Geheimnis darf unter uns walten . Und doch ist es mir , als kämpftest du mit manchem , was früher recht verderblich eintrat in dein Leben und was du nicht vermöchtest über die Lippen zu bringen vor unrechter Scheu ! - Sei aufrichtig , Leonard ! - Ach wie wird ein freimütiges Geständnis deine Brust erleichtern und heller unsere Liebe strahlen ! « - Wohl fühlte ich bei diesen Worten Aureliens recht marternd , wie der Geist des Truges in mir wohne , und wie ich nur noch vor wenigen Augenblicken das fromme Kind recht frevelig getäuscht ; und dies Gefühl regte sich stärker und stärker auf in wunderbarer Weise , ich mußte Aurelien alles - alles entdecken und doch ihre Liebe gewinnen . » Aurelie - du meine Heilige , - die mich rettet von ... « In dem Augenblick trat die Fürstin herein , ihr Anblick warf mich plötzlich zurück in die Hölle , voll Hohn und Gedanken des Verderbens . Sie mußte mich jetzt dulden , ich blieb und stellte mich als Aureliens Bräutigam kühn und keck ihr entgegen . Überhaupt war ich nur frei von allen bösen Gedanken , wenn ich mit Aurelien allein mich befand ; dann ging mir aber auch die Seligkeit des Himmels auf . Jetzt erst wünschte ich lebhaft meine Vermählung mit Aurelien . - In einer Nacht stand lebhaft meine Mutter vor mir , ich wollte ihre Hand ergreifen und wurde gewahr , daß es nur Duft sei , der sich gestaltet . » Weshalb diese alberne Täuschung ? « rief ich erzürnt ; da flossen helle Tränen aus meiner Mutter Augen , die wurden aber zu silbernen , hellblinkenden Sternen , aus denen leuchtende Tropfen fielen und um mein Haupt kreisten , als wollten sie einen Heiligenschein bilden , doch immer zerriß eine schwarze fürchterliche Faust den Kreis . » Du , den ich rein von jeder Untat geboren , « sprach meine Mutter mit sanfter Stimme , » ist denn deine Kraft gebrochen , daß du nicht zu widerstehen vermagst den Verlockungen des Satans ? - Jetzt kann ich erst dein Innres durchschauen , denn mir ist die Last des Irdischen entnommen ! - Erhebe dich , Franziskus ! ich will dich schmücken mit Bändern und Blumen , denn es ist der Tag des heiligen Bernardus gekommen , und du sollst wieder ein frommer Knabe sein ! « - Da war es mir , als müsse ich wie sonst einen Hymnus anstimmen zum Lobe des Heiligen , aber entsetzlich tobte es dazwischen , mein Gesang wurde ein wildes Geheul , und schwarze Schleier rauschten herab zwischen mir und der Gestalt meiner Mutter . - Mehrere Tage nach dieser Vision begegnete mir der Kriminalrichter auf der Straße . Er trat freundlich auf mich zu . » Wissen Sie schon , « fing er an , » daß der Prozeß des Kapuziners Medardus wieder zweifelhaft worden ? Das Urteil , das ihm höchst wahrscheinlich den Tod zuerkannt hätte , sollte schon abgefaßt werden , als er aufs neue Spuren des Wahnsinns zeigte . Das Kriminalgericht erhielt nämlich die Nachricht von dem Tode seiner Mutter ; ich machte es ihm bekannt , da lachte er wild auf und rief mit einer Stimme , die selbst dem standhaftesten Gemüt Entsetzen erregen konnte : Ha ha ha ! - die Prinzessin von ... ( er nannte die Gemahlin des ermordeten Bruders unsers Fürsten ) ist längst gestorben ! - Es ist jetzt eine neue ärztliche Untersuchung verfügt , man glaubt jedoch , daß der Wahnsinn des Mönchs verstellt sei . « - Ich ließ mir Tag und Stunde des Todes meiner Mutter sagen ! sie war mir in demselben Moment , als sie starb , erschienen , und tief eindringend in Sinn und Gemüt , war nun auch die nur zu sehr vergessene Mutter die Mittlerin zwischen mir und der reinen Himmelsseele , die mein werden sollte . Milder und weicher geworden , schien ich nun erst Aureliens Liebe ganz zu verstehen , ich mochte sie wie eine mich beschirmende Heilige kaum verlassen , und mein düsteres Geheimnis wurde , indem sie nicht mehr deshalb in mich drang , nun ein mir selbst unerforschliches , von höheren Mächten verhängtes Ereignis . - Der von dem Fürsten bestimmte Tag der Vermählung war gekommen . Aurelie wollte in erster Frühe vor dem Altar der heiligen Rosalia in der nahegelegenen Klosterkirche getraut sein . Wachend und nach langer Zeit zum erstenmal inbrünstig betend , brachte ich die Nacht zu . Ach ! ich Verblendeter fühlte nicht , daß das Gebet , womit ich mich zur Sünde rüstete , höllischer Frevel sei ! - Als ich zu Aurelien eintrat , kam sie mir , weiß gekleidet und mit duftenden Rosen geschmückt , in holder Engelsschönheit entgegen . Ihr Gewand sowie ihr Haarschmuck hatte etwas sonderbar Altertümliches , eine dunkle Erinnerung ging in mir auf , aber von tiefem Schauer fühlte ich mich durchbebt , als plötzlich lebhaft das Bild des Altars , an dem wir getraut werden sollten , mir vor Augen stand . Das Bild stellte das Martyrium der heiligen Rosalia vor , und gerade so wie Aurelie war sie gekleidet . - Schwer wurde es mir , den grausigen Eindruck , den dies auf mich machte , zu verbergen . Aurelie gab mir mit einem Blick , aus dem ein ganzer Himmel voll Liebe und Seligkeit strahlte , die Hand , ich zog sie an meine Brust , und mit dem Kuß des reinsten Entzückens durchdrang mich aufs neue das deutliche Gefühl , daß nur durch Aurelie meine Seele errettet werden könne . Ein fürstlicher Bedienter meldete , daß die Herrschaft bereit sei , uns zu empfangen . Aurelie zog schnell die Handschuhe an , ich nahm ihren Arm , da bemerkte das Kammermädchen , daß das Haar in Unordnung gekommen sei , sie sprang fort , um Nadeln zu holen . Wir warteten an der Türe , der Aufenthalt schien Aurelien unangenehm . In dem