Schwiegervater gesprochen zu haben . Er hatte das Anerbieten , dessen Vortheile ihm natürlich nicht entgangen waren , abgelehnt . Die Carrière , in welche man ihn hineinhaben wollte , war , obgleich sie dem Manne der Wissenschaft die besten Chancen bot und auch schließlich den weltlichen Ehrgeiz glänzend zu befriedigen versprach , doch für die ersten Jahre voraussichtlich nicht nur sehr wenig lucrativ , sondern erheischte ein unabhängiges , wenn auch kleines Vermögen , das Franz - seit einigen Tagen nicht mehr besaß . Er hatte sich durch seine Großmuth in die Lage gebracht , in einer Zeit , die er nothwendig noch zu seiner wissenschaftlichen Fortbildung bedurfte , auf den Gelderwerb bedacht sein zu müssen . Und zu diesem Zwecke war Grünwald und die Situation , in welcher er sich hier als Schwiegersohn des gesuchtesten Arztes befand , ausnehmend geeignet . Deshalb - fahr wohl du glänzende Spiegelung von einem in der Fülle geistiger Arbeit und geistigen Genusses mächtig dahinrauschenden Lebens ! » Weg du Traum , so hold du bist , Hier auch Lieb ' und Leben ist . « So tröstete sich Franz , während er den geliebten Menschen seinen Ehrgeiz , seine Hoffnungen zum Opfer brachte , und seine größte Sorge war nun die , daß diese geliebten Menschen , vor allem seine Braut , nicht etwas von diesem Opfern erführen . Diese Sorge schien indessen unnöthig . Sophie erklärte sich die Wolken , die sich auf Franz ' Stirn in Augenblicken , wo er sich unbeobachtet glaubte , lagerten , einfach aus der Ueberlast seiner ärztlichen Geschäfte , und seine häufigen langen Zusammenkünfte mit dem Vater aus demselben Grunde . Seitdem der Zustand des Vaters keine directe Bersorgniß mehr einflößte , war der glückliche leichte Sinn Sophiens wieder in seine Rechte getreten . Sie besorgte emsig ihre Aussteuer und klagte gegen Franz in komischer Weise über den Wirrwarr , der durch die gleichzeitige Bersorgung so vieler und so verschiedenartiger Dinge in ihrem Kopf hervorgebracht würde . Wie sehr würde die frohe Laune , deren sie sich in dieser Zeit erfreute , wo sie sich , wie ein singendes , zwitscherndes , flatterndes Vögelchen , ihr Nest zusammentrug , gestört worden sein , wenn sie die Verhandlungen zwischen dem Vater und Franz mit angehört ; wenn sie erfahren hätte , daß das Geld , mit dem sie heiteren Muthes die langen Rechnungen bezahlte , aus Franz ' Kasse floß ! Ueber den Kummer , bis zu dem Termin ihrer Hochzeit , auf dessen Innehaltung Franz mit einer bei ihm ganz ungewöhnlichen Hartnäckigkeit bestand , nicht fertig zu werden , hatte sie sich mittlerweile getröstet ; ja im Grunde hatte sie das Unglück , mit einigen Dutzend noch nicht gesäumter oder gezeichneter Handtücher , Tischtücher , Servietten , mehr oder weniger ihre Wirthschaft anzufangen , niemals für ein so gar großes gehalten . So war denn für Sophie in dieser Sturm- und Drangperiode nichts empfindlicher , als daß der trauliche Cirkel , der sich allabendlich um den Kamin des Wohnzimmers zu versammeln pflegte , so gut wie gestört war . Der Vater mußte , obgleich er jetzt jeden Tag länger aufblieb , doch sehr früh sein Lager aufsuchen ; Franz war oft bis tief in die Nacht hinein in der Stadt , oder hatte in seiner Wohnung zu arbeiten ; auch der Dritte im Bunde , der alte Student , wie er sich selber nannte , Bemperlein ließ sich seit einiger Zeit nicht mehr sehen , so daß Sophie sich endlich selbst auf den Weg gemacht hatte , um ihn in seiner Wohnung aufzusuchen , da sie nicht anders glaubte , als er sei krank und Franz habe es ihr aus übertriebener Zärtlichkeit verschwiegen . Aber sie fand den alten Studenten in seinem Laboratorium , mitten unter Phiolen , Retorten , Büchsen und Instrumenten - anzuschauen , wenn nicht wie Faust , so doch wenigstens wie Fausts Famulus - jedenfalls sehr fleißig und beschäftigt , aber offenbar nicht lebensgefährlich krank . Bemperlein entschuldigte sich mit seinen Arbeiten - eine sehr complicirte chemische Analyse , bei der er sich nicht unterbrechen dürfe - wie Sophie wohl glauben könne , daß er etwas übel genommen habe ! er , etwas übel nehmen ! und Sophien übel nehmen ! - es sei wirklich nur die Analyse schuld und zum Beweise werde er noch heute Abend zur gewöhnlichen Zeit kommen und die gewöhnliche Zeit dableiben . Sophiens blaue Augen konnten , obgleich sie ein wenig kurzsichtig waren , in der Nähe doch recht scharf sehen , und so war ihnen ein gewisser Schleier von Verlegenheit , der über Bemperleins ehrlichem Gesichte hing , während er auf die langweilige Analyse schimpfte , nicht entgangen . Als nun die junge Dame langsam nach Haus schritt und darüber nachdachte , was wohl von Bemperleins Fortbleiben der eigentliche Grund sein möchte , stieß sie , als sie um eine Straßenecke bog , beinahe an einen Herrn , der ihr sehr raschen Schritts entgegenkam . Pardon ! sagte der Herr , an seinen Hut greifend und weiter eilend . Es war Oswald Stein . Er hatte Sophie offenbar nicht erkannt . - Diese unerwartete Begegnung gab Sophiens Gedanken plötzlich eine andere Richtung . Es fiel ihr ein , daß Bemperlein nicht wieder in ihrem Hause gewesen sei , seitdem er Oswald , der eben mit Helenen fortgehen wollte , dort getroffen ; daß die Begegnung der beiden Herren sehr kalt , befremdend kalt gewesen war , und daß Bemperlein , über sein Verhältniß mit Oswald gefragt , ausweichend geantwortet hatte . Hatte Oswald , der seitdem einige Abende auf kürzere Zeit , einmal zusammen mit Helene Grenwitz , dagewesen war , Bemperlein verscheucht ? War Bemperlein eifersüchtig ? Da Sophie von Bemperleins früherem Verhältniß zu Oswald nichts wußte , so war es erklärlich , daß sie trotz ihres Scharfsinns in ihren Vermuthungen jetzt so weit am Ziel vorbeischoß . Die Wahrheit lag in der That ganz wo anders . Wenn Anastasius Bemperlein Jemand , den