Gaumen wird er aus seinem Element mit dem grausamen Haken herauf gerissen . Das Kind spielt mit dem unschuldigen Lamm , beide hüpfen im Frühlingslicht . Doch im Busche steht schon lauernd der Schlächter , und wetzt sein blutgieriges Messer . Gibt es etwas anders , denn Verlust ? denn jeder Gewinn wird uns nur geliehen , damit der Schmerz des Verlierens folge . So scherzen grausame Menschen mit Kindern : schenken ihnen glänzende Sachen zum Schein , und wenn sie sich recht daran freuen , entreißen sie sie ihnen wieder , und lachen ihrer Tränen . So werden uns Eltern , Geschwister durch den unerbittlichen Tod entrissen , die lieben Jugendfreunde - alles war nur Spielzeug , und liegt zertrümmert im Staube . O schlimmer ! andre , sie leben und weben noch in ihrer Gestalt , Verbrechen , Unsinn , hat sie uns von der Brust gerissen , und wir zittern bei jedem Windhauch , der uns leidige Nachricht von ihnen zuwehen möchte . Am fürchterlichsten - wenn wir hassen und verachten müssen , wo dasselbe Mutterblut uns zuschreit : du sollst lieben ! Welche Sprache , welche Tonweise ermißt diesen Schmerz ! Solon gab kein Gesetz gegen Vatermord , weil sich die Natur des Menschen dahin nicht verirren könne . - So versagt die von Gott uns offenbarte Sprache den Ausdruck diesem Jammer . Das Herz stirbt ab und bricht - der Seufzer schreit - die Verzweiflung sieht starr . Das ist die Sprache . - So brüllt in öder Wüste der verhungernde Löwe nach Raub , und die stummen Felsen hallen zitternd wider . Armer Peretti ! Was warst du mir ? Was konnt ich dir bedeuten ? Wie in lebloser Maschine kein Rad vom andern weiß , und doch das eine das andere treibt , so lief mit uns , nebeneinander , das Getriebe unsers Daseins . Und du bist dahin ! Dir und der Welt entrissen , nicht mir . Eigensinn , Verblendung trieb dich deinem schaudervollen Untergange entgegen , die Hemmung , die warnende der Freunde , zerbrachst du ungestüm . Und ängstigende Ahndung weht um mich . Mir dünkt , ich sehe die unsichtbaren Dämonen schadenfroh lachen und die gierigen Zähne fletschen . Der Glanz der weißen Hauer blitzt leuchtend durch die Nacht . Sie werden der Unschuldigen nachjagen - schon trieft das Blut aus meinem Herzen - die Witterung macht sie nur lüsterner und wilder . - Ich sinke nieder , todesmatt . Der biedre , herzliche Caporale zeigte sich auch jetzt wieder als der treueste Freund . Er kam täglich , tröstete , verweilte bei den Trauernden , und ließ sich von keinem Geschwätz , von keiner Verleumdung irremachen . In solcher Flut der Verwirrnis erkannte Vittoria sowie ihre Mutter den Wert eines solchen Mannes der in den Augen der Welt nicht glänzte . So trat er auch an einem Morgen in das Zimmer der Trauernden . Er war tiefsinnig , ihm schien etwas sehr Schweres auf dem Herzen zu lasten . » Wie seid Ihr heut so anders , alter Freund « , begann endlich die Mutter , » ist Euch ein Unglück zugestoßen ? « » Ja wohl « , erwiderte der Dichter , » und ein solches , daß ich davon ganz zu Boden gedrückt werde . Es lebt hier in Rom seit einiger Zeit ein Cavalier aus England , ein Katholik , der seiner Religion wegen , wie er vorgibt , aus seinem Lande verbannt ist . Da ich aber sehe , daß er mit den einflußreichsten Kardinälen und Prälaten in Verbindung steht , und mit dem Governador in einem ziemlich vertrauten Verhältnis lebt , so vermute ich vielmehr , er ist ein maskierter Beobachter und Unterhändler für seine verständige und politische Königin . Dieser Mann hat mich seit einiger Zeit in sein Herz geschlossen und interessiert sich , weil ich viel von Euch erzählte , für Euer Schicksal . So habe ich denn durch diesen Ritter Carre etwas erfahren , das für Euch von der höchsten Wichtigkeit ist . Der edle Montalto wünscht , daß diese Untat und das Unglück vergessen und verschwiegen bleibe , was die Urheber betrifft , wer sie auch sein mögen und was sie beabsichtiget haben . O dieser Alte ist ebenso klug als großmütig . Er will sich keine Feinde erregen , da ihm bei einem Wechsel der Regierung mächtige Familien hemmend entgegentreten könnten , obgleich ihm alle die Gerüchte , Vermutungen und Verleumdungen nicht unbekannt geblieben sind , und er auch im stillen seine Meinung und Oberzeugung gefaßt hat . Die Medicäer wollen aber die Sache nicht auf sich beruhen lassen , und Farnese hat sich zu dem klugen Ferdinand gesellt , so wie der fromme Borromäus ; ihnen folgen noch einige Unbedeutende , welche meinen , die Ehre des Staates verlange , daß dieses Verbrechen untersucht und bestraft werde . Der Papst , welcher erbittert ist und vom Schicksal Montaltos tief gerührt , läßt ihnen freie Hand . Der elende Mancini , der an jenem Abend die Botschaft brachte , ist gefangen , oder hat sich fangen lassen , bei ihm hat man noch jenen Zettel von Marcellos Hand gefunden ; der Verkäufliche soll auf der Folter schon allerhand ausgesagt haben , was , wie ich glaube , ihm in den Mund gelegt ist , und so ist man im Begriff , Tugend und Ehre der edelsten Menschen zu verunglimpfen . So hat denn auch , natürlich bestochen , jener Valentini , von welchem Peretti damals schwer verwundet ward , einen Brief eingesendet , in welchem er sich selbst zur Mordtat bekannt , weil er schon seit lange Peretti gehaßt habe , und nun noch von Schönheit , Huld , Überredung , und tausend solcher Herrlichkeiten zur Tat getrieben sei , von jenen , die er angedeutet habe , die er aber auch bestimmter bezeichnen könne . « » Redet ganz aus « , rief die Mutter , schon außer Fassung gesetzt . » Ihr wißt « ,