behilflich zu sein , allein immer kam sie meinen Händen zuvor . Da stand an einer erhöhten Stelle des Weges die schöne Judith unter einer dunklen Tanne , deren Stamm wie eine Säule von grauem Marmor emporstieg . Ich hatte sie lange nicht mehr gesehen ; sie schien mit der Zeit noch immer schöner zu werden und hatte die Arme übereinandergeschlagen , eine Rosenknospe im Munde , mit welcher ihre Lippen nachlässig spielten . Sie grüßte eines um das andere , ohne sich in ein Gespräch einzulassen , und als ich schließlich auch an die Reihe kam , nickte sie mir leicht zu mit einem etwas ironischen Lächeln . Der Schulmeister begrüßte uns mit Freuden und vor allen seine Tochter , die er sehnlich zurückerwartet . Denn sie war nun die Erfüllung seines Ideales geworden , schön , fein , gebildet und von andächtigem , edlem Gemüte , und mit dem bescheidenen Rauschen ihres Seidenkleides war , nicht in schlimmem Sinne , eine neue schöne Welt für ihn aufgegangen . Er hatte zu seinem bisherigen Vermögen noch eine gute Erbschaft gemacht und benutzte diese , ohne Vornehmtuerei , sich mit allerhand anständigen Bequemlichkeiten zu umgeben . Was seine Tochter nach den aus Welschland mitgebrachten Bedürfnissen irgend wünschen konnte , schaffte er augenblicklich an und überdies eine Anzahl schöner Bücher für seine eigenen Wünsche . Auch hatte er seinen grauen Frack mit einem feinen schwarzen Leitrock vertauscht , wenn er ausging , und im Hause trug er einen ehrbaren talarartigen Schlafrock , um mehr das Ansehen eines würdigen , halbgeistlichen Privatgelehrten zu gewinnen . Was irgend mit einer Stickerei geziert werden konnte an seiner Person oder an seinem Geräte , das zeigte diesen Schmuck in allen Manieren und Farben , da ihm solcher ausnehmend gefiel und Anna reichlich dafür sorgte . In dem kleinen Orgelsaale stand nun ein prächtiges Sofa mit buntgestickten Kissen , und vor demselben lag ein großblumiger Teppich von Annas Hand . Diese reiche Farbenpracht , an einer Stelle zusammengehäuft , nahm sich vortrefflich und eigentümlich aus im Gegensatze zu dem einfachen weißgetünchten Saale . Nur die Orgel bot noch einigen Schmuck in glänzenden Pfeifen und mit ihren bemalten Türflügeln . Anna erschien nun in einem weißen Kleide und setzte sich an die Orgel . Sie hatte in der Pension Klavier spielen müssen , lehnte es aber ab , ein Klavier zu haben , als ihr Vater sogleich ein solches anschaffen wollte ; denn sie war zu klug und zu stolz , die gewöhnliche Klimperei fortzusetzen . Dagegen wandte sie das Erlernte dazu an , sich für einfache Lieder auf der Orgel einzuüben ; sie begleitete also jetzt unsern Gesang , und der Schulmeister weilte dafür singend in unserm Kreise . Er schaute fortwährend seine Tochter an , und ich ebenfalls , da wir ihr im Rücken standen ; sie sah wirklich aus wie eine heilige Cäcilie , während die Stellung ihrer weißen Finger auf den Tasten noch etwas Kindliches ausdrückte . Als wir des musikalischen Vergnügens satt waren , gingen wir vor das Haus ; dort war auch vieles verändert . Auf dem Treppchen standen Granat- und Oleanderbäumchen , das Gärtchen war nicht mehr ein krauses Rosen- und Gelbveigeleingärtchen , sondern , Annas jetziger Erscheinung mehr angemessen , mit fremden Gewächsen und einem grünen Tische nebst einigen Gartenstühlen versehen . Nachdem wir hier eine kleine Abendmahlzeit eingenommen , gingen wir an das Ufer , wo ein neuer Kahn lag ; Anna hatte auf dem Genfersee fahren gelernt und der Schulmeister deswegen das Fahrzeug machen lassen , das erste , welches auf dem kleinen See seit Menschengedenken zu sehen war . Außer dem Schulmeister stiegen wir alle hinein und fuhren auf das ruhige glänzende Wasser hinaus ; ich ruderte , da ich als Anwohner eines größern Sees auch meine Künste zeigen wollte , und die Mädchen saßen dicht beisammen , die Bursche aber hielten sich unruhig und suchten Scherz und Händel . Endlich gelang es ihnen , das Gefecht wieder zu eröffnen , zumal sich ihre Schwestern aus der gemessenen Haltung heraus nach freier Bewegung sehnten . Sie hatten sich nun genug darin gefallen , mit Anna die Feinen und Gestrengen zu machen , und wünschten vorzüglich die Früchte des Spukes , welchen sie sich mit meinem Bette erlaubt hatten , mit Glanz einzuernten . Deshalb wurde ich bald der Gegenstand des Gespräches ; Margot , die Älteste , berichtete Anna , daß ich mich als einen strengen Feind der Mädchen dargestellt hätte und wohl nicht zu hoffen wäre , daß ich jemals mich eines schmachtenden Herzens erbarmen würde ; sie warne daher Anna zum voraus , sich nicht etwa früher oder später in mich zu verlieben , da ich sonst ein artiger junger Mensch sei . Darauf bemerkte Lisette , es wäre dem Schein nicht zu trauen ; sie glaube vielmehr , daß ich innerhalb lichterloh brenne vor Verliebtheit , in wen , wisse sie freilich nicht ; allein ein sicheres Zeichen davon wäre mein unruhiger Schlaf , man habe am Morgen mein Bett im allersonderbarsten Zustande gefunden , die Leintücher ganz verwickelt , so daß zu vermuten , ich habe mich die ganze Nacht um mich selbst gedreht wie eine Spindel . Scheinbar besorgt fragte Margot , ob ich in der Tat nicht gut geschlafen ? Wenn dem so wäre , so wüßte sie allerdings nicht , was sie von mir halten müßte . Sie wolle inzwischen hoffen , daß ich nicht ein solcher Heuchler sei und den Mädchenfeind spiele , während ich vor Liebe nicht wüßte , wo hinaus ! Überdies wäre ich doch noch zu jung für solche Gedanken . Lisette erwiderte , eben das sei das Unglück , daß ein Grünschnabel wie ich schon so heftig verliebt sei , daß er nicht einmal mehr schlafen könne . Diese letzte Rede brachte mich endlich auf , und ich rief : » Wenn ich nicht schlafen konnte , so geschah das , weil ich durch euere eigene Verliebtheit die ganze Nacht gestört wurde , und