der Ewigkeit , Kraft eines langerloschenen Lichts , dies ist Wissen , dies ist Leid und sonst nichts . Sprach die ruhige Finsternis : Warum Gott seinen Sohn verließ , das ist kraft seiner Lust zur Freude ; es ist Kampfspiel , das stets erneute Hangen und Bangen am Lebensbaum . Gott wünschte einen Sohn des Lichts ; seine Vaterliebe ist nur ein Traum und sonst nichts . Sprach der Himmel ohne Gnaden : Mit Recht hat dich der Freund verraten . Freundschaft ist zärtliches Betrügen , Kopfnicken und Rückenbiegen . Umklammert deine Faust das Schwert dann freu dich du des Verrätergerichts ; entbehren ist , was dich der Freund gelehrt und sonst nichts . Sprach die lange Einsamkeit : Frage nicht , was Tod und Zeit . Tod bist du und Zeit bist du , Rast und Flucht und Kampf und Ruh . Aus dem Knäuel der Wirklichkeiten wirst du am Tag des großen Verzichts hin vor meine Füße gleiten , und sonst nichts . Als Cornely dies gelesen , schaute sie geraume Zeit mit staunenden Augen ins Lampenlicht . Dann ging sie in ihr Schlafgemach und begann sich mit träumerischer Ruhe zu entkleiden . Sie entfernte auch das Hemd vom Körper und trat vor den Spiegel , um sich mit dem gleichen verträumten , etwas staunenden und verlorenen Blick zu betrachten . Diese Empfindung des Losgelöstseins und der Leichtigkeit hatte sie wünschen lassen , nackt zu sein . Doch sah sie nicht den eigenen Körper , sondern freundliche Gestalten umschwebten sie , deren Nähe ihr beglückend dünkte . Siebzehntes Kapitel Der flüchtige Traum von Frühling war schon wieder vorbei , als Agathon an einem kalten Spätnachmittag nach Fürth kam . Er war ziemlich lange umhergewandert , ohne daß er sich entschließen konnte , jemand von den Menschen aufzusuchen , die er kannte . Es dunkelte schon , als er aus dem ersten Stock eines kleinen Hauses zu seinem Erstaunen den wolligen Kopf der Frau Olifat gewahrte . Im Nu hatte die lebhafte Dame auch ihn erkannt und winkte ihm zu , er solle hinauskommen . Monika saß in einem Lehnstuhl und schaute mit einem haßerfüllten Blick auf ihn , als er eintrat . Sie wehrte ihre Mutter von sich ab , die mit schmeichlerischer Geschwätzigkeit auf polnisch in sie hineinredete , darauf wandte sich Frau Olifat an Agathon und setzte ihm mit großer Zungengeläufigkeit , halb deutsch , halb französisch die Gründe auseinander , weshalb sie in die Stadt gezogen sei . Dann klagte sie über Monika , die den ganzen Tag dasitze , ohne zu sprechen , ohne zu essen , ohne zu lachen . Und wieder ergriff sie Monikas Hände und redete auf sie ein . Doch das Mädchen drehte mit einer bösartigen Gleichgültigkeit , als sei sie taub , das Gesicht nach einer anderen Richtung . Die gequälte Mutter wurde zornig ; unerschöpflich entfloß ein Strom von Schmähungen ihren Lippen , und sie erhob den Arm wie zum Schlag . Dann richtete sie sich gravitätisch auf , schritt zur Tür und warf sie dröhnend hinter sich zu . Agathon sah sich mit Monika allein . Wieder fühlte er eine atemraubende Beklemmung ihr gegenüber . Er vermochte nichts zu reden . Ihre Wangen hatten sich , kaum daß die Mutter das Zimmer verlassen , mit einem brennenden Rot bedeckt , und ihre Augen glänzten feucht , - vor Scham und Verzweiflung . » Ich kann ja gehen , Agathon , wenn Sie nicht mit mir allein sein wollen , « sagte sie mit einer eigentümlich brüchigen Stimme , und um ihre Lippen spielte ein sinnloses Lächeln . Gern hätte Agathon ihre Hand ergriffen , um sie zu bitten , sie möge wieder du sagen . Aber er konnte nicht . Unüberwindliche Scheu fesselte ihn an den Platz , wo er war . » Was hast du nun eigentlich , Monika ? « fragte er ruhig . Ihre Blicke begegneten sich zum erstenmal . Agathon hatte dabei das Gefühl , als schaue er in einen Raum mit kahlen Wänden . » Ich weiß es , du hast Gudstikker geliebt , « sagte Agathon , » aber deshalb mußt du noch nicht am Leben verzweifeln , Monika . Du hast ja den Kopf immer hoch getragen . Und jetzt ? Was ist mit dir ? Ist denn das Leben für dich weniger groß und gut geworden ? Viele haben geliebt und entbehren müssen , Monika . Nun kommt bald der Frühling , und du wirst dich freuen , wenn die warme Sonne auf dich scheint , und du wirst mit Esther in den Wald gehen und deine Wangen werden wieder rot sein . Und wenn der Herbst kommt , wirst du alles vergessen haben , Monika , diesen ganzen elenden Winter wirst du vergessen haben . « Da richtete sich Monika auf , und über ihre Züge ging eine zuckende Bewegung . » O Agathon , « rief sie aus , » nie mehr können meine Wangen rot werden , nie mehr , nie mehr . Nie mehr kann ich in den Wald und die Sonne sehen , nie mehr kann ich vergessen , Agathon , nie mehr , nie mehr . « Agathon näherte sich ihr , beugte sich herab , ergriff ihre Hand und schaute sie an . » Was hast du getan , Monika ? Warum schweigst du ? Warum verschweigst du mirs ? « Monika erhob beide Arme und legte die Hände um Agathons Nacken . So sah sie zu ihm empor mit einem feierlichen Blick , der etwas Drohendes in der Ferne zu erblicken schien und sagte , jede Silbe betonend : » Er hat mich betrogen . Geh hin und räche mich . « » Monika ! « flüsterte Agathon und machte sich los von ihr . » Es ist so finster , « sagte Monika verstört und schauerte zusammen . » Es wird schon Nacht . Ja , ich habe mich ihm hingegeben , ganz und gar . Aber denke nicht