Saum des Mantels mit heißen Küssen . Dann ergriff sie den blinkenden Schwanenhelm , der neben ihr auf dem Tische stand , sie umfaßte ihn mit beiden Armen und drückte ihn zärtlich an die Brust . Dann hielt sie ihn eine Weile träumend vor sich hin : endlich - sie konnte nicht - wiederstehen - hob sie ihn rasch auf und setzte ihn auf das schöne Haupt : sie zuckte als die Wölbung ihre Stirn berührte , dann strich sie die schwarzen Flechten aus den Schläfen und drückte einen Augenblick den harten , kalten Stahl fest mit beiden Händen an die glühende Stirn , Dann hob sie ihn wieder ab und legte ihn , scheu umblickend , auf seinen frühern Ort zu dem Mantel . Darauf trat sie ans Fenster und sah hinaus in die duftige Nacht und das zauberische Mondlicht . Ihre Lippen regten sich wie im Gebet : aber die Worte des Gebets klangen aus in der alten Weise : » An Wasserflüssen Babylons Saß weinend Judas Stamm : Wann kömmt der Tag , der all dein Leid , Du Tochter Zion , stillt ? « Dreiundzwanzigstes Kapitel . Indessen Miriam schweigend aufsah zu den ersten Sternen , hatte Totilas rascher , sehnsuchtbeflügelter Schritt alsbald die Villa des reichen Purpurhändlers , die etwa eine Stunde vor dem Capuanischen Tor gelegen war , erreicht . Der Türstehersklave wies ihn an den alten Hortularius , den Freigelassenen Valerias , dem die Sorge für die Gärten überlassen war . Dieser , der Vertraute der Liebenden , nahm dem Gärtnerburschen die Blumen und Sämereien ab , die er angeblich von dem ersten Blumenhändler von Neapolis brachte , und geleitete ihn in sein gewöhnliches Schlafgemach im Erdgeschoß , dessen niedrige Fenster in den Garten führten : am andern Morgen noch vor Aufgang der Sonne - so wollte es die Geheimlehre der antiken Gärtnerei - müßten die Blumen eingesetzt werden , auf daß das erste Sonnenlicht , das sie in dem neuen Boden träfe , das segenbringende der Morgensonne sei . - Ungeduldig erwartete der junge Gote in dem engen Gemach bei einem Kruge Weines die Stunde , da sich Valeria von ihrem Vater nach dem gemeinsamen Nachtmahl verabschieden konnte . Immer wieder sah er zum Himmel auf , an dem Auftauchen der Sterne und dem Gang des Mondes den Fortschritt der Nacht zu ermessen . Er schlug den Vorhang zurück , der die Fensteröffnung schloß ; stille war ' s in dem weiten Garten . In der Ferne plätscherte nur leise der Springbrunnen und Zikaden zirpten in den Myrtengebüschen : der warme üppige Südwind strich in schwülem Hauch durch die Nacht , stoßweise ganze Wolken von Wohlgerüchen aus Rosenbäumen auf seinen Fittichen mit sich führend : und weithin aus dem Pinienwäldchen am Ende des Gartens drang lockend und sinnaufregend der tiefgezogene heiße Schlag der Nachtigall . Endlich hielt sich Totila nicht länger . Geräuschlos schwang er sich über die Marmorbrüstung des Fensters : kaum knisterte unter seinen raschen Schritten der weiße Sand der schmalen Wege , wie er , den Strom des Mondlichts meidend , unter dem Schatten der Gebüsche dahineilte . Vorüber an den dunkeln Taxusgängen und den Lauben von dichten Oliven , vorüber an der hohen Statue der Flora , deren weißer Marmor geisterhaft im Mondlicht schimmerte , vorüber an dem weiten Becken , wo sechs Delphine den Wasserstrahl hoch aus den Nüstern bliesen , rasch eingebogen in den dicht verwachsenen Laubweg von Lorbeer und Tamarinden und nun , noch ein Oleandergebüsch durchdringend , stand er vor der Grotte aus Tropfstein , in der die Quellnymphe über einer dunkeln , großen Urne lehnte . Wie er eintrat , glitt eine weiße Gestalt hinter der Statue hervor . » Valeria , meine schöne Rose ! « rief Totila und umschlang glühend die Geliebte , die leise seinem Ungestüm wehrte . » Laß , laß ab , mein Geliebter , « flüsterte sie , sich seinem Arm entziehend . » Nein , du Süße , ich will nicht von dir lassen . Wie lang , wie schmerzlich hab ' ich dein entbehrt ! Hörst du , wie lockend und wirbelnd die Nachtigall ruft , fühlst du wie der warme Hauch der Sommernacht , der berauschende Duft des Geißblattes Liebe atmet ? Sie alle mahnen und bedeuten , wir sollen glücklich sein ! O laß sie uns festhalten , diese goldnen Stunden . Meine Seele ist nicht weit genug all ' ihr Glück zu fassen : all ' deine Schönheit , all ' unsre Jugend und diese glühende , blühende Sommernacht ; in mächtigen Wogen rauscht das volle Leben durch das Herz und will ' s vor Wonne sprengen . « » O mein Freund ! gern möcht ' ich , wie du , aufgehn im Glücke dieser Stunden . Ich kann es nicht . Ich traue nicht diesem berauschenden Duft , der üppigen Schwüle dieser Sommernächte : sie dauert nicht : sie brütet Unheil : ich kann nicht glauben an das Glück unsrer Liebe . « » Du liebe Törin , warum nicht ? « » Ich weiß es nicht : der unselige Zwiespalt , der all mein Leben scheidet , übt seinen Fluch auch hier . Gern möchte mein Herz sich trunken , wie du , diesem Glücke hingeben . Aber eine Stimme in mir warnt und mahnt : es dauert nicht - du sollst nicht glücklich sein . « » So bist du nicht glücklich in meinen Armen ? « » Ja und nein ! Das Gefühl des Unrechts , der Schuld gegen meinen edlen Vater lastet auf mir . Sieh , Totila , was mich zumeist an dir beglückt ist nicht diese deine jugendschöne Kraft , selbst deine große Liebe nicht . Es ist der Stolz meines Herzens auf deine Seele , auf deine offne , lichte , edle Seele . Ich habe mich gewöhnt , dich klar und hell wie einen Gott des Lichts durch diese dunkle Welt schreiten zu sehen : der edle Mut siegessichrer Kraft , der