! - Ja , mit dem Allen hat es seine Richtigkeit , lieber Herr . Aber nun sagen Sie mir , was ich eigentlich dazu thun soll ? « » Nun , das liegt doch klar auf der Hand , « sagte Rother zuversichtlich . » Ihr Zeugniß ... « » Mein Zeugniß ! « Krastinik lachte hellauf . » Aber , mein Gott , sie wird sich doch wohl nicht für eine keusche Jungfrau ausgeben ? « » Ja freilich thut sie das . « » Hm , hm . Und da soll ich ... Offengestanden , das ist doch eine abenteuerliche Geschichte . Und Sie setzen sich wirklich aufs Schiff und suchen mich auf ? Donnerwetter , muß Ihnen aber die Affaire am Herzen liegen . Uebrigens , wissen ' s , Herr Kamerad , - wir sind ja Kameraden von Kathis Gnaden , haha - , an eine öffentliche Erledigung der Sache glaub ' ich nicht . Wer droht , thut nichts - das weiß man ja . « » Man sagt so . Aber da giebt ' s auch Ausnahmen . Wenn dieser Kohlrausch wirklich mit Kathi in Berlin großartig auftreten will , so muß er nach dem vielen vergangenen Skandal irgendetwas Mohrenwäsche verüben , sich mit ihr , der verleumdeten Jungfrau , in die Brust werfen ... Sie verstehn . « » Ja , ich verstehe . Nun begreif ich allerdings . Ganz so abenteuerlich-verrückt , wie es auf den ersten Blick scheint - verzeihn Sie , Herr Kamerad - ist Ihre Reise hierher nicht . Auch versteh ich wohl , Sie wollten dem ersten Radau ( so nennt ihr ' s Berliner , gelt ? ) aus dem Wege gehn , sich erholen , Ihren Geist ablenken . So weit wär ' das in Ordnung . Aber was ich dazu thun soll ... was Sie wollten , haben ' s erfahren . Die Sache stimmt . « » Nun , so bezeugen Sie mir das . Sie sehen ein , welchen Werth Ihr Zeugniß für mich hat . « » Nein , die Umstände sind doch sonderbar . Ich soll gegen ein Mädel zeugen , das ich ... verführt habe - das garstige Wort muß heraus . Nein , dös geht uns goar nix an , singen die Wiener . Lassen ' s mich aus ! Es wär ' unritterlich , uncavaliermäßig ... « » So ? Aber mich als schuldlosen Idealisten in solcher Patsche stecken lassen , wär ' ritterlich ? « fuhr Rother auf . » Ueberhaupt , galant und ritterlich - das sind so zwei Begriffe , auf die das Weib immer mit Glück spekulirt . Ist ein schwacher Mann nicht schwächer als ein starkes Weib ? Verdient ein guter Mann nicht mehr Schonung als ein schlechtes Weib ? Das Weib ist nicht schwach , weder physisch noch geistig noch moralisch , und kann hundertmal brutaler und gemüthsroher sein , als der Mann . Ritterlich - da lassen ' s mich aus . « Er stand in der Erregung auf und schritt hastig in der Stube umher . Krastinik betrachtete ihn . Der reine Goodenough , dachte er , der getäuschte Idealist , der nachher Pessimist wird . Außerdem machten Rothers Worte auf ihn einen bedeutenden Eindruck . Er fand viel Wahres darin : Welcher Mann oder welche Frau stimmte nicht bei , wenn einer vom gleichen Geschlecht über das andere Geschlecht schimpft ! Auch dachte Krastinik unwillkürlich an Alice ; dunkle Befürchtungen ergriffen ihn . Er konnte sich in Rothers Lage versetzen und sah dessen nervöse Zerrüttung in einem ganz anderen Lichte . Man belächelt solange die Thorheiten des lieben Nächsten , bis man sich selbst davon getroffen fühlt . So bat denn Krastinik seinen neuen Bekannten , für heut die Sache ruhen zu lassen . Morgen sei auch noch ein Tag und das Weitere werde sich finden . Rother möge mit ihm speisen ; er wolle sein Wegweiser für den Abend sein und ihm London zeigen . Jener dankte tiefgerührt und der Oesterreicher versicherte , es sei ihm hochinteressant , einen Berliner kennen zu lernen . Zudem habe er so lange keine Deutschen mehr gesehen , daß er sich entsinne , wie er einst im Thal von Braemar , auf einem Felsen zur Seite der Chaussee sitzend , ein vorübergehendes Paar habe unvermuthet Deutsch reden hören und blitzschnell gedacht habe : » Look here , those are Germans ! « keineswegs : » Ah , deutsche Landsleute ! « So völlig habe er verlernt , deutsch zu denken , trotzdem er für sich so viel Deutsch schreibe . Wie entzückt sei er also , mit einem deutschen Gentleman zu plaudern ! Den Trieb der Stammeszusammengehörigkeit empfindet man erst im Auslande ganz oder lernt ihn , falls man Kosmopolit war . Nur Lumpe und Abenteurer verlernen ihn dort nach dem Grundsatz : Ubi bene , ibi patria . Vaterland ! Undenkbares Geheimniß , unverständliche Liebe ! Ist die Welt umsonst unendlich ? Ist jeder Flug ins Ausland eine Verbannung ? Sind wir nur für einen Flecken geboren und jedem andern Lebensklima fremd ? IV. Krastinik und Rother wurden binnen wenigen Tagen die besten Freunde . Letzterer hatte bald bemerkt , daß er es mit einem Original zu thun habe , und Ersterer studirte heimlich seinen neuen Bekannten als Modell seiner Novelle . Die reine Wahlverwandtschaft . Beiden war , als hätten sie sich lange gekannt : Sie schienen auf dem besten Weg , » Inseparables « zu werden - wie Krastinik es ausdrückte , der als Aristokrat immer noch in gräulichen Fremdwörtern sprach und das gute deutsche Wort » Unzertrennliche « für phrasenhaft und formlos gehalten haben würde . Von der sonderbaren Affaire , die sie zusammengeführt , sprachen sie nur wenig . Rother meinte freilich , er müsse nun abreisen , und bitte den Grafen , sich zu entschließen . Allein dieser wich noch immer aus : Kommt Zeit , kommt Rath . Also er solle ein schriftliches Zeugniß