und still . Der Knabe wurde traurig und immer trauriger . Er kam sich so vergessen , so verlassen vor , daß er ' s endlich nicht mehr ertragen konnte . Er trat hervor aus seiner Ecke , ging an Seba heran und lehnte sich mit seinen Armen auf ihren Schooß . Und er hörte immerfort , wie sie sprachen und lachten und lachten und sprachen , immer schneller , immer lauter , Alle durch einander ; und dabei mußte er immerfort nachsinnen und wußte noch nicht worüber , und immerfort an etwas denken , und wußte doch nicht woran . Er ward müde und betäubt von all dem Treiben . Nur bisweilen schlug ein einzelnes Wort , wie ein Ton aus der Ferne , stärker , vernehmlicher an sein Ohr , und mit einem Male hörte er , daß der Hauptmann sagte : Graf Berka , Sie sind doch gewiß auch noch bei Ihrem Schwager , bei dem Baron von Arten in Richten gewesen ? Da fuhr der Knabe auf , als falle ihm ein , was er bis dahin vergebens gesucht hatte , und sich emporrichtend , rief er laut und deutlich , daß Jedermann es hören mußte : Das ist Schloß Richten , das gehört dem Baron von Arten , der Baron von Arten ist mein Vater - und meine Mutter liegt im Teich ! .... Alles verstummte , Alles sah nach dem Knaben hin . Sein Aufschrei , der ganze Vorgang waren wie ein Blitzstrahl in die Gesellschaft gefahren . Paul hatte , erschreckt von seinem eignen Thun , seine Arme um Seba ' s Hals geschlungen , die , noch mehr verwirrt als die Uebrigen , ihn fortzuführen suchte . Seba ' s Mutter und die Kriegsräthin und der Kriegsrath folgten ihnen nach , die Betroffenheit war allgemein . Man fragte , was es mit dem Kinde auf sich habe , das man bis dahin bereitwillig für eine Waise gehalten hatte . Man drang in den Juwelier , der inzwischen herbeigekommen war , um eine Erklärung , man wendete sich an den Grafen , neugierig , zu sehen , wie er den Vorfall aufgenommen habe ; und obschon Herr Flies und der Kriegsrath , der bald zurückgekehrt war , die Sache so gut es gehen wollte in das Gleiche zu bringen suchten , war die Heiterkeit der Gesellschaft doch ins Stocken gerathen . Die Verstimmung des jungen Grafen war gar zu unverkennbar , und wie sehr er sich auch mühte , sie zu verbergen , es gelang ihm nicht ; denn auch in ihm waren Erinnerungen aufgestiegen , Erinnerungen , die er gern gemieden hätte . Er stand mit einem Male deutlich vor ihm , der klare Herbstmorgen , an welchem er sich vor Jahren mit dem Freiherrn auf der Terrasse von Schloß Richten befunden hatte , um zur Hochzeit nach Berka zu fahren . Er erinnerte sich ganz genau , wie man in jener Stunde unten am Flusse nach einer Ertrunkenen gesucht hatte . Eine Menge von kleinen Thatsachen , welche sich auf das damalige Verhalten seines Schwagers , auf die ersten Monate von Angelika ' s Ehe , auf manche ihrer brieflichen Aeußerungen in jener Zeit , auf ihren Uebertritt zum Katholicismus und auf das Zerwürfniß mit ihrer Familie bezogen und an die er bisher immer nur wie an unzusammenhängende Ereignisse gedacht hatte , fingen an , sich in seinem Geiste zu einem Ganzen zu gestalten , von dem er seinen Sinn nicht abwenden konnte . Er übersah dasselbe nicht vollständig , nicht ganz klar , aber es erfüllte ihn mit Mitleid für die Schwester , es weckte seine Sehnsucht nach ihr auf , und er dachte mit erhöhtem Zorn an ihren Gatten . Jetzt wußte er es plötzlich , was ihn so bekannt und doch so befremdlich aus Paul ' s Augen angesehen hatte und weßhalb der Knabe ihm so unheimlich gewesen war . Er begriff nicht , daß ihm die Aehnlichkeit mit dem Freiherrn nicht gleich deutlich gewesen sei . Es waren seine Augen , seine hohe , gewölbte Stirn , sein festgeformter Mund . Selbst den Nacken und den Kopf trug der Knabe so stolz wie der Freiherr , und weil der Graf seinen Schwager in diesem Augenblicke haßte , so haßte er auch dessen Bastardsohn . Indeß dem Grafen vor allen Anderen mußte daran gelegen sein , über den peinlichen Eindruck fortzukommen , die Scene vergessen zu machen , welche man eben erlebt hatte , und seine Keckheit und sein Leichtsinn kamen ihm dabei zu Hülfe . Er lachte über sein Erschrecken , über die Bestürzung der Gesellschaft , und wie er die Worte des Kindes verlachte und verspottete , so lachte er mit seinen Cameraden auch über die Familie des Kriegsraths , in welcher man den Knaben so geheimnißvoll erzog . Was war ihm denn auch diese ganze Gesellschaft ? Was focht es ihn an , was man in derselben vermuthete und meinte ? Er hatte oft genug mit seinen Cameraden Epigramme über diesen Kriegsrath gemacht , der in seiner rechtschaffenen Beschränktheit die ganze Welt für rechtschaffen und für eben so blind hielt , als er selber war . Es belustigte den Grafen in diesem Augenblicke , daß die Kriegsräthin ihm den Weg zu Seba gebahnt hatte , und daß sie so zufrieden und glücklich die Galanterien und Betheuerungen des Hauptmanns annahm , den er ihr als Lockspeise dargeboten hatte , um sich selber von ihr frei zu machen . Sie war ihm lächerlich , diese Kriegsräthin , und sie war ihm komisch , diese Madame Flies , die sich gar viel damit wußte , daß die vornehmen Cavaliere ihre Seba so schön fanden , daß ein Graf Berka mit ihrer Tochter , an deren Erziehung man nichts gespart hatte , die feinsten und erhabensten Unterhaltungen führte . Auch über den klugen Kopf , über den Vater , mußte er lachen , der Allem und Jedem vorsichtig mißtraute , und dessen Vertrauen in die Tochter doch so groß