Recht deutscher Fürsten , alle Unehelichgeborenen ohne Weiteres in ihre Kriegsdienste zu zwingen , erhielt sich viele Jahrhunderte . Dieser Fluch der bürgerlichen Unehrlichkeit mußte diese Unglücklichen , die ihm verfallen waren , von Haus aus gleich selbst in die Bahn unehrlicher und verbrecherischer Gewerbe treiben und prägte sich tief als das Bewußtsein einer unschuldigen Schuld in alle empfindungsfähigen Gemüther . Darum waren auch Eltern noch außer der Angst vor der persönlichen Schande und Strafe , die ihnen selbst widerfuhr , eifrig bedacht ihren Kindern ehrliche Namen zu verschaffen , sei es auch auf die betrügerischste Weise . Oft genug entdeckte sich später der Betrug , und dann verfielen die unschuldigen Kinder doppelter Schande . Daher war es auch eine sehr gebräuchliche Drohung oder ein Mittel der Rache , andern Personen nachzusagen , daß sie nicht von ehelichem Herkommen seien ; denn oft ließ sich eines so wenig als das andere erweisen , und schon der Zweifel ward doch in manchen Augen zum Makel . Am strengsten aber unter allen Genossenschaften hielten die Bauhütten darauf , keinen Lehrling aufzunehmen , der nicht genügende Zeugnisse über sein Herkommen hatte . Die ganze Brüderschaft ward als profanirt betrachtet , wenn sie einen solchen unter sich geduldet hätte , Ulrich selbst hatte sich schon bei Rachel ' s erster Warnung vor der Möglichkeit entsetzt , daß man nur versuchen könne , seinen Eltern Unwürdiges nachzusagen , und jetzt entsetzte er sich doppelt vor den Bedenklichkeiten , welche durch die Worte des Propstes in ihm aufstiegen . Es gab für ihn kein größeres Unheil , als wenn wirklich ein Flecken auf sein Herkommen kam . Während er sich sonst darüber niemals Gedanken gemacht , waren sie nun plötzlich gewaltsam in ihm aufgeregt - und da er selbst kaum wußte , was er selbst glauben , fürchten oder hoffen sollte , so hütete er sich jetzt wohl Hieronymus ferner in diesem Stück zu seinem Vertrauten zu machen , ja er war zugleich fest entschlossen , seine Wohnung nicht mehr mit ihm zu theilen , damit , wenn ja der fürchterlichste Schlag über Ulrich hereinbräche , der Kamerad nicht durch ihn noch mehr sich mit beschimpft fühlen könne , als alle die andern freien Steinmetzen . Obwohl er sich im Aeußern mit Hieronymus ausgesöhnt , so vermied er doch mit ihm ferner über den Gegenstand ihres Zwistes zu sprechen , sowohl wie über das tiefverworrene Bangen , mit dem er dem Kloster und dem Bruder Amadeus entgegenging . Da er aber doch mit Hieronymus früher von diesem Mönch gesprochen , als er den Verlust des Kreuzes wieder erwähnt , so sagte er ihm nur , auf Befragen nach demselben darauf aufmerksam gemacht , daß dieser Mönch , welcher Amadeus heißt , an zeitweiligen Geistesstörungen litte . So hatten sie an einem hellen Wintertag ziemlich die Hälfte des Weges nach dem Kloster zurückgelegt , als sie es in der Ferne von Rüstungen und Schwertern im Sonnenschein funkeln sahen und Rosseshufe den frischgefallenen Schnee emporwirbeln . Als der reisige Zug näher kam , gewahrten sie an seiner Spitze einen geistlichen Herrn zu Pferde , und erkannten an seiner Tracht , an seinen Insignien und Farben den Bischof von Eichstädt , umgeben von vielen Rittern und einem ganzen Troß von Knappen und Dienern . Hinter ihm ritt ein nach Studentenart gekleideter Jüngling , der einige Worte an den Bischof richtend , dann seitab zu den Baubrüdern sprengte , die ehrfurchtsvoll grüßend am Wege standen . » Mit Vergunst , « sagte er zu den Beiden , die durch ihre Kleidung Allen als Baubrüder kenntlich waren ; » wackere Brüder der freien Steinmetzzunft , mich dünkt , wir sind uns schon vor Jahr und Tag im lieben Nürnberg begegnet , und da ich nach langer Entfernung mich der theuren Vaterstadt wieder nähere , und Ihr die ersten Nürnberger Gesichter seid , die mir in den Weg kommen , so möcht ich Euch fragen , ob Ihr mir vielleicht eine Kunde geben könnt , wie es in meinem Elternhause ergeht - es ist das der Pirkheimer ? « » Ihr seid es , Junker Willibald ! « antwortete Ulrich ; » bald hätte ich Euch nicht erkannt , denn Ihr seid größer und stärker geworden im bischöflichen Kriegsdienst , als bei den heimischen Studien . Ich denke , Ihr werdet die Euren im erwünschten Wohlsein treffen . Eurem Herrn Vater bin ich erst gestern begegnet , und Eure edlen Jungfrauen Schwestern flicken fleißig mit an einem Teppich für dieselbe Lorenzkirche , an der wir bauen . « » Ei , das ist eine gute Kunde , « antwortete Willibald , » sogar von meinen Schwestern wißt Ihr ! Ja , sie sind gern bei einem frommen Werke - daran erkenne ich , daß sie noch unverändert sind ! Der kunstliebende Propst , Herr Anton Kreß , hat das wohl angeordnet . « » O nein , « versetzte Hieronymus ; » nicht nur die Ehre der Ausführung , auch die des ganzen Plans gebührt den Frauen . « Und Ulrich fügte hinzu : » Die edle Frau Scheurl war kaum von ihrer langwierigen Krankheit genesen , da sie es beginnen ließ . « Er sprach diesen Namen absichtlich laut und faßte dabei einen Ritter in dunkler Tracht und von bleichem Ansehen scharf in ' s Auge , der eben jetzt sein Visir niederschlug , das er vorhin offen getragen . » Gott sei Dank , « sagte Willibald Pirkheimer , » der die edle Frau erhalten - « » Und sie auch ferner beschützen wird , « rief Ulrich ungewöhnlich laut ; » König Max hat seine Wohnung in Scheurl ' s Haus genommen - das wird ihr auch wohl Schutz gewähren . « Jener Ritter war den Andern , die während dem schon einen ziemlichen Vorsprung erreicht , nur langsam und zögernd nachgeritten , und nachdem Ulrich Willibald noch auf seine Frage Antwort gegeben , wohin und in welcher Absicht sie auf dem Wege seien , sagte der erstere auf