Indeß bewegte sich die Jugend bald heiter durcheinander , und der Baron würde sich von seiner Verstimmung erholt haben , wenn nicht alle Feuerräder bei dem beabsichtigten Feuerwerke versagt hätten . Ein Schwärmer fuhr unglücklicher Weise in einen Strohhaufen und zündete diesen an , und der Baron vergaß alle Rücksicht für seine Gäste , aus Angst , daß die nah gelegenen Wirthschaftsgebäude in Brand gerathen könnten . Ein vom Himmel herabströmender Regen endigte zwar bald diese Sorge , aber löschte auch zugleich die Illumination aus , die zum Beschlusse das Fest hatte verherrlichen sollen . So vielen Widerwärtigkeiten mußte sein Geist erliegen , und er war selbst froh , als ein Fest nun zu Ende geführt war , von dem er sich so viele Wirkung versprochen , und das doch alle seine Erwartungen getäuscht hatte . Zweiter Theil I Der Graf war mit seiner Familie auf Schloß Hohenthal angekommen , und auch der Obrist Thalheim und seine Tochter waren dem Wagen gefolgt , weil der Zustand der Gräfin Alles beunruhigte . Auf dem Schlosse herrschte bei der unerwarteten Zurückkunft der Herrschaft große Verwirrung , denn die Dienerschaft hatte sich entfernt , um ihre eigenen Vergnügungen aufzusuchen , in der Ueberzeugung , daß sie die Herrschaft erst gegen den Morgen des kommenden Tages zu erwarten hätten ; nur der Haushofmeister war gegenwärtig und der Knabe Gustav , der sich in Studien vertieft hatte . Emilie und Therese entkleideten die Gräfin und brachten sie zu Bette , während der bestürzte Dübois ausschickte , um die weibliche Dienerschaft zusammen zu rufen . Der Graf ging im Saale stumm auf und ab ; ein finsterer Mißmuth ruhte auf seiner Stirn , und weder St. Julien noch der junge Graf wagten das Schweigen zu unterbrechen , denn man sah wohl , daß nicht allein Theilnahme an dem Befinden der Gräfin diesen Mißmuth hervorrief , sondern daß ihn die Oeffentlichkeit des auf Heimburg stattgefundenen Auftritts tief verletzt hatte , und es zeigten sich auf seinem Gesichte Spuren von einem ihm sonst fast völlig fremden Groll , dessen Gegenstand er vielleicht selbst nicht mit Bestimmtheit anzugeben wußte . Als die Gräfin zu Bette gebracht war , ging der Graf in ihr Schlafzimmer zu ihr . Er fand seine Gemahlin sehr entkräftet und den Arzt eifrig beschäftigt , alle Vorkehrungen für die Nacht zu treffen . Er hatte die Medikamente schon bereitet , deren Gebrauch er verordnete ; er gab Dübois hundert Befehle , die dieser mit zitternder Stimme auszurichten versprach , indem er die thränenschweren Augen auf die Gräfin richtete ; er verordnete , Wer die Nacht bei der Kranken wachen sollte , und schärfte es dringend ein , ihn sogleich zu rufen , wenn der mindeste Zufall eintreten sollte . Die Gräfin ließ sich schweigend Alles gefallen , fühlte sich aber sichtlich erleichtert , als der Arzt endlich das Zimmer verließ . Der Graf trat nun an das Bett seiner Gemahlin , und indem er ihre Hand faßte , fragte er mit Theilnahme , ob sie sich besser fühle ? Die dunkeln Augen der Gräfin richteten einen matten , aber forschenden Blick auf den geliebten Mann ; sie las seine Gedanken und seine Gefühle auf der umwölkten Stirn , und sagte mit kaum hörbarer Stimme : Durch Ruhe wird mir besser werden , entziehen Sie mir nur Ihre Liebe nicht . Sie hatte diese Worte mit bebender Stimme gesprochen , und ihre zitternden Lippen drückten einen Kuß auf die Hand des Gatten , die noch in der ihrigen ruhte . Der Graf beugte sich überrascht nieder und küßte die leichenblasse Stirn seiner Gemahlin . Er zog sich , wie sie es wünschte , zurück , damit sie , wo möglich , in Einsamkeit und Stille die zu ihrer Erhaltung so nöthige Ruhe fände . Er konnte St. Julien und seinem Vetter , die seine Zurückkunft mit Aengstlichkeit im Saale erwartet hatten , wenig Tröstliches sagen , und Alle trennten sich von einander und harrten mit peinlicher Unruhe dem kommenden Morgen entgegen . Als der Graf seine Gemahlin verlassen hatte , winkte diese Emilien zu sich und bat sie dafür zu sorgen , daß der Obrist und Therese sich nach Hause begeben möchten , damit nicht der alte Mann die Ruhe der Nacht entbehrte ; und als Emilie zurück kam und ihr die Nachricht brachte , daß der Graf für die Erfüllung ihres Wunsches sorgen würde , bat die Kranke , daß nun auch sie sich zur Ruhe begäbe , vorher aber alle Dienerschaft aus dem Vorzimmer entfernen möge . Du weißt , mein Kind , sagte sie mit mattem Händedruck und hinsterbender Stimme , ich brauche nur Ruhe , um mein Uebel zu besiegen . Emilie versprach Alles , und die Gräfin bat sie noch , die Vorhänge ihres Bettes zuzuziehen , damit weder das Nachtlicht , noch der Strahl des kommenden Morgens ihre Einsamkeit und Ruhe stören möge . Es geschah , wie die Kranke es verlangte , und ihre junge Freundin ging dann und befahl im Namen der Gräfin , daß Jedermann das Vorzimmer verlassen und sich zur Ruhe begeben sollte ; nur Dübois winkte sie leise herbei und bat ihn zu bleiben . Er neigte sich bejahend und zeigte auf einen Armstuhl , in welchem er die Nacht hinbringen wollte . Sie hatte die Thür des Schlafzimmers geöffnet gelassen , damit der Alte während ihrer Abwesenheit auch das leiseste Geräusch hören könnte , und ging nun hinweg , um sich von dem Putze zu befreien , den sie für den Ball angelegt hatte und noch immer an sich trug . Dieß Geschäft war bald abgemacht ; sie kehrte unbemerkt zurück , um auf dem Sopha im Schlafzimmer die Nacht hinzubringen , und rückte leise die Nachtlampe näher , um sich durch Lesen wach zu erhalten . Bald aber wurde ihre Aufmerksamkeit ungetheilt auf die Kranke gerichtet , die , sich nun völlig einsam wähnend , ihrem gepreßten Herzen durch Klagen und Thränen Erleichterung verschaffte . Habe ich nicht Alles , Alles verloren ?