rief Julie außer sich vor Freude und stürzte dem Manne um den Hals . - Hatt ich schon vorher draußen in dem Fremden sogleich einen von jenen poetischen Jüngern erkannt , die ' s niemals zum Meister oder überhaupt zu einem Manne bringen , so kam mir jetzt der hagere , blasse Poet neben der gesunden Julie , die unterdes so wunderbar hoch geworden war , und deren große Augen in diesem Augenblicke vor Freude ordentliche Strahlen warfen , gar erbärmlich vor . Mir kamen die Verse aus Goethes Fischerin zwischen die Zähne : Wer soll Bräutigam sein ? Zaunkönig soll Bräutigam sein ! Zaunkönig sprach zu ihnen Hinwieder den beiden : » Ich bin ein sehr kleiner Kerl , Kann nicht Bräutigam sein , Ich kann nicht der Bräutigam sein ! « Ich schwang mich sogleich wieder über den Gartenzaun , band mein Pferd los und ging , es hinter mir herführend , aus dem Dorfe hinaus . Da kam ich am andern Ende desselben an dem kleinen Häuschen Viktors vorüber , ich guckte ihm ins Fenster hinein , das , wie du weißt , im Sommer Tag und Nacht offensteht . Er saß eben mit dem Rücken gegen das Fenster , über einem alten , dicken Buche , den Kopf in die Hand gestützt . Das Licht auf dem Tische flackerte ungewiß umher , die vielen Uhren an den Wänden pickten einförmig immerfort , es war eine unendliche Einsamkeit drinnen . Ich begrüßte ihn endlich mit dem Vers , der ihm im ganzen Faust der liebste war : Ich guckte der Eule in ihr Nest , Hu ! die macht ' ein Paar Augen ! Er wandte sich schnell um , und als er mein Gesicht völlig erkannte , sprang er auf , warf die Bücher und alles , was auf dem Tische lag , auf die Erde und tanzte wie unsinnig in der Stube herum . Ich kletterte sogleich durchs Fenster zu ihm hinein , ergriff eine halbbespannte Geige , die an der Wand hing , und so walzten wir beide mit den seltsamsten Gebärden und großem Getös nebeneinander in der kleinen Stube auf und ab , bis er endlich erschöpft vor Lachen auf den Boden hinsank . Es dauerte lange , ehe wir zu einem vernünftigen Diskurs kamen , während welchem er einen ungeheuren Krug voll Wein anschleppte . Er ist noch immer der alte , noch immer nicht fetter , nicht ruhiger , nicht klüger , und wie sonst wütend kriegerisch gegen alle Sentimentalität , die er ordentlich mißhandelt . Gegen Mitternacht endlich , so viel er auch dagegen hatte , zog ich wieder von dannen , das gelobte Land in ruhigem Schlafe hinter mir und die weite Stille ringsumher gesegnend , während Viktor , der mich ein Stück begleitet hatte , auf der letzten Höhe mir wie eine Windmühle in der Dunkelheit mit dem Hute nachschwenkte und nachrief , bis alles in den großen , grauen Schoß versunken war . In den Krieg denn von neuem in Gottes Namen hinaus ! rief ich draußen und nahm die Richtung auf mein Schloß , da ich indes erfahren hatte , daß der Tummelplatz jetzt dort in der Nähe sei . Bei Sonnenaufgang sah ich die Unsrigen in dem weiten Tale bunt und blitzend zerstreut wieder , und das Herz ging mir auf bei dem Anblick . Die lustige Bewegung , die mir von weitem so mutig entgegenblitzte , war aber nichts anderes , als eine verworrene , grenzenlose Flucht . Der Feind war noch ziemlich weit , ich ritt daher an den zerstreuten Trupps langsam vorüber . Da sah ich den Haufen in dumpfer Resignation herumtaumeln , mehrere weise Mienen achselzuckend zur Schau tragen , als steckten wohl ganz andere Pläne dahinter - keinem hätte das Herz im Leibe zerspringen mögen . Da fiel mir ein , was mir Viktor oft in seinen melancholischsten Stunden gesagt : besser , Uhren machen , als Soldaten spielen . Ich meinesteils war fest entschlossen , da alles , was mir ehrwürdig und lieb auf Erden war , zugrunde gehen sollte , lieber fechtend selber mit unterzugehn , als gefangen in der gemeinen Schande zurückzubleiben . Ich sprengte eilig auf mein Schloß und bot alle meine Jäger und Diener auf , deren Gesinnung und Treue ich kannte , viele Freiwillige von der Armee gesellten sich wacker dazu , und so verschanzten und besetzten wir mein Schloß und Garten , da ich wohl wußte , daß der Feind bei seiner Verfolgung diesen Weg nehmen und demselben an dieser vorteilhaften Höhe besonders viel gelegen sein mußte . Wir wehrten uns verzweifelt oder vielmehr tollkühn gegen die Übermacht . Die feindlichen Kugeln hatten mein Schloß fürchterlich zerrissen , die Gesimse brannten , ein Burgtor nach dem andern stürzte in den Lohen zusammen , alles war verloren , und ich fiel , der letzte , nieder . - Als ich die Augen wieder aufschlug , lag ich im Sonnenscheine in dem schönen Garten des Herrn v. A. vor der großen Aussicht , und Julie stand still neben mir . « - Hier hielt Leontin inne , denn Julie , die sich schon einige Zeit mit ängstlicher Unruhe umgesehen hatte , sagte ihm etwas ins Ohr , stand schnell auf und ging in den Wald hinein , worauf Leontin , nachdem er ihr eine Weile nachgesehen , folgendermaßen wieder fortfuhr : » Es war mir wie im Traume , als ich so wieder meinen ersten Blick in die Welt tat , alles auf einmal so stille um mich , und Julie neben mir , die mich schweigend und ernsthaft betrachtete . Sie sagte mir damals nichts , aber später erfuhr und erriet ich Folgendes : Der moderne Junge , dem ich damals in der Nacht auf dem Schlosse des Herrn v. A. begegnet , war ein Edelmann aus der Nachbarschaft , der erst unlängst von Universitäten auf seine Güter zurückgekehrt war . Seine fast täglichen Besuche bei Julie , seine ungebundene Art , mit ihr