unbeweglich zu . Ein Anderer von den feindlichen Dragonern , ebenso goliathstark , knapp vor mir , faßt meinen Nebenmann an und biegt ihn so kräftig im Sattel nach rückwärts , daß ihm - ich habe es krachen gehört - das Rückgrat bricht ... Auch dazu gab die Madonna ihren steinernen Segen . « » Von einer Anhöhe aus bot sich den bewaffneten Augen der Stabsoffiziere heute wieder manch abwechselungsreiches Schauspiel . Da war zum Beispiel der Einsturz einer Brücke , während über dieselbe ein Train von Wagen sich bewegte . Waren in den letzteren Verwundete ? - ich weiß es nicht - das konnte ich nicht erkennen . - Ich sah nur , daß Alles - Wagen , Pferde und Menschen - in die an jener Stelle tiefen und reißenden Fluten sank und dort verschwand . Das Ereignis war ein günstiges - sintemalen der Wagentrain den » Schwarzen « gehörte . Ich denke mir nämlich in der eben gespielten Partie » uns « als die weißen Figuren . Die Brücke war nicht zufällig eingestürzt ; die Weißen hatten , wissend , daß der Gegner darüber kommen sollte , die Pfeiler abgesägt - ein feiner Zug also . Ein zweiter Anblick hingegen , den man von derselben Anhöhe aus beobachten konnte , bedeutete einen Schnitzer der Weißen : Unser Regiment Khevenhüller wird in einen Sumpf dirigiert , wo es nicht herauskann und bis auf Wenige niedergeschossen wird . Die Getroffenen fallen hin in den Sumpf ... Hier versinken , ersticken müssen - in Mund und Nase und Augen Schlamm - nicht einmal schreien können ! ... Nun ja , zugestanden : es war ein Fehler desjenigen , der die Leute dorthin kommandiert hatte ; aber - » irren ist menschlich « und der Verlust ist kein großer - stellt ungefähr einen geschlagenen Bauer vor ; ein nächster genialer Zug mit Turm oder Königin , und Alles ist wieder gut gemacht . Der Schlamm bleibt zwar in Mund und Augen der Gefallenen , aber das ist ja nebensächlich - das Tadelnswerte dabei ist der taktische Fehler ; der muß durch eine spätere glückliche Kombination ausgemerzt werden , und dem betreffenden Führer können dann immerhin noch schöne Orden und Beförderungen blühen . Daß neulich unser 18. Jägerbataillon während eines Nachtkampfes durch mehrere Stunden auf unser Regiment König von Preußen schoß , und man erst bei Tagesanbruch den Irrtum bemerkte ; daß ein Teil des Regiments Gyulai in einen Teich geführt wurde : das sind auch so kleine Versehen , wie sie eben in der Hitze der Partei auch dem besten Spieler passieren können . « - - - - - - - - - - - - - - - » Es ist beschlossen ; wenn ich aus diesem Feldzug zurückkehre , so verlasse ich den Dienst . Alles Andere hintangesetzt - wenn man einmal eine Sache mit einem solchen Abscheu zu erfassen gelernt hat , wie der Krieg mir nunmehr einflößt , so wäre es unausgesetzte Lüge , im Dienst dieser Sache zu verharren . Ehedem bin ich , wie Du weißt , auch schon mit Widerwillen und mit verdammendem Urteil in die Schlacht gezogen , aber erst jetzt hat sich dieser Widerwille so gesteigert , diese Verurteilung so verschärft , daß alle Gründe , welche mich früher bestimmten bei meinem Berufe auszuharren , aufgehört haben , zu wirken . Die Gesinnungen , welche aus dem Jugendunterricht , vielleicht auch teilweise angeerbt - in meinem Innern noch zu Gunsten des Soldatentums sprachen , sind mir jetzt , während der zuletzt erlebten Greuel ganz verloren gegangen . Ich weiß nicht , sind es die mit Dir gemeinschaftlich gemachten Lektüren , aus welchen hervorging , daß meine Kriegsverachtung nicht vereinzelt ist , sondern von den besten Geistern der Zeit geteilt wird ; sind es die mit Dir geführten Gespräche , in welchen ich mich durch Aussprache meiner Ansichten und durch Deine Zustimmung in denselben gestärkt habe ; - kurz . mein früheres dumpfes , halbunterdrücktes Gefühl hat sich in eine klare Überzeugung verwandelt - eine Überzeugung , die es mir fortan unmöglich macht , dem Kriegsgott zu fröhnen . Das ist so eine Wandlung , wie sie bei vielen Leuten in Glaubenssachen eintritt . Zuerst sind sie etwas zweiflerisch und gleichgültig , sie können aber noch mit einer gewissen Ehrfurcht den Tempelhandlungen beiwohnen . Wenn aber einmal aller Mystizismus abgestreift ist , wenn sie zu der Einsicht gelangen , daß die Ceremonie , der sie da beiwohnen , auf Thorheit - auch mitunter grausame Thorheit , wie bei den religiösen Opferschlachtungen - beruht , dann wollen sie nicht mehr neben den anderen Bethörten knieen , nicht mehr sich und die Welt betrügen , indem sie den nunmehr entgötterten Tempel betreten . So ist es mir mit dem grausamen Marsdienst ergangen . Das geheimnisvolle , überirdische , Andachtsschauer-erweckende , welches das Erscheinen dieser Gottheit auf die Menschen hervorzubringen pflegt , welches auch in früherer Zeit noch meinen Sinn umdunkelte , das ist mir jetzt vollständig abhanden gekommen . Die Armeebefehl-Liturgie und die rituellen Heldenphrasen erscheinen mir nicht mehr als inspirierter Urtext ; der gewaltige Orgelton der Kanonen , der Weihrauchdampf des Pulvers vermag nicht mehr mich zu verzücken : ganz glaubens- und ehrfurchtslos wohne ich der fürchterlichen Kultushandlung bei und kann dabei nichts Anderes mehr sehen , als die Qualen des Opfers , nichts hören , als dessen jammervollen Todesschrei . Und daher kommt es , daß diese Blätter , die ich mit meinen Kriegseindrücken fülle , nichts Anderes enthalten , als schmerzlich geschauten Schmerz . « Die Schlacht von Königgrätz war geschlagen . Wieder eine Niederlage ! Diesmal , wie es scheint , eine entscheidende ... Mein Vater berichtete uns diese Nachricht in einem Tone , als hätte er den Weltuntergang verkündet . Und kein Brief , keine Depesche von Friedrich ! War er verwundet - tot ? - Konrad gab seiner Braut Nachricht : er war unversehrt . Die Verlustlisten waren noch nicht angekommen ; es hieß nur , bei Königgrätz gab