sah herauf zu mir . Ich nannte ihm meinen Namen . Er wußte nichts von mir . Er war nach mir zum Regiment gekommen , gleichwohl traten wir cameradschaftlich zusammen . In seinen Augen blitzte angenehme Ueberraschung , hier Anhang und Schutz zu finden . Er betrug sich gegen mich mit ehrfurchtsvoller Zurückhaltung . Ich kann Dich versichern , mir war seit lange einmal wieder wohl . Eine Weile gingen wir mit einander , dann theilte sich unser Weg . Er ist nicht weit von hier zu Hause . Ich beschenkte ihn , was er mit jener Beschämung stolzen Selbstgefühls , nicht ohne einiges Erröthen , und , wie er sagte , nur von einem ehemaligen Herrn Offizier seines Regiments annahm . Als er nun mit erfrischtem Muthe weiter ging , und mehrmals , unter wiederholten Begrüßungen , nach mir zurücksah , da ward mir , als trennte sich ein Bekannter von mir . Ich sah ihm gerührt nach . Ist es das ? fragte ich mich . Ruft das Leben aus diesem Ton ? Will es mich dahin zurück haben ? Ich fragte mich das seitdem öfter . Heinrich ! wahr ist es , Etwas muß der Mensch doch wollen , oder er geht unter . Was soll ich aber ? Und dann . - So kann es doch nicht wieder werden ! Alles ist dagegen . Es paßt auch nicht . Wirst Du mich verstehen , Heinrich , wenn ich Dir sage , daß es Emma ist , die mich hier festhält ? Sie ist so plötzlich , so unnatürlich , möchte ich sagen , von mir losgerissen worden . So läßt es ihr Herz , so läßt es das Leben nicht . Ich weiß das gewiß . Ich bleibe deshalb , und warte , bis sie mir sagt , was sie will , was ich soll . Erkläre mir , wenn Du kannst , die unbegreiflichen Widersprüche des Herzens . Ich gehe nie an ihrem Fenster vorüber , ohne daß es mich heiß durchrieselt , ohne daß mein nasses Auge sie hinter den Scheiben sucht . Heute bei meiner Heimkehr erschütterte es mich unaussprechlich , als ich die Fenster ausgehoben , die Vorhänge aufgeschlagen fand , und das tiefe Zimmer so dunkel und öde nach Außen heraustrat . Ich stand lange davor . Drüben auf dem Altane saß der Oheim . Er hatte den Kopf in die Hand gelegt , und betrachtete mich gedankenvoll . Ich fühlte , was in ihm vorging . O wäre Emma in diesem Augenblick - nun und was dann ? wirst Du fragen . Ja , dies dann , ist eine lange , unbestimmte Zukunft , und der Mensch , Heinrich , ist ein Mensch . Lebe wohl ! Ich will morgen zu meinen Dragonern hinüber reiten , und mich wieder jung schwatzen . Curd an die Gräfin Ulmenstein Wie beschämen Sie mich , gnädige Frau ! Sie lassen sich herab , mir zuerst wieder zu schreiben , mich willkommen zu heißen in der Heimath ! mir zu sagen , daß ich erwartet werde , daß ich nur eilen soll , mich der großmüthigsten Beschützerin zu Füßen zu legen , die ihren reichen Vorrath launiger , unterhaltender Mittheilungen für mich in Bereitschaft hält . Wahrhaftig , kann mich etwas mit dem Gedanken versöhnen , wieder in unsere gute , alte Stadt zurückzukehren , so ist es allein Ihre Gnade , Ihre liebenswürdige Gesellschaft , das elegante Haus der einzigen Frau in Deutschland , die Hoffnung , den Zirkel dort wieder zu finden , der sich allein um solchen Mittelpunkt versammelt . Sie , Gnädigste , könnten den Aufenthalt in Paris allein vergessen machen ! Welche Ansprüche auf die Dankbarkeit des deutschen Reisenden haben sie nun vollends dadurch , daß er bei Ihnen nichts von Allem vermißt , was er im Auslande zurückließ ! Wüßte ich nur , was ich thun könnte , um mich einigermaßen eines solchen Glückes würdig zu zeigen ! die schwachen Beiträge , welche ich zu Ihrer Unterhaltung liefern kann , sind nicht von der Art , um mir ein Recht auf die mir so vielfach bewiesene Aufmerksamkeit zu geben . Kleine Reiseabentheuer , in denen sich mein unbedeutendes Selbst verflochten findet , war ich schon so dreist , Ihnen vorzulegen . Leider ist mir aber nichts Bedeutendes begegnet . Ehrlich gesprochen , gnädige Gräfin , Leute , die nichts Besonderes sein wollen , erfahren sehr selten etwas Außerordentliches . Die gebildete Gesellschaft duldet nirgends auffallende Ereignisse . Ueberall giebt es einander ähnlich sehende Gesetze , strenge Polizei , geebnete Straßen , über die man pfeilschnell hinfliegt , große Städte , große Welt , und fast nur eine Sprache , ob diese französisch , englisch oder deutsch heißt , Menschen von Erziehung reden alle aus einem Tone . Das bestätigen uns die neuesten Reisebeschreibungen . Sie sagen immer dasselbe , wenn sich nicht so ein guter , wandernder Künstler auf die Beine macht , und uns sein Abentheuer zum Besten giebt . Ich versichere Sie , der Parmesankäse schmeckt in Parma nicht anders als in unsrer Residenz , der ächte Syllerie wird überall nur ächt geschätzt , französische Köche an jedem Orte gut bezahlt , Trüffeln aus Perigord , so wie Strasburger Pasteten machen die Reise bis nach Neapel , der Mann von Geschmack ißt im Norden und Süden gern gut , und die Frauen dürfen nur die Augen in den Spiegel werfen , um zu unterscheiden , ob eine Pariser Toilette sie kleide ? Uebrigens wissen Alle , was ein hübscher Fuß in der Welt gilt , wie er am zierlichsten beschuhet , wie am vortheilhaftesten gesetzt wird . Wer sucht , der wird finden , heißt es . Es suchen die Klügsten dasselbe , und Einige finden es überall . Der ganze Unterschied besteht darin , daß dies mit mehr oder weniger Grazie geschieht . Indeß , gute Tanzmeister finden sich dann doch an den meisten bedeutenden Orten . Selbst in Deutschland ist , Gott sei '