wie Sie die kleine Prinzessin nennen - denn ich wette , es ist ein gestohlenes Königskind - unterdessen anfangen ? Wenn wir sie nicht auf der offenen Landstraße zurücklassen wollen , werden wir uns wohl entschließen müssen , sie mit uns zu nehmen . Aber das Kind wird nicht mit uns gehen wollen . Höre , kleine Czika , willst Du mit mir gehen ? Ja , Herr , sagte das Kind , das bis jetzt , ohne eine Spur von Besorgniß , Furcht oder Angst zu verrathen , ruhig da gestanden hatte . Hm ! sagte der Baron , da komme ich ja zu einem Adoptivkinde , ich weiß nicht wie . Er war mit einem Male sehr ernst geworden . Er streichelte der Czika die blauschwarzen seidenen Locken von der feinen Stirn und betrachtete sie lange unverwand . Wie schön das Kind ist ! murmelte er ; wie wunderschön ! Und wie groß es geworden ist ! - komm mit mir , kleine Czika , Du sollst es gut , sehr gut bei mir haben ; ich will Dich mehr lieben , als Deine Mutter , die Dich so schnöde verlassen , Dich je geliebt hat . Mutter verläßt die Czika nicht ; sagte das Kind , ruhig zum Baron emporblickend ; Mutter ist , wo Czika ist ; Mutter ist überall . Sich von den Männern abwendend , legte es die Händchen an den Mund ; und in den stillen Wald hinein gellte ein Schrei , dem Ruf des jungen , hungrigen Falken täuschend ähnlich . Das Kind neigte den Kopf und lauschte ; der Baron und Oswald hielten unwillkürlich den Athem an . Da tönte aus dem Walde , aber offenbar schon aus größerer Entfernung , die Antwort : der helle , wilde Schrei des alten Falken , wenn er aus seiner luftigen Höhe , tief unter sich , die sichere Beute erspäht hat . Siehst Du , Herr , sagte das Kind ; Mutter verläßt die Czika nicht ; wenn Du die Czika mit Dir nehmen willst , die Czika will mit Dir gehen . Nun denn , so komm , Du junge Falkenbrut ! sagte der Baron , das Kind bei der Hand ergreifend . Kommen Sie , Doctor ! Ich glaube , daß Karl den Riemen , der vorhin riß , wohl wieder zusammengeflickt haben wird . Da kommt er schon . Alles in Ordnung , Karl ? Ja , Herr ! Die Herren stiegen ein , und nahmen das Kind zwischen sich . Fort ! rief der Baron ; scharfen Trab ! Bald kamen sie aus dem Walde auf die weite Haide , die sich zwischen Faschwitz nach Grenwitz hinzieht , dieselbe Haide , auf der Oswald die alte Frau aus dem Dorfe getroffen hatte . - Es war noch eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang . Am östlichen Himmel legte sich ein Purpurstreifen über den andern . Die Luft wehte vom Meer kühl her über das feuchte Moor . Die kleine Czika hatte sich dicht an den Baron geschmiegt und war fest eingeschlafen . Wie leicht das Kind gekleidet ist , sagte dieser ; es wird sich erkälten in der scharfen Morgenluft . Er richtete sich in die Höhe , zog seinen Ueberrock aus , hüllte die Kleine hinein , nahm sie auf den Schooß , und legte ihren Kopf an seine Brust . So , so ! sagte er gütig , so so ! und dann zu Oswald , der in Nachdenken über den räthselhaften Charakter des Mannes an seiner Seite versunken , schweigend dagesessen hatte : Ich komme Ihnen ein ganz klein wenig toll vor ; nicht wahr , Doctor ? Nein , sagte dieser , den Kopf emporhebend ; nicht im mindesten . Das kommt , weil Sie an derselben Krankheit laboriren . Was Andere vor Erstaunen sprachlos macht , erscheint uns ganz natürlich ; und was die guten Leute und schlechten Musikanten für ganz selbstverständlich halten , kommt uns oft geradezu fabelhaft vor . Ihnen wird es wohl nicht unglaublich erscheinen , wenn ich Ihnen sage , daß mir dieses Kind hier nun schon zum dritten Male im Leben begegnet , und daß ich so abergläubisch bin , in dieser dreimaligen Begegnung viel mehr zu sehen , als einen bloßen Zufall , wie ich denn überhaupt mit Wallenstein der Meinung bin , daß es keinen Zufall giebt . Und wo und wann glauben Sie die Czika gesehen zu haben ? Das erste Mal vor vier Jahren in England . Ich ritt mit einem paar meiner englischen Freunde in dem abgelegensten Theile eines Parks . Als wir im Galopp um eine Ecke auf die Landstraße biegen , steht ein Kind da - ein braunes Kind mit großen , glänzenden , schwarzen Augen - und hebt die Händchen bittend empor . Ich achtete seiner , in lebhaftem Gespräch begriffen , kaum . Als wir ein paar hundert Schritte weiter geritten sind , packt es mich plötzlich wie mit Geisterhand . Ich kann die Empfindung , die mich überkam , nicht beschreiben . Mir war , als hätte ich , an diesem holden , hülflosen Geschöpf gleichgültig vorüberreitend , einen Frevel begangen , der mich zu dem erbärmlichsten aller Menschen machte . Ich warf mein Pferd herum und jagte , wie wahnsinnig , nach dem Orte zurück . Das Kind war verschwunden . Ich rief nach ihm ; ich stieg ab ; ich durchsuchte die nächsten Gebüsche ; die Freunde halfen , trotzdem sie über meine Tollheit , wie sie es nannten , lachten . Vergebens . Das zweite Mal sah ich das Kind in Aegypten . Es sind jetzt gerade zwei Jahre . Wir , das heißt , eine kleine Caravane von Nilfahrern , die sich zufällig zusammengefunden hatten , durchzogen , auf Eseln reitend , die engen , winkligen Straßen Asyuts . Neben einer offenen Thür , durch die wir auf den stillen , schattigen Hof einer Moschee blickten , stand in der Nische der Mauer ein Kind ,