aller Leidenschaften und Kräfte die Kruste von sich zu schütteln , um wieder eine Weile in einer Sphäre verjüngter Seelenfreiheit , verjüngten Menschenthums athmen zu können . Wieder wird dieser Staub fallen ... da giebts kein Entrinnen - und unangetastet bleibt Keiner der Sterblichen . Wieder wird er fallen , leise wird er sich über die üppig wuchernde , strotzend blühende , mit satter Kraft empordrängende Willens- und Sehnsuchtslandschaft deiner zürnenden , rebellirenden Brust breiten - leise wird er sich dichten und häufen und ganz gemach wirst du wieder eingereiht , lieber Spießgesell und unfreiwilliger Spaßgesell , in die Riesenlegion der Alltagskinder , die da sich bücken und schicken und der Sterne vergessen und aller gewaltigen Wunder im Himmel und auf Erden , deren inbrünstige Beachtung und zärtliche Betrachtung sie emporrisse aus der Kleinheit und Enge und inneren Gelähmtheit ihrer Existenz .... Aber auch ich - auch ich lag im harten Banne des Staubes , und matt schlug mein Herz , langsam kroch mein Blut - - - - - « » - -langsam kroch mein Blut « sprach Adam leise nach und legte die Blätter apathisch aus der Hand . » Das scheint doch öfter vorzukommen « , fuhr er fort - » auch heute kriecht sotanes Blut wieder verflucht langsam . Es liegt so viel Staub und Moder in allen Ecken und Winkeln herum ... und zugleich ist mir doch , als wäre meine Bude ' mal ordentlich reine gemacht ... und keine Spur einer stimmungsvollen Unordnung zurückgeblieben ... Teufel ! Warum ist man auch ein so unleidlicher Individualitätsfex geworden ! Ich weiß ganz genau : ich leide an versetztem Thatendrang . Ich finde die Sphäre nicht , in der allein ich wirken könnte . Das ist mein tragisches Schicksal . Nun ja ! - warum auch nicht ? Meine Augen sind zu sehr auf das Lesen nach innen gestimmt . Sie sind zu wenig zur Entwickelung der Fähigkeit gekommen , sich der vorüberfließenden Erscheinungswelt in allen Lagen und Graden anzupassen . Mein kleines irdisches Unglück ist , daß ich mich nicht in Beziehung zum Nicht-Ich , zur Außenwelt fasse , sondern dieses ominöse Nicht-Ich immer in Beziehung zu mir . Im Uebrigen bin ich ' n Mensch , der zwar im Großen und Ganzen weiß , was er will , aber es sehr oft sehr langweilig findet , das zu wollen , was er weiß . Zu viel nebelhafte Zükünftelei rumort in meiner Brust herum . Das macht mich der Gegenwart gegenüber müde , apathisch , blasirt . Uebrigens ... wer bürgt mir denn dafür , daß die Atmosphäre , die ich mir geschaffen , und in der ich mit einer gewissen souverän-aristokratischen Wollust athme , nicht in letzter Hinsicht einer tiefeingewurzelten , durch Naturanlage bedingten Scheu vor dem Leben ihr Dasein verdankt ? Woher sonst die öfter ausbrechende , krampfhafte Sucht , sich auf das Leben zu stürzen , es vampyrwüthig auszusaugen , auszukosten , zu brutalisiren ? Und im Genuß , der allerdings merkwürdig genug zuweilen ein sehr behaglicher , zu vollständigem Selbstvergessen einlullender sein kann - im Genuß doch wiederum so oft auch dieser Ekel und Abscheu ... oder diese bittere , tiefschmerzliche Freude , daß man eben auch zu genießen versteht , verstehen gelernt hat , wo alle Selbsterfüllung nur in neutraler Entsagung bestehen sollte ! Ach ! Ewig karambolirt die individual-ästhetische Seite meiner Natur mit der sozial-ethischen . Oder wäre es nicht sozial-ethisch im weitesten , tiefsten Zukunftssinne : ein Bekenner der absoluten Philosophie , der Philosophie der Erlösung zu sein - ? Und als solcher , ein Glied in der socialen Verbandskette , nach rechts und links ein lobesames Beispiel zu geben ? Anderer Willenspotenzen zu glorreicher Nacheiferung zu entzünden ? Und doch ! Gerade die Aeußerungen meiner ästhetischen Natur sind im Grunde nicht minder sozial . Ich hatte einmal einen Reformatorentic in mir . Der ist todt . Wenigstens meerschendheels todt . Nun möchte ich mich gern auf den naiven Künstler hinausspielen . Ich wäre ganz vergnügt , wenn das so ginge . Allerdings ... den Dichter in mir habe ich gründlich erwürgt . Donnerwetter ! Da fällt mir ein : habe ich nicht ' mal über dieses ulkige Motiv Etwas zusammengeschmiert ? Ich erinnere mich : damals war ' s mir bitter ernst um die Sache . Heute - ich möchte das Geschreibsel doch ' mal wieder lesen - hm ! - Stimmung - Stimmung is zwar nich - aber eben : Ich träufle gern des Wein ' s goldgelbe Tropfen In rothe Rosen , die auf Gräbern blüh ' n - Holla ! Ja ! den Wein wird später Frau Lydia nachliefern - - wo stecken nur die ominösen confessions d ' un pauvre enfant ... enfant ... enfant ... d ' un pauvre enfant de la future - ? « Endlich hatte Adam sie gefunden , diese » confessions « - und er las - : Selbsttod des Dichters . » - Diese Stunde , da ich ausathmen will ; da ich Alles von mir werfen will , was mich an eine unzulängliche Welt bindet , an eine Welt voller Gemeinheit und engster Bedingung - diese große Stunde schwillt an und wächst und dehnt sich zu einer Ewigkeit . Noch einmal steigt Alles vor mir auf , was ich gethan und was ich nicht gethan . Was ich nicht gethan ! das ist ' s ! das ist ' s ! Warum habe ich so Vieles , so unzählbar Vieles nicht gethan ? Warum hatte ich es thun wollen ? Es drängt mich , einen Punkt zu finden , von dem aus ich hellstes , unverfälschtes Licht empfange - der die verworrenen Zickzackwege , die ich im Suchen und Schaffen gegangen bin , überstammt und harmonisch in sich gliedert . Oh ! könnte ich doch Alles in ein Wort zusammenfassen ! Aber dieses eine Wort erinnerte mich , selbst wenn ich es gefunden hätte , nur an eine unendliche Anzahl anderer Worte - und so würde es