die zartesten Gefühle als Gattin und Mutter mit der bezauberndsten Eleganz zu vereinigen weiß , die auch dieses Genre aus dem rohen Naturzustande erhebt , worin es uns so beschwerlich fällt - Sie werden , wenn Sie sich gnädigst wenden , den jungen Grafen von Crecy erblicken ! « Einen Augenblick genoß der Marquis das schnelle Vibriren auf dem Angesichte der Frau Marschallin und begleitete es mit einem Lächeln , welches sagte : Sie sind doch noch nicht vollkommen Meisterin ihrer selbst ! als diese auch schon , ohne aufzublicken , völlig sicher über ihren ironischen Beobachter , mit dem Lächeln der höchsten Sammlung sich dem ihr entgegen Eilenden zuneigte und es nicht ungern versäumte , ihm zuvor zu kommen , als er sich mit kindlichem Enthusiasmus ihr zu Füßen warf . » Also zu einem dreifachen Feste erheben Sie durch Ihre Ankunft diesen Tag ! « rief sie mit anmuthigem Eifer . - » Stehen Sie auf , mein theurer Sohn ! Wenn Sie leider nur der Segen Ihrer Mutter hier empfängt , so erhielt Ihnen doch die Gnade Gottes den Vater , den Sie so liebevoll zu erreichen strebten . Mein Herz dankt Ihnen für diese lebendige Theilnahme ! Und lassen Sie mich hinzusetzen : ich erwartete nichts Anderes von Ihnen ! - Mademoiselle Louise , umarmen Sie Ihren Bruder ! « Zurückgedrängt mit allen seinen Gefühlen , erkannte der junge Graf , indem sein natürlicher Stolz die Oberhand gewann , wohin seine Mutter ihn vorläufig verwies ; und aus dem hingerissenen Zustande kindlicher Liebe und Freude sich empor raffend , rief er sich die Sitten der vornehmen Welt , die eine lange Gewöhnung ihm bequem werden ließen , zurück , um sich auch jetzt vor der klugen Beobachtung seiner Mutter damit zu behaupten . Er fühlte daher auch bald , daß er es sein müsse , der sich einer Gesellschaft entzöge , welcher er vor seiner Präsentation nicht zugehörig sein konnte , und fand die Bestätigung dieser Voraussetzung in der entschiedenen Haltung der Marschallin , die auch nicht die kleinste Bewegung zu einer Vorstellung ihres Sohnes an die ihr durch Ihren Rang am nächsten stehenden Personen machte , sich nach der Umarmung mit seiner Schwester , mit ihm wie in ihrem Privatkabinette unterhielt und dadurch alle Theilnahme der sie Umgebenden ablehnte . Sie beobachtete dabei mit geheimen Vergnügen , wie stolz und gewandt seine Haltung und seine Worte waren , und mußte diese Beobachtung noch bestätigt fühlen , als er ihr jetzt selbst seine Bitte vortrug , die Gesellschaft verlassen und seinen Vater aufsuchen zu dürfen . Nachdem sie ihn beurlaubt , setzte sie ihre Unterredung mit dem Herzoge von Gêvres so ruhig fort , daß sie eine Anspielung auf das eben Erlebte Jedem unmöglich machte , und so das plötzliche Auftreten des jungen Erben anscheinend unbemerkt vorüber ging . Nur Zwei in diesem Kreise hatten das Ereigniß tief empfunden , und wie verschieden auch ihre Gefühle waren , Beiden schien es gleich wichtig . Louise de Crecy hatte den Bruder umarmt ; die einzige Sehnsucht ihres unschuldigen Herzens war erfüllt . Sie wußte ihn nun in ihrer Nähe , diesen Schutzheiligen ihrer klösterlichen Träume , an den sie alle unverstandenen Wünsche ihres Herzens knüpfte , den sie so fest und sicher sich gewonnen glaubte , daß über den Rand ihrer Silberrobe , die wie ein Bollwerk ihre jugendliche Heiterkeit einfing , ihr kein Hinderniß mehr für das fröhlichste Leben mit ihm möglich schien , und ihr Blick dem Davoneilenden mit dem bezaubernden Lächeln der Befriedigung folgte . Auch die Augen des Marquis de Souvré folgten dem Jünglinge , und gleich der unschuldigen Louise , glaubte auch er ihn jetzt sicher zu haben . Aber , wenn Beiden die Stunde der Erfüllung schlug , war doch Beider Gefühl so ungleich , als Fluch und Segen ! Er mußte es hören , wie der Eindruck dieses flüchtigen Erscheinens , den die Marschallin nur in ihrer nächsten Umgebung zum Stillschweigen zu verweisen vermochte , um ihn her eine große Bewegung erregte ; und so sehr er mit den Schwächen der Menge vertraut war , so sehr er ihr Urtheil verachtete und genau wußte , daß unbedingtes Lob , wie es hier dem jungen Erben nachtönte , nur eben in diesem ersten , bedeutungslosen Auftreten zu suchen sei , das noch kein Interesse berührte oder durchschnitt - so reizte es ihn dennoch , seine schöne stolze Gestalt , seine feine Haltung bewundern zu hören . Während dessen durcheilte Leonin mit klopfendem Herzen die prachtvollen Gemächer und lenkte schnell in die abführenden , nur matt erleuchteten Corridore , die nach dem Gartenflügel führten , in welchem sein Vater in unabänderlicher Form und Weise seine Zimmer eingerichtet hatte . Welch ' ein Wechsel drängte sich in diesen hohen , alten Rüstkammern dem Beobachter auf ! Es schienen nur Zelte und Wachtfeuer zu fehlen , um hier ein Lager zu vergegenwärtigen , und das Feuer fehlte auch nicht in den weiten Kaminen ; denn diese hohen Marmor-Säle , mit eisernen und stählernen Rüstungen bedeckt , von marmornen Heldengestalten unterbrochen , athmeten eine so erstarrende Kälte aus , daß die Flamme in den Kaminen niemals fehlen durfte . Eben so war das Schlafgemach ; nur kleiner , aber von jedem verweichlichenden Luxus der Zeit entfernt , mit kahlen Wänden , ohne Vorhänge , nur mit dem eisernen Feldbette des Marschalls möblirt , zu welchem die hölzernen Stühle und Tische , die einst sein Zelt bedient hatten , hinzu kamen , und mit einem über dem Bette befestigten Bündel Fahnen , welche weit überhangend , es zu schirmen schienen und dem Gemache das unverkennbare Ansehen eines Zeltes gaben . Auf diesem Ehrenbette , von harten Kissen gestützt , ruhte der Marschall von Crecy , bloß mit einem ungeheuern Reitermantel bedeckt , und hörte den Gesprächen zu , die der Kaplan des Hauses mit dem Arzte des Grafen zu seiner Unterhaltung zu führen suchten - als die hastigen Schritte , welche Allen vernehmbar den Vorsaal durchmaßen