ließ . So ist ' s mit unsrer Stärke und unsern Entschlüssen ! Rühmte mich , nichts solle in meine Kreise dringen , wenn ich meine Thür verschlösse , und plötzlich stand drinnen der Bonaparte , unsre Monturen , Finanzen , und gar eine Liebschaft von Ihnen , und rannten mich beinahe um unter meinen Büchern . - Vergessen Sie , daß Sie einen alten Mann in einer schwachen Stunde betroffen haben ! « » Also das bleibt Alles unter uns , « schien das letzte Wort , als er Waltern gleichsam an die Thüre gedrängt , aus Besorgniß , daß von den Allotriis doch noch etwas über die Lippen kommen könnte . Aber dort legte er die Hand ihm noch einmal auf die Schulter : » Lieber Herr van Asten , um Sie ist mir nicht bange . So oder so , aus Ihnen wird was . Bleiben Sie ein vir integer . Rühren Sie nicht mehr Staub auf , als absolut nöthig ist . Aber das kann ich Ihnen wohl sagen : Wer nie in Italien war , nie das Albaner-Gebirge gesehen hat , mit keinem Fußtritt am See gestanden , und doch wie Sie den Tractus von Albalonga , die alte Latinerstadt in dem länglichen Bergrücken herausfand , der ist auch zu mehr berufen . Heyne und Wolf und Alle , im Grunde genommen , was sind sie uns ! Graeca sunt , non leguntur ; es hat etwas für sich . Aber Latium ! Rom ist ewig . Und nun will ich ' s Ihnen sagen , habe Ihre Dissertation an Herrn Niebuhr geschickt . Er findet Sentiment darin - ästimirt Ihre Konjekturalkritik , wird einmal selbst an Ort and Stelle untersuchen - jetzt kommt er her und wird wahrscheinlich Banco-Direktor . Ist das , dann können Sie auf eine Anstellung bei der Bank rechnen , und Ihr Schicksal ist gemacht . « Zweiundzwanzigstes Kapitel . Unterricht in der Erziehung . Wir waren nur am späten Abend , bei einem flüchtigen Besuch , in den Zimmern der Geheimräthin . Es sah jetzt anders darin aus . Die Möbel hatten neue Ueberzüge erhalten , manches Veraltete war einem neu Angeschafften gewichen . Die Schildereien waren geschmackvoller geordnet , das Silberzeug glänzte frisch aufgeputzt , und die Geheimräthin war selbst beim Drapiren der Gardinen beschäftigt , als van Asten eintrat . » Sie finden mich in einer ungewohnten Beschäftigung . Aber wenn man etwas ordentlich gemacht haben will , kann man es den Leuten nicht überlassen . Es hält schwer , unseren Ouvriers Geschmack beizubringen . « » Frau Geheimräthin erwarten Gesellschaft ? « » Eine ganz kleine . Sie wissen , wie die großen , glänzenden mir zuwider sind , wo Alles auf den Apparat abgesehen ist , und Geist und Herz sich verstehen müssen . « » Man spricht schon in der Stadt von Ihren geistvollen Cirkeln . « Die Geheimräthin zuckte die Achseln : sie möchte wünschen , daß man weniger davon spreche , man könnte sein Haus doch auch nicht für Jedermann offen halten . Dennoch wehrte sie die Elogen schon schwächer ab , als Walter van Asten die Aeußerung einer geistvollen Prinzessin wiederholte , die sich gefreut , daß doch endlich einmal das Haus eines Offizianten sich der Bildung und Kunst erschlossen , da , wer nach Geist und Intelligenz verlangt , sie bis jetzt fast nur in den reichen Judenhäusern suchen musste . Die Geheimräthin lächelte : » Zu gütig von dieser geistreichen Prinzessin . Der Prinz , ihr Bruder , macht allerdings keinen Unterschied , ob er in der haute volée oder in den Judenhäusern ist ; nur im Schooß seiner Familie sieht man ihn am seltensten . « Die Bemerkungen waren so hingeworfen , daß Walter darin die Aufforderung las , noch mehr zu erzählen , obwohl ihre Worte dagegen protestirten . Dieselbe Prinzessin hatte geäußert , es sei doch eine wirkliche Beschämung für unsern Adel , daß er der Kunst und Wissenschaft und dem Umgange mit den Geistern der Nation sich verschließe , die ihre Ehre ausmachen . Da hätte eine Fremde , die Staël nach Berlin kommen müssen , um ästhetische Cirkel zu bilden , und jetzt usurpire Prinzeß Biron von Kurland , was die Pflicht des einheimischen Adels sei . Die Geheimräthin machte einige Bemerkungen über die Herzogin von Kurland , daß sie sich merkwürdig konservirt habe , schöner eigentlich noch als ihre Töchter , die doch auch sehr liebenswürdig wären . Aber ihre Gedanken waren wohl nicht bei der Herzogin , noch den Gelehrten und Dichtern , die sie in ihren Bann gezogen . » Prinzeß Radziwill hat auch gefragt , wer denn Schiller gefeiert , als er hier war ? Ebenfalls wieder Juden , Fremde , Diplomaten , einige bürgerliche Häuser . « » Ich habe mir Schiller doch anders gedacht , « sagte nach einer Pause die Lupinus . » Er war so schweigsam . An Ehrenbezeugungen hat es ihm doch wirklich nicht gefehlt , aber es blitzte so selten das innere Feuer auf . Ich sprach zwei Mal mit ihm , und beide Mal redete er wie ein gewöhnlicher Mensch . Ob er uns vielleicht der erhabenen Sentiments , der berauschenden Gedanken nicht werth hält , die doch bei jeder geistigen Berührung aus einem Geiste wie der seine aufsteigen , emporwirbeln müssen , denke ich , wie die Lerche in den Aether ! « » Es ist vielleicht nicht gut , daß man die Dichter mit Lerchen vergleicht . « » Sie wollen sie lieber mit Nachtigallen vergleichen , « sagte die Lupinus spitz , » die aus der Nacht ihrer Einsamkeit ihre Töne schmettern lassen , wenn es ihnen eben bequem ist , eigensinnig , qu ' importe wer sie hört . « » Es mag auch manches Andere ihn verstimmt haben , « sagte Walter noch ungewiß , wohin die Geheimräthin steuerte . » Ihre Majestät die Königin hätte ihn gern hierher gezogen . « » Meinen Sie nicht auch ,