe Niederlagen in allen Ländern , und wer sich tüchtig zeige , komme bald vorwärts . Und wie wollte er arbeiten ! Keine Mühe sollte ihm zu viel sein , und je mehr es zu schaffen gäbe , desto lieber wäre es ihm . Er könne die Zeit kaum mehr erwarten , und er wolle der Mutter beweisen , daß sie der Entschluß nicht reuen dürfe . In zwei , drei Jahren wäre er so weit , daß er sie unterstützen könne , viel leichter , als wenn er Geistlicher würde . Die müßten warten , bis sie an die Reihe kämen , aber in einem solchen Geschäft brächte einen die Arbeit vorwärts , und weil er das wisse , sei ihm keine Arbeit zu viel .