, daß sie mich liebte , war mein Triumph , nicht , daß ich sie dominirte ! - aber dem anerkannten festen Gesetz . Ich glaubte , die allmälige Gewöhnung würde auch ihre innerste Wesenheit nach und nach zügeln können . Zeitenlang war sie weichlich , üppig wie eine Orientalin , lag halbe Tage auf dem Divan mit halbgeschlossenen Augen , träumend , denkend , dichtend , und langweilte sich nicht - während sie dann plötzlich von vernichtender Langweil sprach , wenn ich am wenigsten es vermuthete , und sich , um ihr zu entgehen , lernend oder schaffend in die Region des Gedankens oder der Begeisterung warf . Hatte sie sich dann in irgend einem Werk als den Genius gezeigt , den die Welt anerkannt hat , so trieb sie kleine unbedeutende Kunstfertigkeiten , um ihre Geschicklichkeit auch in diesem Fach zu prüfen ; doch sie amüsirte sich nur so lange damit , bis sie es zur Fertigkeit gebracht ; dann sah sie sich nach etwas Neuem um . Jede vollendete Arbeit war ihr gleichgültig - gleichgültig haben , besitzen , genießen ! Streben war ihr alleinziges Glück , und der Moment , wo sie das Erstrebte mit der Fingerspitze berührte - ihre Seligkeit . Sollte sie aber festhalten , so ermattete ihre Hand . Gleich nach unsrer Verheirathung gingen wir nach Florenz , wohin ich als Geschäftsträger gesendet ward . Faustine verließ gern Deutschland . Völlig veränderte Umgebungen schickten sich für ihre veränderten Verhältnisse . Anfangs fürchtete sie , irgendwo in Italien Andlau zu begegnen , denn sie war gewiß , daß er dorthin gegangen , und sie meinte , er könne nichts thun , um sie zu vermeiden , da er ja gar nicht wisse , wie sie heiße , noch lebe . Diese Unkenntniß quälte sie . » Es würde ihm ein Trost sein , mich glücklich zu wissen , « rief sie , » und die Furcht , daß ich mich selbst so elend gemacht haben könnte als ihn , ist gewiß ein Gift in seiner Wunde . « Sie trauerte um ihn , zuweilen bis zum tiefsten Gram ; aber sie wünschte nie anders gehandelt zu haben ; darum suchte ich nicht ihr die Trauer zu nehmen . Wenn sie bereut hätte , würd ' ich trostlos gewesen sein . Die Erinnerung an Clemens trat zuweilen wie ein Gespenst oder ein Fiebertraum vor sie hin . Sie rang die Hände und Todtenfarbe überzog ihr Antlitz : sie marterte sich ab mit Combinationen , wie sie dieser Catastrophe hätte vorbeugen können . » O Gott , « sagte sie oft , » ich hätte ja aber eine ganz andre Faustine sein müssen , wenn ich Alles ganz anders hätte machen sollen ! die furchtbarsten Erschütterungen , die gewaltsamsten Zustände hab ' ich überdauert ; ich liebe und hoffe so wie einst ; keine Gabe , keine Fähigkeit ist in mir untergegangen ; nichts Heiliges ist mir zum Mährchen worden ; ich glaube an die unberechenbare Gotteskraft im Menschen , die ihn auf immer neue , unvorhergesehene Bahnen , aber nie zum Untergang führt ; - erfülle ich nicht auf diese Weise meine Bestimmung ? « So sprach sie sich ruhig , und immer seltner kamen die Beängstigungen . Ihr Malertalent entfaltete sich wunderbar ; der Glanz der italienischen Färbungen schwebte um ihren Pinsel , der mit Allen in Glut und Kräftigkeit rivalisiren durfte , und von Keinem an Phantasie übertroffen ward . Bonaventura ward im ersten Jahr geboren . Mario ist der Name , den der Erstgeborne in meiner Familie seit langen Zeiten zu führen pflegt ; aber Faustine bat und flehte : » Es giebt nur einen Mario für mich ! ich kann Niemand außer Dir so nennen , von keinem zweiten Mario Glück erwarten ! gieb ihm einen andern Namen ! « Sie sprach diese Laune so zärtlich für mich aus , daß ich sie hingehen ließ , und warnte ich sie halb im Ernst , halb im Scherz vor ihrem unlöschbaren Durst nach » etwas Anderem « - wie sie selbst es nannte , dann rief sie : » O fürchte Dich nicht ! ich liebe Dich , Mario ! « Sie liebte auch Bonaventura , aber meinetwegen ; für ihn sollt ' ich arbeiten und sorgen , mit seiner Erziehung mich angenehm beschäftigen , in ihm ihre Seele , ihr Wesen wiederfinden - » wenn ich einst todt sein werde , « sagte sie . Sie knüpfte nicht ihre Zukunft an das Kind . Wenn sie meine leidenschaftliche Zärtlichkeit für den Knaben bemerkte , war es ihr stets wie ein Trost für mich . Sonst dachte sie nicht häufiger an den Tod , als ich oder jeder Andere es thun würde , der den ernsten Gedanken vertragen kann und den Tod weder wünscht noch scheut . Vier goldne Jahre verlebten wir in Florenz . O , sie war glücklich ! die selige Ueberzeugung hab ' ich ! strahlend glücklich - zuweilen , in Momenten der Liebe , der Begeisterung , wenn ein neues Bild vor ihr auftauchte , ein neuer Gedanke in ihr erwachte , wenn sie die Lava ihres Herzens vor mir ausströmen ließ , des innigsten Verständnisses gewiß ; dann rief sie : » O wäre doch das Leben eine ununterbrochene Kette solcher Momente ! Träte doch nie eine Abspannung , Nüchternheit , Oede an die Stelle des Enthusiasmus , der Thatkraft , der Fülle ! Folgte doch nur nicht auf den höchsten Schwung die tiefste Ermattung ! « » Wären wir doch Götter und nicht Menschen ! « entgegnete ich lächelnd . » Oder gäbe Gott uns etwas so Dauerndes , so Wechselloses , daß , trotz aller Schwankungen der Sinne und des Geistes zwischen Verlangen und Befriedigung , die Seele in einem permanenten Bewußtsein tiefster , unwandelbarster Befriedigung bliebe . « » Mir hat Gott dies Wechsellose gegeben , Faustine ! « sagt ' ich : » die Liebe zu Dir ! Tausendmal kann ich geirrt -