glaubst an Gott und an der Seele ewiges Leben ; ob du dir ' s gestehen magst oder nicht , ob du das heiligste Brot zu dir nimmst oder nicht , rein ist dein Herz und dein ist die Seligkeit ! « Da soll sich der alte Mann hoch emporgerichtet haben ; die Hände hätte er ausgebreitet , mit nassen Augen hätte er gelächelt und gerufen : » Jetzt hab ' ich das Rechte gehört . Der Pfarrer mag so gut sein und mir die Wegzehrung reichen . Nachher mag er kommen , der Knochenhans - Jesus , Jesus ! was ist das ? die Marian ! « schreit der Bartelmei jählings . Dann richtet er die Augen nach der Spanflamme und flüstert : » Ja , Mädel , wie steigst denn du daher heut ' in der finsteren Nacht ? Marian ! Botschaft bringst mir ? - Botschaft ? « Immer höher richtet er sich auf , immer wiederholt er das Wort » Botschaft ! « endlich sinkt er zurück und schlummert . Nach einer Weile schlägt er die Augen auf und sagt mit matter Stimme : » Bin ich kindisch gewesen , Schwester ? Ein b ' sunderlicher Traum ! Es steigt mir das Geblüt so auf . Ich verspür ' s , lang ' wird ' s nimmer dauern ; es kommt mir schon zum Herzen . - Ich muß euch behüt ' Gott sagen , allen miteinander . Hab ' auf deine Kinder acht , Schwester , daß sie dir nicht in den Wald laufen mit der Büchs . - Für die Truhen ist der Ehrenwald schon bezahlt . - Und tut mich fleißig waschen ; will nicht als der kohlschwarze Ruß-Bartelmei in den Himmel eingehen . « Als das Morgenrot durch die Fensterlein schimmert , ist der Mann tot . Sie ziehen ihm sein Sonntagsgewand an und legen ihn auf das Brett . Seiner Schwester Kinder besprengen ihn mit Wasser des Waldes . Gestern haben wir ihn begraben . Zur Faschingszeit 1832 . Das geht toll zu . Das ganze Grassteigerhaus wollen sie umkehren ; über den Kirchplatz johlen sie hin und treiben Unfug . Im Pfarrhofe liegt ein Bauernknecht , dem haben sie den Kinnbacken zerschmettert . Faschingsonntag ist das . An die Seuche wird nicht gedacht . In das Wirtshaus kommen sie zusammen und trinken Branntwein ; sie sind heiter und lachen und necken sich . Es röten sich die Gesichter , da will jeder sticheln und spotten , aber keiner mehr geneckt sein . Eines krummen Wortes , eines scheelen Blickes , oder auch eines Mägdleins wegen entsteht ein Streit . Es setzt Backenstreiche mit flacher Hand - das ist zu wenig ; sie schlagen mit den Fäusten drein - ist auch zu wenig ; sie brechen Stuhlfüße , schwingen sie mit beiden Armen wütend , lassen sie niedersausen auf die Köpfe . Das ist genug . Streckt sich einer auf den Boden . Die Unterhaltung ist aus . » Seid gescheit , Leutchen , « hab ' ich beim Grassteiger unten einmal gesagt , » wollt ihr an den Ruhetagen so wüst sein , so weicht der Segen von euerer Arbeit und es kommt noch eine böse Zeit über Winkelsteg . « Da tut sich ein Meisterknecht aus dem Schneetale hervor : » Weil wir Wildlinge sind , desweg bleiben wir arme Teufel ! Glaub ' s schon auch . Recht hat er , der Schulmeister ; gerauft wird nimmer , und ich sag ' dir ' s , Grassteigerwirt , wenn noch einmal ein Raufhandel geschieht in deinem Haus , so komm ich mit einem Zaunstecken und klieb euch allen die Schädel auseinand ! « Es steckt einmal so in den Leuten . Nur daß bei solchen Händeln der Lazarus nicht mittut , das ist mein Trost . Sie wollen wohl mit ihm anhäkeln , aber da macht er sich aus dem Staub . Es zuckt zuweilen in ihm , aber er dämpft wacker nieder . Er ist ein Mann durch und durch . Auch ist die Juliana ein Schutzengel und hilft ihm getreulich , daß er sich beherrsche . Der Förster hat den Lazarus wollen auf das flache Land hinaus befördern ; wenn einer einmal ein so seltsames Geschick habe , wie dieser junge Mensch , meint er , so müsse auch ganz was Besonderes aus ihm werden . Aber der Lazarus will nicht fort vom Wald . Er wird ein braver Mann und zu etwas Besserem könnte er es auch draußen nicht bringen , und wollt ' ihn gleich Kaiser und König an seinen Thron setzen . Ein gutes Zeichen ist , daß er keinen Branntwein trinkt . Der Branntwein ist Öl ins Feuer und so geschehen die bösen Händel . Wir Gemeindehäupter trinken nie einen Tropfen davon . Nun , um so mehr bleibt für die anderen . Der Pfarrer hat schon mehrmals scharf vor diesen Getränken gewarnt . Letztlich hat er in seinem Zorn den Branntwein einen Höllenbrunnen , ein Gift für Leib und Seele , und die Branntweinbrenner und Schenker mit heller Stimme Giftmischer geheißen . Der alte Grassteiger hat an seiner Nase hinabgelugt , und nicht lange danach hat er bekannt werden lassen , daß bei ihm frischer Obstmost angekommen sei . Der Kranabethannes aber hat es so glatt nicht abgehen lassen . Mit einem größeren Stock , als er sonst gewöhnlich bei sich trägt , ist er vor zwei Tagen im Pfarrhofe erschienen . Er klopft an die Tür ; und selbst als der Pfarrer schon zweimal vernehmlich herein ruft , klopft er noch ein drittesmal . Schwerhörig ist er nicht ; er will nur zeigen , daß , wenn gleich ein Waldteufel , er bei den Herren doch Schick und Anstand zu halten weiß , und wäre es auch vor seinem Feind , den er heute niederschmettern will . Endlich in der Stube , bleibt er eng an der Tür stehen , preßt die Hutkrempe in die Faust und murmelt in seinen