Gericht . « » Du hast Dich selbst gerichtet . Die Hosen hast Du dem Schelm gelassen ; sein Geld nahmst Du mit . « Der Kurfürst sah nicht die Blässe , die Lindenberg ' s Gesicht überzog , nicht wie die erzwungene Fassung ihn verließ , wie die Glieder zitterten . Er hatte sich in den Armstuhl geworfen und bedeckte mit den Händen sein Gesicht . Der Verurtheilte versuchte noch Unzusammenhängendes zu stammeln . Plötzlich verstummte er und stürzte auf die Knie : » Gnade ! « Als er die Augen aufschlug , stand Joachim drei Schritt vor ihm , und der kälteste Blick aus den blauen Augen sagte dasselbe , was der Mund jetzt tonlos sprach : » Von Gnade ist nichts zwischen uns ; Du wirst büßen den Lohn , den Du verdient . Stehe auf . « Lindenberg sprang auf : » Ernst ? « » Hab ' ich je mit Dir gespielt ? « » Wozu riefst Du mich ? « » Daß Du Dich , daß Du mich vor Dir und mir vertheidigtest . « » Himmels Donner und Blitze , ich will ' s nicht glauben , ich kann es nicht glauben . Um die Lumperei - « » Stirbst Du als Straßenräuber . « » Und Du - « » Drei Schritt zurück , Herr von Lindenberg . « » Und aus dem tiefsten Keller Deines Thurmes schrei ' ich Dir ' s zu ; es soll durch dicke Mauern in Deine Ohren gellen : Das wage nicht ! Du bist zu jung , wir sind zu alt . Das hätte Dein Vater nicht gewagt , und Johannes durfte viel wagen . Zog ich mein Schwert , Pflanzt ich auf das Banner der Empörung ? Brach ich in eine Stadt ? - Züchtige die Banden , strafe die gegen Dich rüsten und Pechkränze in die Städte schleudern , aber - « » Laß ungestraft die Wegelagerer , wenn meine Geheimräthe darunter sind . Ich bin nicht gesonnen , darüber mit Dir zu streiten . « » Es werden Andere für mich streiten . Das ist unerhört ! Um einen Schelm , einen Betrüger , um das freche Gesindel , diese Hausirer , diese Bauernschinder , diese Plage des Landes ; um den Kitzel eines tollen Augenblicks - « » Um der Gerechtigkeit willen . « » Ein lebloses Wort , das nicht Fleisch , nicht Blut , eine dürre Blase , in die man haucht , was man Lust hat . « » Genug , Herr von Lindenberg ! Deiner Todesangst sei die freche Drohung verziehen . « » Gerechtigkeit ! Bei meinem Schutzpatron , wer schreit nach Gerechtigkeit , und Ihr seid taub ? Wir ? Nun ist ' s heraus , Mann gegen Mann , Mund gegen Mund . Bilde Dir nicht ein , Joachim , daß Du es so zwingst . Um eines Krämers willen , Edelmanns Blut ! Wo ist die Gerechtigkeit , Das schwarze Blut , das allerwegs kocht , hat sich wieder gesammelt seit dem Cremmer Damm . Es wartet nur auf einen Ausbruch . Das ist zuviel , das ertragen sie nicht . Beim allmächtigen Gott , ich spreche jetzt als Dein Freund . Damals krachte die faule Grete Mauern auseinander ; wir gewöhnten unser Ohr daran . Treibst Du ' s auf die Spitze , so kann Anderes krachen . Scheuche Spatze mit einem Pustrohr , aber zitt ' re , wenn Männer aufstehen . « » Ich werde ihnen in ' s Gesicht sehen . - Hast Du nicht mehr zu sprechen ? « » Was Deine Ohren kitzelt ? Nein ! - Soll schön reden , daß es eine tragische Action gäbe , daß es Deinem Ohr schmeichelte , daß die Wimper naß würde , und Du , mit dem Finger sie streichend , Dir sagen könntest : Du wärst gerührt worden . Ich will Dich nicht rühren ; ich will nicht die Maus sein , mit der die Katze spielt , ehe sie sie erwürgt . « » Das wär ' ja nur Vergeltung , Lindenberg , für das lange Spiel , das Du mit mir gespielt . « » Verflucht der Augenblick , wo ich ' s anfing ! « » Mutter Gottes und Ihr Heiligen Alle , so gestehst Du ' s - Alle Deine schönen , tönenden Reden - « » Waren der Widerhall von Deinen . « » Beim Blut des Erlösers , so schamlos verdammst Du Dich selbst . « » Ich war ein Mensch , Du bist ein Fürst . Prätendirst Du Anderes ? « » Ich wollte Wahrheit hören . « » Das sagen Alle . Die Wahrheit ist ein bitterer Trank , schon für den gewöhnlichen Menschen , was mehr für Einen , der mit Schmeichelliedern eingelullt und mit Schmeichelliedern geweckt wird . Einmal , zweimal wagt man ' s. Wird man angefahren , sieht man das saure Gesicht , dann überzuckert man die bittere Pille , bis man den verwöhnten Kindern den Zucker allein giebt . Wir athmen nur ein Mal ; ein Thor , wer sich die Spanne Zeit vergällen wollte , wenn er mit der Lüge süßen Sonnenschein erkauft . « Joachim war wieder auf den Stuhl gesunken , und wieder verbarg er sein Gesicht : » Seine Puppe - ein Spielball in der Hand eines herzlosen Betrügers ! « » Verlange nicht Herzen , wo Du Gehorsam willst für Grillen . Schneide Dir Günstlinge , aus welchem Holz es ist , knete sie Dir , aus welchem Thon Dir behagt . Ein Günstling bleibt das Geschöpf des Meisters . Er wird pfeifen , blasen , athmen , sprechen , blicken , wie es dem Herrn gefällt , bis er selbst Herr wird . Glaubte es schon da zu sein , bis ein unbewachter Augenblick mich um die Frucht der langen Arbeit brachte . - « - « » Bis das zähnefletschende Thier zum Herrn ward über den gleißenden Betrüger