mein Geschmack , beiläufig , ist es nicht ) , aber unter allen Umständen bin ich für höchstens eine Sauce . Das ist das einzig Richtige , weil Gesunde . Die Dinge müssen in sich etwas sein , und wenn das zutrifft , so ist eigentlich jede Sauce und nun gar erst die Sauce im Plural , von vornherein schon gerichtet . Aber lassen wir den Kardinal und seine Gewagtheiten und nehmen wir den Gegenstand seiner Abneigung : England . Es hat für mich eine Zeit gegeben , wo ich bedingungslos dafür schwärmte . Nicht zu verwundern . Hieß es doch damals in dem ganzen Kreise , drin ich lebte : Ja , wenn wir England nicht mehr lieben sollen , was sollen wir dann überhaupt noch lieben ? Diese halbe Vergötterung hab ich noch ehrlich mit durchgemacht . Aber das ist nun eine hübsche Weile her . Sie sind drüben schrecklich runtergekommen , weil der Kult vor dem Goldenen Kalbe beständig wächst ; lauter Jobber und die vornehme Welt obenan . Und dabei so heuchlerisch ; sie sagen Christus und meinen Kattun . « » Is leider so , wenigstens nach dem bißchen , was ich davon weiß . Und alles in allem , und neuerdings erst recht , bin ich deshalb immer für Rußland gewesen . Wenn ich da so an unsern Kaiser Nikolaus zurückdenke und an die Zeit , wo seine Uniform als Geschenk bei uns eintraf und dann als Kirchenstück in die Garnisonkirche kam . Natürlich in Potsdam . Wir haben zwar die Reliquien abgeschafft , aber wir haben sie doch auf unsre Art , und ganz ohne so was geht es nu mal nicht . Mit dem Alten Fritzen fing es natürlich an . Wir haben seinen Krückstock und den Dreimaster und das Taschentuch ( na , das hätten sie vielleicht weglassen können ) , und zu den drei Stücken haben wir nu jetzt auch noch die Nikolaus-Uniform . « Lorenzen sah verlegen vor sich hin ; etwas dagegen sagen ging nicht , und zustimmen noch weniger . Dubslav aber fuhr fort : » Und dann sind sie da forscher in Petersburg und geht alles mehr aus dem vollen , auch wenn die besten Steine mitunter schon rausgebrochen sind . So was kommt vor ; is eben noch ein Naturvolk . Ich kann das Schenken eigentlich nicht leiden , es hat so was von Bestechung und sieht aus wie ' n Trinkgeld . Und Trinkgeld ist noch schlimmer als Bestechung und paßt mir eigentlich ganz und gar nicht . Aber es hat doch auch wieder was Angenehmes , solche Tabatiere . Wenn es einem gut geht , ist es ein Familienstück , und wenn es einem schlecht geht , ist es ' ne letzte Zuflucht . Natürlich , ein ganz reinliches Gefühl hat man nicht dabei . « Lorenzen blieb eine volle Stunde . Der Alte war immer froh , wenn sich ihm Gelegenheit bot , sich mal ausplaudern zu können , und heute standen ja die denkbar besten Themata zur Verfügung : Woldemar , England , Kaiser Nikolaus und dazwischen Tante Adelheid , über die zwar immer nur kurze Worte fielen , aber doch so , daß sie , weil spöttisch , die gute Laune des Alten wesentlich steigerten . Und in dieser guten Laune war er auch noch , als er um die fünfte Stunde seinen Eichenstock und seinen eingeknautschten Filzhut vom Riegel nahm , um am See hin , in der Richtung auf Globsow zu , seinen gewöhnlichen Spaziergang zu machen . Unmittelbar am Südufer , da , wo die Wand steil abfiel , befand sich eine von Buchenzweigen überdachte Steinbank . Das war sein Lieblingsplatz . Die Sonne stand schon unterm Horizont , und nur das Abendrot glühte noch durch die Bäume . Da saß er nun und überdachte sein Leben , Altes und Neues , seine Kindheits- und seine Leutnantstage , die Tage kurz vor seiner Verheiratung , wo das junge , blasse Fräulein , das seine Frau werden sollte , noch Lieblingshofdame bei der alten Prinzeß Karl war . All das zog jetzt wieder an ihm vorüber , und dazwischen seine Schwester Adelheid , in jenen Tagen noch leidlich gut bei Weg , aber auch schon hart und herbe wie heute , so daß sie den reizenden Kerl , den Baron Krech , bloß weil er über ein schon halb abgestorbenes Verhältnis und eine freilich noch fortlebende Spielschuld verfügte , durch ihre Tugend weggegrault hatte . Das waren die alten Geschichten . Und dann wurde Woldemar geboren , und die junge Frau starb , und der Junge wuchs heran und lernte bei Lorenzen all das dumme Zeug , das Neue ( dran vielleicht doch was war ) , und nun fuhr er nach England rüber und war vielleicht schon in Köln und in ein paar Stunden in Ostende . Dabei sah er vor sich hin und malte mit seinem Stock Figuren in den Sand . Der Wald war ganz still ; auf dem See schwanden die letzten roten Lichter , und aus einiger Entfernung klangen Schläge herüber , wie wenn Leute Holz fällen . Er hörte mit halbem Ohr hin und sah eben auf die von Globsow her heraufführende schmale Straße , als er einer alten Frau von wohl siebzig gewahr wurde , die , mit einer mit Reisig bepackten Kiepe , den leis ansteigenden Weg heraufkam , etliche Schritte vor ihr ein Kind mit ein paar Enzianstauden in der Hand . Das Kind , ein Mädchen , mochte zehn Jahr sein , und das Licht fiel so , daß das blonde wirre Haar wie leuchtend um des Kindes Kopf stand . Als die Kleine bis fast an die Bank heran war , blieb sie stehn und erwartete da das Näherkommen der alten Frau . Diese , die wohl sah , daß das Kind in Furcht oder doch in Verlegenheit war , sagte : » Geih man vorupp , Agnes ; he deiht di nix . « Das Kind