ihrer absichtsvollen Lüsternheit gegen dieses einzige Schauspiel ? Hier entbrennt eine Seele , deren Drange nichts Geringeres als das Ganze : Fuß , Hand , Leib , Stimme , genügen kann , zu einem lebendigen Kunstwerke , und spricht das aus , wozu der armen , stummen , gefesselten Natur ewig die Organe mangeln ! Wie danke ich Ihnen , mein Freund , für solchen Anblick ! « Die Bewegungen Flämmchens waren langsamer geworden , die Kränze entfielen ihren Händen , sie sank mit dem Ausdrucke einer angenehmen Ermattung auf einen Stein und schien einzuschlummern . Die Alte kam zwischen den Klippen hervor . » So ruht sie nun , und läßt mit sich machen , was man will « , sagte sie . » Wenn ich sie auf ihre Füße stelle , so geht sie auch , von mir gestützt , und weiß dennoch von nichts . « » Kommen Sie « , sagte der Arzt zum Domherrn . » Es ist in der Tat kühl , und ich spreche heute nicht im Scherz , sondern im Ernst von Erkältungen . « - » Lassen Sie mich bei dem schönen Kinde noch einen Augenblick allein « , versetzte der Domherr . » Ich kann mich an ihr nicht satt sehn , und werde sie in die Hütte nachbringen . « Der Arzt stieg mit der Alten die Klippen hinunter . Unten begegnete ihnen ein Mensch , der sich verirrt zu haben schien , denn er fragte ängstlich und eilig nach dem Wege , der auf den Felsen führe . Erst nachdem er zurechtgewiesen und vorbei war , erkannte der Arzt in ihm den Bedienten des Domherrn . Unten in der Hütte kündigte er der Alten an , daß er Flämmchen wahrscheinlich binnen kurzem von ihr nehmen werde . Auf dieses Wort stand sie wie versteinert , und sah ihn mit starren Augen an . Er redete ihr zu , und wollte sie durch die Nachricht , daß er das Geld , welches er für das Mädchen ihr gegeben , auch nach deren Entfernung noch eine Zeitlang fortzahlen werde , beschwichtigen . Sie aber unterbrach ihn , und rief mit einem herzzerreißenden Tone : » Nehmen Sie mir das Kind nicht ! « » Was soll sie ferner bei dir ? « versetzte er . » Überhaupt , wie kommt es , daß du solchen Anteil an dem unbekannten Mädchen nimmst ? « » Unbekannt ! « rief die Alte . » Ach , sie ist mir nur zu wohl bekannt ! O mein Herr , lassen Sie mir das Kind ! Es wehete ein Sturm , und verwehete die Geschlechter der Erde , man schlief ein unter blühenden Mandelbäumen und erwachte im öden , sandigen Blachfeld . Wißt Ihr , was es heißt , im Grabe gelegen haben , und wieder aufwachen ? O ich könnte Euch Dinge erzählen , vor denen Ihr erschrecken würdet ! Aber durch Nacht und Tod und Finsternis geht der Weg des Fleisches , und es fügt sich alles wieder zusammen , was zueinander gehörte . « Er drang in sie , ihm diese dunkeln Reden zu erklären . Sie antwortete hierauf etwas in der fremden Sprache , welche er schon draußen von ihr vernommen hatte , und sagte dann : » Wollt Ihr , daß ich mein Kleinod hinwerfe , daß Ihr darauf tretet und es zerstört ? Ich glaube daran , damit gut ; meinen Glauben will ich behalten ! « Sie legte den Finger auf den Mund , dann ging sie umher , bewegte die Arme , als wollte sie ein Kind in den Schlaf schaukeln , und summte dazu ein Wiegenlied . Plötzlich fuhr sie empor , rief heftig : » Was ist das ? Wo bleibt sie ? « und eilte aus der Hütte . Verdrießlich über das lange Ausbleiben des Domherrn ging der Arzt in dem düstern , kleinen Raume hin und her , und erwog bei sich , ob es nicht besser sei , alle diese Abenteuer sich selbst zu überlassen , als er von außen einen gellenden Schrei vernahm , und die Alte in die Stube stürzte . » Verruchte ! Treulose ! Ungeheuer ! « schrie sie . » Betrügen wolltet Ihr mich ! Das Feuer des Himmels über Euer schändliches Haupt ! « Die entblößten Brüste , das flatternde , schwarze Haar gaben ihr das Ansehn einer Furie . » Besinne dich ! « rief der Arzt , und faßte ihren Arm . » Was ist geschehn ? « » Der Bösewicht hat sie geraubt ! Ach , ich unglückseliges Weib ! « erwiderte sie jammernd . Bestürzt klomm der Arzt die Felsen empor . Es war richtig . Niemand war auf der Platte zu sehn . Etwas Weißes flatterte zwischen den Steinen . Es war ein beschriebnes Blatt . Er gab sich Mühe , es zu lesen , was aber selbst in dem hellen Mondscheine nicht gelingen wollte . Von unten hörte er die Klagen der Alten , die schauerlich durch die Nacht tönten . Mit Mühe arbeitete er sich auf den beschwerlichen Pfaden nach dem Orte zurück , wo auf gebahnter Straße der Wagen des Domherrn stehngeblieben war . Er war verschwunden . Als er sein Ohr an den Boden legte , meinte er , in weiter Ferne das Geräusch der fortrollenden Räder zu vernehmen . Er mußte sich zur Rückkehr entschließen , und dem kommenden Tage überlassen , was weiter zu tun sei . Als er nach mehreren Stunden ermüdet heimgekommen war , hörte er noch von dem Bedienten zur Vermehrung seiner üblen Laune , daß spät abends Hermann wieder im Schlosse eingetroffen sei . Er las das Blatt . Es enthielt nur wenige Zeilen , wodurch der Domherr ihm bekanntmachte , daß er das Mädchen , welches ihm zur Erziehung bestimmt sei , mit sich nehme , und alles zwischen ihnen Verabredete ausführen werde . Hinzugefügt war die lakonische Bitte , den übereilten Abschied zu entschuldigen , und bei der