als sei es glühend . Er aber erhob sich und ging aus der Tür , machte sich in seinem Zimmer straßenfertig und schritt langsam die Treppe hinunter und aus dem Hause . Alles ließ er dort , und nie kehrte er wieder zurück . Ruhe und Frieden suchte er und etwas , das er nicht nennen konnte . So ging er zu Luise . In ihren Schoß hatte er seinen Kopf gelegt , und langsam stiegen ihm die Tränen in die Augen , denn er hatte nicht sprechen müssen , sondern sie hatte ihn angesehen , und dann hatte er sein Gesicht in ihren Schoß gelegt , und nun streichelte sie ihm die Haare . Ruhig wurde ihm , wie wenn nun alles Meer glatt wäre , und er dachte an nichts , nur fühlen konnte er , und er fühlte , wie Ruhe in sein Herz floß . Dann wußte er , daß er aufstehen mußte , und er stand auf und setzte sich neben sie ; und sie sagte mit gütigem Gesicht , daß er älter geworden war . Wie sie das sagte mit gütigem Gesicht , strömte ihm das Blut zum Herzen , und er sah zwei feine Linien um ihre Mundwinkel . Sie lächelte , wie sie seinen Blick bemerkte und scherzte , daß auch sie nun die Jugend verlassen habe . So plauderte sie weiter , und er wußte , daß ihr das schwer wurde , jetzt so sorglos zu plaudern , und einmal fing er einen besorgten Blick auf , den sie auf sein Gesicht warf ; aber er selbst hätte nichts sagen können , sondern er hörte nur zu , ihrem leisen und freundlichen Wortfall . Von Bekannten erzählte sie und von Bäumen und Blumen . Er liebte eine Bewegung an ihr , wenn sie mit beiden Händen zurück an das Haar faßte . Seine Seele wiegte sich auf ihren Worten , und er schloß die Augen , damit er nur den Klang allein habe . Jetzt wußte er , daß er jeden Tag und jede Stunde an sie gedacht hatte , und daß er zusammengeschreckt war , wenn jemand einmal aus Zufall ihren Vornamen genannt hatte . Und nun saß sie neben ihm mit ihrer Güte und wollte ihm Liebes erweisen in Zartheit . Sie hatte die Hände in den Schoß gelegt , und wie er eine zufällige Bewegung machte , berührte ihn ihr Kleid . Sie merkte das , und diese Berührung war ihr peinlich , aber sie beherrschte sich und sah ihn mit gutem Lächeln an , und erst eine Weile nachher nahm sie ihr Kleid zusammen und von ihm weg , mit einem entschuldigenden Blick . Dann ging sie zu ihrem Flügel und spielte , und die Töne fluteten langsam heran und schienen groß und umgaben ihn weich und hoben ihn , und er fühlte sie um sich , wie sie weich waren . Dann begannen sie in ihn einzudringen , und mit einem leichten Schauer rührte etwas an sein Herz , und dann noch etwas , da wurde es ihm frei im Haupte und leicht , und es war , als ob alles sich im Herzen befinde , in dem war eine süße Lust , und es verschwand auch alles um ihn , weil es unbedeutend war , und er sah nur , wie Luise spielte , und in ihrem keuschen Nacken kräuselten sich dunkle Löckchen . Von nun an lebte Karl wieder in der Weise wie vor seiner Verheiratung , nur daß auch ihn die Einsamkeit überkam und er viel auf seiner stillen Stube saß , und in seiner Seele bewegte sich herzkränkendes Grübeln , und es war , als sei ihm das Band lockerer geworden , das die verschiedenen Eindrücke , Strebungen und Ausflüsse zu unserm Ich vereinigt , denn hierhin und dorthin begaben sich Teile seines Selbst , und wie von Schmetterlingen flatterte es bunt und willkürlich um sein Haupt . Aber das machte ihn nicht unglücklich , sondern es schien ihm , als ob er zu Frieden und Ruhe wolle , und wie wenn er in einem schweigenden Flusse schwimme und seine Glieder sich lösten in dem Wasser mit leuchtenden Spitzen . In dieser Zeit wurde er vorbereitet auf das Einfließen eines Neuen in ihn , das schon lange sich um ihn geballt hatte . Denn schon seit einiger Zeit war er , was ein wunderlicher Zufall in einer Großstadt scheint , auf seinen Wegen öfters einem Menschen begegnet , der ihm in eigener Art auffiel , vielleicht hätten ihn andere kaum beachtet ; das war ein seltsam linkischer und verlegener Mann , dessen Kleidung nicht absonderlich war und dessen Gesicht , Haltung und Gliedmaßen ebenfalls nichts Merkwürdiges zeigten , und doch war er im ganzen so eigentümlich linkischer und verlegener Art , wie Karl noch nie einen Menschen gesehen hatte . Wie das so geht , schien der Mann umgekehrt auch für Karl ein gewisses Interesse zu haben , denn er sah ihn immer mit einem gewissen Aufleuchten des Gesichtes aus den andern Menschen auf der Straße hervortauchen . An einem naßkalten Novemberabend etwa gegen neun Uhr , wo die entlegene Straße recht einsam war , traf Karl den Fremden , wie er unter dem aufgespannten Regenschirm mit Verdruß eine kalte Zigarette betrachtete , trat zu ihm und bot ihm seine Streichhölzer an ; der Fremde dankte mit etwas übertriebener Höflichkeit , und dann begann ein Gespräch daraufhin , daß sie sich so oft schon auf der Straße begegnet waren ; und wie ihnen dann die ersten gleichgültigen Worte bald ausgingen , da verspürten sie beide den Wunsch , einander nahe zu kommen , und deshalb setzten sie sich zusammen in eine Wirtschaft ; es stellte sich heraus , daß sie Nachbarn waren . Der Fremde , der sich Roch nannte , wußte das Gespräch bald auf einen Weg zu leiten , den Karl mit großer Freude beging . Er stammte aus einer wohlhabenden und guten Familie und war in wohlerzogenem und bravem