Proconsuls , seine schöne Tochter und ihre Verhältnisse . Irre ich nicht , so haben ihre Reize selbst einigen Eindruck auf ihn gemacht ; aber wie das bei solchen Weltmenschen geht , es gleitet Alles leicht über ihre abgeschliffenen Seelen hin , und so auch die Liebe . Von ihm habe ich nun durch schickliche Fragen und Erkundigungen so viel erfahren , daß Calpurniens Verhältniß zu Agathokles kein Geheimniß ist , und daß man in der großen Welt ihrer Verbindung als einem sehr wahrscheinlichen Ereignisse entgegen sieht . Wie soll ich bei diesen Verhältnissen den Muth haben , hervorzutreten ? Wie leicht könnte es geschehen , daß Agathokles durch mein Daseyn mehr erschreckt als erfreut würde , daß er dann aus Rechtschaffenheit ein Band zerreißen würde , das ihn glücklich machen könnte , um sich in ein Verhältniß zu schmiegen , das ihm fremd geworden ist , und nicht anders als drückend seyn würde ? Und würde ich dann glücklich seyn ? Nein , meine Liebe ! Viel besser ist ' s , er erfährt nie , daß ich lebe ; so erspare ich ihm Beschämung , Rene , eine schwere Wahl , oder eine noch mühsamere Treue , die mich unglücklicher machen würde , als seine Sinnesänderung . So bin ich still und fest entschlossen , meinem Plane treu zu bleiben , und aus eben der Ursache kann ich dein Anerbieten , nach Apamäa zu fliehen , nicht annehmen . Dort bin ich bekannt , dort könnte es mir nicht gelingen , unter meinem Christennamen unerkannt zu bleiben , und ich muß diesem Glücke , wie so manchem andern , entsagen . Ich muß hier , wie so oft in meinem Leben , sagen : Der Herr hat es gegeben , der Herr hat es genommen , der Name des Herrn sey gebenedeiet . Ach , wenn ich den Trost nicht hätte , wie könnte ich mein Schicksal ertragen ! So viel zu verlieren , so Vielem zu entsagen , und doch nicht zu verzweifeln - dazu gehört unmittelbare Unterstützung von oben , Wirkung der göttlichen Gnade , um die ich in unablässigem Gebete ringe . » Betet , so wird euch gegeben werden ! « Ja es wird mir gegeben werden - nicht das , was mein Herz , vielleicht irrig , für mein Glück hielt - aber das , was ich bedurfte , um seinem Verluste nicht zu erliegen , Geduld , Kraft und Frieden . Glaube aber nicht , meine Theure , daß mein Gemüth immer so ruhig ist ! Nein , deine arme Freundin ist nicht in jeder Stunde so unbegreiflich stark , um den Verlust von Agathokles Liebe , und den Entschluß , dein Anerbieten auszuschlagen , mit stillem Gleichmuth zu ertragen . O es ist mir oft , als wollte es mir die Brust zerreißen , wenn ich bedenke , was ich gehofft habe , und wie es nun geworden ist ! Zuweilen schweben mir Bilder aus der Vergangenheit vor , zuweilen , wenn ich das stille Glück betrachte , das Fulvia , die Gemahlin des Lysias , genießt , wenn ich die Liebe und Achtung bedenke , mit der diese Gatten sich behandeln , die tausend kleinen Geschäfte des Lebens , die durch Liebe , Zärtlichkeit , Treue und Aufmerksamkeit so namenlosen Reiz erhalten , und sich mir dann der Gedanke aufdringt , was ich als Agathokles Gattin hätte werden können - o dann , Junia ! gehört mehr als menschliche Kraft dazu , um nicht zu verzweifeln . Dann bleibt mir keine Rettung als im Gebete , das oft die Hälfte meiner Nächte einnimmt , und in Heliodors düster erhabnen Ansichten der Welt und Zukunft . Er reißt mich mächtig empor , er , der die leidenschaftliche Liebe zu einem Geschöpfe verdammt , während er sein Leben der Menschheit widmet , er , dem der Landsmann , der Verwandte nicht näher steht , als der Wilde , für den er eben so willig sein Blut vergießt , er zeigt mir meine Pflicht in einem wunderbaren , erhabnen kalten Lichte , und so weh seine Vorstellungen meinem Gefühle thun , so mächtig stärken sie meinen Willen , und erhöhen meine Kraft . Ich habe an Sulpicien geschrieben , mit verstellter Hand , um jeder Entdeckung vorzubeugen . Ich will mir diesen Weg offen erhalten , um etwas Zuverlässiges von Calpurniens Verhältnissen zu erfahren . Sie hat mir geantwortet , ganz so , wie ich es erwartet hatte ; ihre Antwort hat nichts an meinem Entschlusse geändert . Nächstens werde ich ihr wieder schreiben , ich will es wagen , Calpurnien unter einem schicklichen Vorwande um jene Zeichnung bitten lassen , die mir die volle Gewißheit meines Unglücks gab . Es ist sein Bild . Ach , ich habe sonst nichts von ihm , und muß das Einzige von meiner Nebenbuhlerin erbetteln ! Ach Junia ! Ist einst dieses Band , wie es Sulpicia selbst zu erwarten scheint , wirklich geknüpft , verlassen vielleicht die glücklichen Gatten Asien , was doch möglich wäre , oder hat die Zeit auch die letzte Spur meines Andenkens in seiner Brust verlöscht - dann komme ich zu dir , dann birgst du mich im Schatten deines Hauses , und gönnst mir einen Antheil an der Besorgung deines Hauswesens , an der Erziehung deiner Kinder , deiner Enkel , die bis dahin deine spätern Jahre verschönern werden , damit mein Daseyn nicht ganz nutzlos verschwinde , und ich , wenn der milde Befreier der gefangenen Seele erscheint , mit dem Bewußtseyn aus der Welt scheide , doch Einem Menschen Etwas gewesen zu seyn . Leb ' wohl ! 58. Constantin an Eneus Florianus . Nikomedien , im December 302 . Die Zeit wird immer fruchtbarer an Begebenheiten und Saamen für die Zukunft . Der Krieg mit den Persern ist durch einen glorreichen Frieden geendigt , wir haben unsern triumphähnlichen Einzug in Nikomedien gehalten , und Diocletian begegnet dem Galerius mit einer Achtung , die vermuthlich die ehemalige schimpfliche