Bedauernswerte zur Kirche hinaus . Während nun die anderen Beichtkinder zur Kommunionbank hinlenken , steht sie draußen bei einem Brunnen , und wenn sie sich von jemand gesehen glaubt , wird Wasser getrunken , mehr , als man sonst am heißesten Sommertage für menschenmöglich gehalten hätte . Dorothee kam zu dem allem nicht . Demütig und ohne sich noch um die anderen Leute zu kümmern , kniete sie vor dem Muttergottesaltar in ihrem Stuhl und fragte sich nun , wie es denn möglich gewesen , daß im Beichtstuhl nach so vielen guten Vorsätzen sie solcher Eigensinn habe ankommen können . Freilich sah und fühlte sie , daß Hans in Zukunft ihr nicht mehr gefährlich sei , aber war es nicht dennoch ihre Pflicht , dem Beichtvater zu folgen ? Sie wünschte seinen Rat , um dann aus und draus zu sein , und nun hatte sie ihm nicht einmal gesagt , was beim Erforschen des Gewissens sich zwar noch nicht zeigte , doch im Beichtstuhl ihr auf einmal kam wie eine höhere Eingebung , die sie aber statt dankbar und demütig nur trotzig machte ... Wär ' s möglich gewesen , so würde sie jetzt , gleich mitten unter der Messe , wieder in den Beichtstuhl gegangen sein und das Versprechen gemacht haben . Aber dann hielt sie das nur wieder für Angst vor dem Urteil der Menschen und sagte sich , daß das - wenigstens jetzt - zur Beruhigung ihres eigenen Gewissens noch durchaus nicht nötig sei . Entschieden hatte der Geistliche das Ganze noch weniger verstanden als sie selbst , das schienen schon seine wunderlichen Fragen zu beweisen . Warum sich also noch viel um sein Urteil kümmern , wenn man ein viel richtigeres gewonnen hatte ? Sie war ja nun losgesprochen von ihrer Last , fühlte sich wieder eins mit sich selbst , und das blieb die Hauptsache . Anders reden hätte sie sollen ; aber es war in sie gefahren wie wohl auch in den Jos am Kirchweih fest . Nun , für sie , die dadurch ins klare kam , hatte sogar das sein Gutes . Vielleicht konnte also doch auch dem Burschen etwas Wünschenswertes aus jener traurigen Geschichte kommen . Unter der Messe betete sie fast mehr für ihn als für sich selbst , wobei ihr so wohl zumute wurde , daß sie es kaum bemerkte , wie die anderen Beichtkinder zur Kommunionbank schritten und nun aller Blicke sich von neuem auf sie zu richten begannen . Es heißt allgemein : Der Schein trügt . Richtiger wär ' s wohl , wenn man sagte : Der Mensch betrügt sich selbst , denn er hat seine Freude , trotz aller Erfahrung , am Scheine . Kommt man einmal mit Bauern und Bäuerinnen auf das Kapitel von Schein und Sein , ja dann lächeln sie recht vornehm und richten die Köpfe gehörig auf ; da dürfen sie die Meinung um so herzhafter sagen , weil das nun sie selber gar nichts angeht . Es gilt nur den hoffärtigen Stadtleuten in ihrer teuern Herrlichkeit , die nicht kalt und nicht warm zu machen vermag . Sie aber , die Bauern , haben diesen Fehler nicht und sind nicht eitel . Was würden die Leute dazu sagen , wenn auch sie sich um den Schein kümmerten , sich etwa gar über den Stand kleiden und gnädige Herren spielen wollten ? Dadurch müßte man ja den Kredit und sogar für die Kinder oft die schönsten Aussichten auf eine gute Versorgung verlieren . Drum doch beileibe keinen Aufwand machen um des Scheins willen wie die Stadtleute , viel lieber zu demütig , zu einfach und ärmlich ! Es ist doch weit genug bekannt , wie einer steht und daß er es leicht großartiger geben , viel mehr Aufwand machen könnte , wenn er dazu nicht zu bescheiden wäre und eben an . Einfachheit und Sparsamkeit seine größte , seine einzige Freude hätte . Dorothee , die bisher stets ziemlich unbeachtet gebliebene Magd , galt und hielt sich selbst für gleichgültig gegen Urteil und Meinung derjenigen , an die sie nicht durch ihre Dienstpflicht gebunden war . Heute aber zeigte sie das auf eine Weise , die der erwähnten Gleichgültigkeit anderer Bauern so ziemlich glich . Sie blieb ruhig an ihrem Platze , als die anderen die Kirche verließen , und zog abermals ihr Gebetbüchlein heraus . Daran konnte man sehen und sollte sehen , wie leicht sie diese Blicke ertrug , wie wenig sie sich um die vielleicht entstandenen Gedanken kümmerte und wie stark ihr gutes Gewissen sie machte . In ihrem Büchlein stand freilich ganz anderes , aber davon sah sie nichts , schon weil sie es lange verkehrt in der Hand hielt . Sie kam erst darauf , als ihr Auge einem auf sie gerichteten Blicke des Pfarrers , der wegen Unwohlsein die Kirche bald nach der Messe wieder verließ , ins Büchlein zu entrinnen suchte . Sie fand und las das Gebet einer christlichen Hausmagd , wodurch sie nun wieder an die vielen Arbeiten erinnert wurde , die ihrer auf dem Stighofe warteten und noch morgens , vor dem Beginn des eigentlichen Gottesdienstes , verrichtet werden mußten . Sie schloß das Büchlein , steckte den Rosenkranz ein , dachte wieder an den Stighof und kam nun von neuem ins Grübeln und Sinnen hinein . Aber je mehr die , welche sie aus dem Beichtstuhl und später nicht zur Kommunion gehen sahen , die Kirche verließen , desto herzhafter gab sie sich nun sogar in den Stücken recht , die ihr sonst noch wenigstens etwas bedenklich erschienen . Sie wiederholte sich noch einmal jedes Wort des Kaplans und ihre Antworten , dabei richtete sie das Köpfchen immer mehr auf , und sie trug es wirklich so hoch wie sonst nur selten , als sie endlich die Kirche verließ . Und schnellen Schrittes , dem heiteren Herbstmorgen , der Berg und Tal vergoldete , fröhlich entgegenlächelnd , ging sie kurz darauf durch Argenau hinein . Den Begegnenden , die