ihrer neuen Stellung - vergangen war , wurde der alte Rummschüttel , der auf dem Gebiete der Gynäkologie nicht ganz ohne Ruf war , durch Frau von Briest doch schließlich zu Rate gezogen . Er verordnete Schwalbach . Weil aber Effi seit letztem Winter auch an katarrhalischen Affektionen litt und ein paarmal sogar auf Lunge hin behorcht worden war , so hieß es abschließend : » Also zunächst Schwalbach , meine Gnädigste , sagen wir drei Wochen , und dann ebensolange Ems . Bei der Emser Kur kann aber der Geheimrat zugegen sein . Bedeutet mithin alles in allem drei Wochen Trennung . Mehr kann ich für Sie nicht tun , lieber Innstetten . « Damit war man denn auch einverstanden , und zwar sollte Effi , dahin ging ein weiterer Beschluß , die Reise mit einer Geheimrätin Zwicker zusammen machen , wie Briest sagte , » zum Schutze dieser letzteren « , worin er nicht ganz unrecht hatte , da die Zwicker , trotz guter vierzig , eines Schutzes erheblich bedürftiger war als Effi . Innstetten , der wieder viel mit Vertretung zu tun hatte , beklagte , daß er , von Schwalbach gar nicht zu reden , wahrscheinlich auch auf gemeinschaftliche Tage in Ems werde verzichten müssen . Im übrigen wurde der 24. Juni ( Johannistag ) als Abreisetag festgesetzt , und Roswitha half der gnädigen Frau beim Packen und Aufschreiben der Wäsche . Effi hatte noch immer die alte Liebe für sie , war doch Roswitha die einzige , mit der sie von all dem Zurückliegenden , von Kessin und Crampas , von dem Chinesen und Kapitän Thomsens Nichte , frei und unbefangen reden konnte . » Sage , Roswitha , du bist doch eigentlich katholisch . Gehst du denn nie zur Beichte ? « » Nein . « » Warum nicht ? « » Ich bin früher gegangen . Aber das Richtige hab ich doch nicht gesagt . « » Das ist sehr unrecht . Dann freilich kann es nicht helfen . « » Ach , gnädigste Frau , bei mir im Dorfe machten es alle so . Und welche waren , die kicherten bloß . « » Hast du denn nie empfunden , daß es ein Glück ist , wenn man etwas auf der Seele hat , daß es runter kann ? « » Nein , gnädigste Frau . Angst habe ich wohl gehabt , als mein Vater damals mit dem glühenden Eisen auf mich loskam ; ja , das war eine große Furcht , aber weiter war es nichts . « » Nicht vor Gott ? « » Nicht so recht , gnädigste Frau . Wenn man sich vor seinem Vater so fürchtet , wie ich mich gefürchtet habe , dann fürchtet man sich nicht so sehr vor Gott . Ich habe bloß immer gedacht , der liebe Gott sei gut und werde mir armem Wurm schon helfen . « Effi lächelte und brach ab und fand es auch natürlich , daß die arme Roswitha so sprach , wie sie sprach . Sie sagte aber doch : » Weißt du , Roswitha , wenn ich wiederkomme , müssen wir doch noch mal ernstlich drüber reden . Es war doch eigentlich eine große Sünde . « » Das mit dem Kinde , und daß es verhungert ist ? Ja , gnädigste Frau , das war es . Aber ich war es ja nicht , das waren ja die anderen ... Und dann ist es auch schon so sehr lange her . « Sechsundzwanzigstes Kapitel Effi war nun schon in die fünfte Woche fort und schrieb glückliche , beinahe übermütige Briefe , namentlich seit ihrem Eintreffen in Ems , wo man doch unter Menschen sei , das heißt unter Männern , von denen sich in Schwalbach nur ausnahmsweise was gezeigt habe . Geheimrätin Zwicker , ihre Reisegefährtin , habe freilich die Frage nach dem Kurgemäßen dieser Zutat aufgeworfen und sich aufs entschiedenste dagegen ausgesprochen , alles natürlich mit einem Gesichtsausdrucke , der so ziemlich das Gegenteil versichert habe ; die Zwicker sei reizend , etwas frei , wahrscheinlich sogar mit einer Vergangenheit , aber höchst amüsant , und man könne viel , sehr viel von ihr lernen ; nie habe sie sich , trotz ihrer fünfundzwanzig , so als Kind gefühlt wie nach der Bekanntschaft mit dieser Dame . Dabei sei sie so belesen , auch in fremder Literatur , und als sie , Effi , beispielsweise neulich von » Nana « gesprochen und dabei gefragt habe , » ob es denn wirklich so schrecklich sei , « habe die Zwicker geantwortet : » Ach , meine liebe Baronin , was heißt schrecklich ? Da gibt es noch ganz anderes . « - » Sie schien mich auch « , so schloß Effi ihren Brief , » mit diesem anderen bekannt machen zu wollen . Ich habe es aber abgelehnt , weil ich weiß , daß Du die Unsitte unserer Zeit aus diesem und ähnlichem herleitest , und wohl mit Recht . Leicht ist es mir aber nicht geworden . Dazu kommt noch , daß Ems in einem Kessel liegt . Wir leiden hier außerordentlich unter der Hitze . « Innstetten hatte diesen letzten Brief mit geteilten Empfindungen gelesen , etwas erheitert , aber doch auch ein wenig mißmutig . Die Zwicker war keine Frau für Effi , der nun mal ein Zug innewohnte , sich nach links hin treiben zu lassen ; er gab es aber auf , irgendwas in diesem Sinne zu schreiben , einmal , weil er sie nicht verstimmen wollte , mehr noch , weil er sich sagte , daß es doch nichts helfen würde . Dabei sah er der Rückkehr seiner Frau mit Sehnsucht entgegen und beklagte des Dienstes nicht bloß » immer gleichgestellte « , sondern jetzt , wo jeder Ministerialrat fort war oder fort wollte , leider auch auf Doppelstunden gestellte Uhr . Ja , Innstetten sehnte sich nach Unterbrechung von Arbeit und Einsamkeit , und verwandte Gefühle hegte