, und von denselben Händen oder verschiedenen gespielt wird . In den Gemächern der Frauen sah ich später die zwei Zithern liegen . Es wurde aber in unserer Gegenwart nie darauf gespielt . Mein Gastfreund verlangte es nicht , ich ohnehin nicht , und in dieser Angelegenheit beobachtete auch Gustav eine feste Enthaltung . Indessen war nach und nach die Zeit herangerückt , in welcher die Rosen in der allerschönsten Blüte standen . Das Wetter war sehr günstig gewesen . Einige leichte Regen , welche mein Gastfreund vorausgesagt hatte , waren dem Gedeihen bei weitem förderlicher gewesen , als es fortdauernd schönes Wetter hätte tun können . Sie kühlten die Luft von zu großer Hitze zu angenehmer Milde herab , und wuschen Blatt , Blume und Stengel viel reiner von dem Staube , der selbst in weit von der Straße entfernten und mitten in Feldern gelegenen Orten doch nach lange andauerndem schönem Wetter sich auf Dächern , Mauern , Zäunen , Blättern und Halmen sammelt , als es die Sprühregen , die mein Gastfreund ein paar Male durch seine Vorrichtung unter dem Dache auf die Rosen hatte ergehen lassen , zu tun im Stande gewesen waren . Unter dem klarsten , schönsten und tiefsten Blau des Himmels standen nun eines Tages Tausende von den Blumen offen , es schien , daß keine einzige Knospe im Rückstande geblieben und nicht aufgegangen ist . In ihrer Farbe von dem reinsten Weiß in gelbliches Weiß , in Gelb , in blasses Rot , in feuriges Rosenrot , in Purpur , in Veilchenrot , in Schwarzrot zogen sie an der Fläche dahin , daß man bei lebendiger Anschauung versucht wurde , jenen alten Völkern recht zu geben , die die Rosen fast göttlich verehrten und bei ihren Freuden und Festen sich mit diesen Blumen bekränzten . Man war täglich teils einzeln , teils zusammen zu dem Rosengitter gekommen , um die Fort schritte zu betrachten , man hatte gelegentlich auch andere Rosenteile und Rosenanlagen in dem Garten besucht ; allein an diesem Tage erklärte man einmütig , jetzt sei die Blüte am schönsten , schöner vermöge sie nicht mehr zu werden , und von jetzt an müsse sie abzunehmen beginnen . Dies hatte man zwar auch schon einige Tage früher gesagt ; jetzt aber glaubte man sich nicht mehr zu irren , jetzt glaubte man auf dem Gipfel angelangt zu sein . So weit ich mich auf das vergangene Jahr zu erinnern vermochte , in welchem ich auch diese Blumen in ihrer Blüte angetroffen hatte , waren sie jetzt schöner als damals . Es kamen wiederholt Besuche an , die Rosen zu sehen . Die Liebe zu diesen Blumen , welche in dem Rosenhause herrschte , und die zweckmäßige Pflege , welche sie da erhielten , war in der Nachbarschaft bekannt geworden , und da kamen manche , welche sich wirklich an dem ungewöhnlichen Ergebnisse dieser Zucht ergötzen wollten , und andere , die dem Besitzer etwas Angenehmes erzeigen wollten , und wieder andere , die nichts Besseres zu tun wußten , als nachzuahmen , was ihre Umgebung tat . Alle diese Arten waren nicht schwer von einander zu unterscheiden . Die Behandlung derselben war von Seite meines Gastfreundes so fein , daß ich es nicht von ihm vermutet hatte , und daß ich diese Eigenschaft an ihm erst jetzt , wo ich ihn unter Menschen beobachten konnte , entdeckte . Auch Bauern kamen zu verschiedenen Zeiten und baten , daß sie die Rosen anschauen dürfen . Nicht nur die Rosen wurden ihnen gezeigt , sondern auch alles andere im Hause und Garten , was sie zu sehen wünschten , besonders aber der Meierhof , in so ferne sie ihn nicht kannten , oder ihnen die letzten Veränderungen in demselben neu waren . Eines Tages kam auch der Pfarrer von Rohrberg , den ich bei meinem vorjährigen Besuche in dem Rosenhause getroffen hatte . Er zeichnete sich einige Rosen in ein Buch , das er mitgebracht hatte , und wendete sogar Wasserfarben an , um die Farben der Blumen so getreu , als nur immer möglich ist , nachzuahmen . Die Zeichnung aber sollte keine Kunstabbildung von Blumen sein , sondern er wollte sich nur solche Blumen anmerken und von ihnen den Eindruck aufbewahren , deren Art er in seinen Garten zu verpflanzen wünschte . Es bestand nämlich schon seit lange her zwischen meinem Gastfreunde und dem Pfarrer das Verhältnis , daß mein Gastfreund dem Pfarrer Pflanzen gab , womit dieser seinen Garten zieren wollte , den er teils neu um das Pfarrhaus angelegt , teils erweitert hatte . Unter allen aber schien Mathilde die Rosen am meisten zu lieben . Sie mußte überhaupt die Blumen sehr lieben ; denn auf den Blumentischen in ihren Zimmern standen stets die schönsten und frischesten des Gartens , auch wurde gerne auf dem Tische , an welchem wir speisten , eine Gruppe von Gartentöpfen mit ihren Blumen zusammengestellt . Abgebrochen oder abgeschnitten und in Gläser mit Wasser gestellt durften in diesem Hause keine Blumen werden , außer sie waren welk , so daß man sie entfernen mußte . Den Rosen aber wendete sie ihr meistes Augenmerk zu . Nicht nur ging sie zu denen , welche im Garten in Sträuchen , Bäumchen und Gruppen standen , und bekümmerte sich um ihre Hegung und Pflege , sondern sie besuchte auch ganz allein , wie ich schon früher bemerkt hatte , die , welche an der Wand des Hauses blühten . Oft stand sie lange davor und betrachtete sie . Zuweilen holte sie sich einen Schemel , stieg auf ihn , und ordnete in den Zweigen . Sie nahm entweder ein welkes Laubblatt ab , das den Blicken der andern entgangen war , oder bog eine Blume heraus , die am vollkommenen Aufblühen gehindert war , oder las ein Käferchen ab , oder lüftete die Zweige , wo sie sich zu dicht und zu buschig gedrängt hatten . Zuweilen blieb sie auf dem Schemel stehen , ließ die Hand