Leo ? « rief Auguste und ward dabei feuerroth , » Leo ? Nun der zieht übermorgen jen Norden , während wir dem Süden uns zuwenden , und fast möchte ich wetten , daß ich Sie früher wieder sähe als ihn . « » Fräulein ! wäre es möglich ! verstehe ich Sie ? « fragte Adelbert sehr bewegt . » Ach ich weiß nicht , welch ein böser Dämon mich in dieser Stunde zwingt , immer auszusprechen was ich eigentlich verschweigen müßte ! « Es ist wohl Ihr fremdes Ansehen , was so mich verwirrt , « fuhr er , mit trübem Lächeln sie betrachtend , fort . » Sie sind Sie selbst , und sind es auch nicht . Gewiß wäre es sündlich vermessen , zu wünschen , Sie wären wirklich , was sie diesen Abend scheinen wollen , aber ich kann den Gedanken daran nicht los werden und einem armen Invaliden ist er wohl zu verzeihen , der so Ihnen näher zu stehen wähnen dürfte . Sie sind so reich , daß Sie dennoch bleiben was Sie sind , wenn gleich diese Rosen verblüht wären . « » Hat es wohl je in der Welt einen jungen Mann gegeben , der einem artigen Mädchen dreißig Jahre mehr und dazu ein gepudertes Touppée wünscht , bloß um ihr etwas schönes zu sagen ? « rief Auguste ein wenig gezwungen lächelnd , und wandte sich der Thüre zu , in welcher der General ihr plötzlich entgegentrat , um sie zur Gesellschaft abzuholen . Bei Spiel und Tanz schwärmte man noch bis tief in die Nacht hinein . Es war als ob die Freude jetzt , so nahe vor dem Scheiden , erst recht lebendig werden wollte . Nur Leo irrte verdrüßlich und abgesondert von den übrigen durch die lange Reihe der Zimmer . Seit mehr als einer Stunde vermißte er Augusten , ohne sie eigentlich suchen zu mögen , als Frau von Grünborn zu ihm trat und unter der Behauptung , sie habe Augusten zu einer Quadrille höchst nöthig , lachend seinen Arm ergriff , um mit ihm das ganze Schloß nach ihr zu durchstreifen . Beide gelangten auf ihrer Wanderung an das Vorzimmer der Frau von Willnangen , es ward darin gesprochen , das hörte man deutlich , die Thüre war nur angelehnt , neugierig blickte Frau von Grünborn durch die Spalte und fuhr im nehmlichen Moment mit einem ganz eigenen Gesicht zurück , um in großer Hast ihren Begleiter an ihre Stelle zu schieben . Leo traute seinen Augen nicht , er erblickte Augusten in Adelberts Armen und neben dieser Gruppe Frau von Willnangen und den General . Eingewurzelt wäre er stehen geblieben , hätte nicht Frau von Grünborn ihn wieder mit sich fort zur Gesellschaft gezogen , wo sie jedem , der ihr in den Weg kam , die eben gemachte Entdeckung im strengsten Vertrauen zuflüsterte . Bald wurden aller Blicke forschend dem armen Leo zugewendet , der , von der allgemeinen Aufmerksamkeit gedrückt , verstimmt , erschrocken sogar , es dennoch nicht wagen mochte , sich früher zu entfernen , als die übrigen , um niemanden Raum zu lauten Bemerkungen hinter seinem Rücken zu geben . Doch da der General sich unter dem Vorwand eines ihm plötzlich überkommenen Geschäfts entschuldigen ließ , so zerstreute sich bald darauf die ganze Gesellschaft . Tausend unangenehme , einander widerstrebende Empfindungen bemächtigten sich Leos , sobald er in seinem Zimmer allein sich befand , und raubten ihm für diese Nacht den Schlummer . So wenig es ihm in den Sinn gekommen seyn mochte , sich ernstlich um Augusten zu bewerben , so schien sie ihm doch in diesem Moment unendlich reizend und ihr Besitz höchst wünschenswerth , gerade weil er ihm unerreichbar geworden war . Am meisten aber peinigte ihn Reue über sein bisheriges Streben , sich vor der Welt den Anschein eines innigern Verhältnisses mit Augusten zu geben ; und die Eitelkeit , welche ihn dazu angetrieben hatte , ward jetzt seine empfindlichste Strafe . Wie oft hatte er nicht Augusten die gleichgültigsten Dinge absichtlich mit einem höchst wichtigen Gesicht zugeflüstert ! wie oft sich bemüht , dankbar gerührt auszusehen , während sie mit ihm vom Wetter sprach ! Unzähligemal hatte er den unbedeutendsten gegenseitigen Gefälligkeiten ein geheimnißvolles Ansehen zu geben gesucht und gewußt ! Alle diese Veranstaltungen , die er mit so großer Mühe ersonnen und ausgeführt hatte , halfen jetzt zu nichts , als ihm in den Augen der Gesellschaft das Ansehen eines Abgewiesenen , Zurückgesetzten zu geben . Augustens Charakter stand zu hoch , als daß selbst der Neid es hätte wagen mögen , ihn in ein zweideutiges Licht zu stellen . Leo begriff bei so gestellten Dingen , daß ihm keine andere Wahl blieb , als entweder morgen demüthig , wie ein Verstoßener , das öffentliche Mitleid und den heimlichen Spott der Anwesenden zu ertragen , oder in der Stille sich zu entfernen , ehe es im Schlosse Tag ward . Ein innerer Widerwille , den glücklichen Adelbert zu sehen , trug viel bei , ihn zu der Wahl des letztern zu bestimmen ; er hatte die Flamme zu nahe umgaukelt , um nicht jetzt sich von ihr ergriffen zu fühlen , und fürchtete daher , vor den Augen des glücklichen Paars etwas trübselig dazustehen . Nach vorher genommener Rücksprache mit seinen Eltern , machte er sich daher in aller Frühe auf den Weg . Die Ueberzeugung , daß er aus einem Lande und von Menschen scheide , welche nie wieder zu sehen in seiner Macht stand , und daß kein spöttisches Wort aus dieser Ferne in seiner Heimath ihn erreichen könne , war das einzig Tröstliche , was er mit sich nahm . Strahlend in einer Freudenglorie , als wäre er selbst der beglückte Bräutigam , stellte der General am folgenden Morgen die Braut seines Adelberts der Gesellschaft vor . Die herzlichste Theilnahme aller Anwesenden empfing sie mit lauten Glückwünschen , nur Herr und Frau von Wallburg machten hierin eine Ausnahme , und