nieder . Geradeswegs , Büchse und Bergstock in der Hand und hinter den Schultern den dick angepackten Rucksack , ging Franzl auf seinen Herrn zu . Tassilos Hände begannen zu zittern , als er den Jäger gewahrte ; alles überwindend , was er um seiner selbst willen in diesem Augenblick empfinden mußte , faßte er den Arm seines Vaters : » Ich bitte dich , Papa ! Ich bitte dich - « Graf Egge rührte sich nicht ; die Fäuste auf seine gespreizten Knie gestützt , blickte er zu dem Jäger auf , so ruhig , als wäre ihm keine Spur von Ärger zurückgeblieben , nur eine Art von Neugier , wie diese Szene sich entwickeln würde . In militärischer Haltung stellte sich Franzl vor ihm auf und zog den Hut ; sein Gesicht war weiß , aber seine Stimme hatte festen Klang . » Ich meld mich aus ' m Dienst , Herr Graf ! « Er zögerte . » Und wenn mir der Herr Graf noch a Wörtl verlauben - was der Herr Graf gsagt haben wegen dem Ghalt vom nächsten Monat , dös lassen wir gut sein . Ich hab net viel Übrigs . Aber schenken muß ich mir nix lassen . Wo ich kein Dienst net mach , da brauch ich kein Ghalt ! Nix für ungut , Herr Graf ! « Nun schwankte ihm doch die Stimme . » Ich bhüt Ihnen Gott ! « Ein Zucken kam über sein Gesicht , und das Kinn an die Brust drückend , wandte er sich ab . Tassilo stand wortlos . Graf Egge schlug die Faust auf die Holzbank und schrie : » So schau nur einer den Lümmel an ! Jetzt kehrt er gar noch den Hochmut heraus und wirft mir die achtzig Mark vor die Füße ! « Franzl hörte diese Worte noch , und das Wasser schoß ihm in die Augen . Hastig suchte er den Steig zu erreichen . Als er an der Hütte vorüberkam , trat Schipper aus der Tür , marschfertig für den Weg zur » Arbeit « , die er » da drüben « zu erledigen hatte . Beim Anblick des grauen Kameraden schien es mit Franzls Selbstbeherrschung ein jähes Ende zu haben . » Schipper ! « Er hob die Faust . » Für den heutigen Tag muß ich mich wohl bei dir bedanken ? « Er trat auf den Büchsenspanner zu , der den Bergstock wehrend vor sich hinstreckte . » Schau mir in d ' Augen , du ! Und sag mir ins Gsicht : was muß ich im Leben an dir verbrochen haben , daß Tag und Nacht kei Ruh net geben hast , bis ich draußen war bei der Tür ? « Schippers Antwort war ein dünnes Lächeln , und in seinen halbgeschlossenen Augen funkelte ein Blick , so heiß , wie ihn nur die Freude des Hasses kennt . Franzl sah diesen Blick , und es fuhr ihm etwas durch den Kopf - er wußte nicht , was . Aber es jagte ihm einen Schauer über den Rücken . Wie angewurzelt stand er und starrte dem Jäger nach , der gegen den Saum des Latschenfeldes ging und in den Büschen verschwand . Drüben bei der Holzbank war zwischen Vater und Sohn noch immer kein Wort gefallen . Graf Egge saß mit verschränkten Armen und guckte zum Himmel hinauf , an dem sich schwere Wolken zu sammeln begannen . Und Tassilos Augen waren bei Franzl ; als er den Jäger in eine Senkung des Weges niedersteigen sah , rief er ihm mit lauter Stimme zu : » Hornegger ! « » Ja , Herr Tassilo ? « klang die unsichere Antwort . » Erwarten Sie mich bei der ersten Sennhütte , ich komme nach und gehe mit Ihnen . « Verwundert drehte Graf Egge das Gesicht . » Was soll das heißen ? « Aus Tassilos Zügen schien jede Erregung geschwunden . In seinen Augen war ruhiger Ernst , als er sagte : » Du wirst es begreiflich finden , daß ich nicht bleiben kann , während der Jäger geht , der um meinetwillen entlassen wurde . Ich fühle mich verpflichtet , für ihn zu sorgen , ihm so rasch wie möglich eine neue Stellung zu verschaffen . « Graf Egge blies die Backen auf , schob die Fäuste in die Taschen seiner Lederhose und nickte mit dem Anschein zustimmender Wichtigkeit . » Aaaah ! Höchst ehrenwert ! Unter solchen Umständen müßte ich mir ein Gewissen daraus machen , dich noch länger halten zu wollen . Bitte ! « Dieses letzte Wort war von einer gnädig entlassenden Handbewegung begleitet . » Bevor ich gehe , hab ' ich mit dir noch von einer Angelegenheit zu sprechen , für deren Erledigung ich mir allerdings eine freundlichere Stunde erhofft hatte als die jetzige . « Graf Egge lächelte . » Das ist eine Einleitung , die mich neugierig macht . « » Ich gedenke mich zu verheiraten und bitte dich um deine Zustimmung . « In sprachloser Verblüffung sah Graf Egge zu Tassilo auf ; dann sagte er trocken : » Du bist majorenn . Ich habe keine Veranlassung , dir Hindernisse in den Weg zu legen . Daß ich von deiner Eröffnung sonderlich gerührt sein würde , hast du wohl selbst nicht erwartet . Du hast dich mir gegenüber nie auf einen Fuß gestellt , auf dem sich eine besondere Intimität hätte entwickeln können . « » Das war nicht meine Schuld . « » Laß das ! Du hast niemals Anteil an meinen Interessen genommen , so wirst du auch nicht verlangen , daß ich ohne Ursache plötzlich sentimental werde und über die Aussicht , daß du mich zum Großvater machen willst , vor Vergnügen aus der Haut fahre . Heirate ! Ich ersuche dich nur , den Tag der Hochzeit nicht gerade in die Zeit der Hirschbrunft zu verlegen . Da könnte ich schwer abkommen . In allem übrigen hast du meine Zustimmung .