, du bist Würdenträger einer Kirche , die ein Recht beansprucht , dich sofort aus ihrem Schoose auszustoßen ... Warum ? ... Weil es ein Priester so wollte - ! Mit einem Zucken seiner Miene , einem tückischen Hinterhalt seiner Gedanken wollte - ! Bona , verkünde diese Vermessenheit des katholischen Priesterthums - ! ... Verkünde sie der Welt ! Zeige , wohin die Anmaßung der Concilien und der Päpste geführt hat ! Frage , ob alle die neugetauft werden müssen , die du tauftest - alle die neu verbunden , die du verbandest - alle Sünden noch einmal vergeben , die du vergeben - ! ... Ich wünschte , daß die dreifache Krone dein Haupt zierte und du sagen könntest : Höre , höre , Christenheit - wenn Roms Gesetze Recht behalten , so ist sein oberster Priester jetzt - ein Heide - ! ... « Tieferschüttert hielten die Freunde in ihrer Arbeit inne ... Schon schlug die mitternächtige Stunde ... Eisige Schauer überliefen sie ... Ein Diener kam und schürte die schon erloschene Flamme im Kamin ... Einen kurzen Bericht , den er vom jetzt gelöschten Brande an Piazza Navona gab , hörten die Tiefergriffenen kaum ... Abwesend war ihr Geist , ergriffen ihr Ohr und ihr Auge von dem , was sie dem entrollten Papier entzifferten , ebenso wie von den Andeutungen eines Zukunftbildes , das sich mit himmlischen Farben vor ihrem geistigen Blick entrollte ... » Doch « , fuhr Bonaventura fort , die Buchstaben zu lesen und zu übersetzen , die Ambrosi mit Geschicklichkeit zu Papier brachte - » kehre mit mir zurück auf den Tag meines scheinbaren Todes ! ... Gefahrvolle Schneestürme hatten geweht und mühsam erklommen wir die mächtige Höhe ... In der Nähe des Hospizes warfen wir Pilgermäntel über , ließen uns die Morgue aufschließen und , während Mevissen beschäftigt war , den führenden Augustinerbruder nach einem der dort aufgestellten Gerippe , vor welchen alles , was an und bei ihnen gefunden wurde , beisammen lag , zu fragen und ihn zu zerstreuen , legte ich vor einen der jüngst Verunglückten , der mir an Wuchs ziemlich glich und an dem durch seinen Sturz zerschmetterten Kopf völlig unkenntlich war , mein Portefeuille und den Trauring deiner Mutter - ... « Ambrosi sagte : Vor meinen Vater - ! ... Wie hat das Schicksal uns so wunderbar verbunden - ! ... - Bonaventura , erlöst von dem jahrelang ihn quälenden Bilde eines unheimlicheren Zusammenhangs der Todesarten ihrer Väter , der natürlichen des Professors Ambrosi , der künstlichen Friedrich ' s von Asselyn - konnte nur mit seinen zitternden beiden Händen die linke Hand Ambrosi ' s ergreifen und mit stummer Geberde aussprechen , was er empfand ... » Als ich dann noch die Portefeuilles vertauscht hatte , fiel mir erst die ganze Schwere meiner That aufs Gewissen ... Mein Führer , muthvoller als ich , mahnte zum Gehen - seine Absicht mußte sein , soviel als möglich für die Augustiner nicht wiedererkennbar zu erscheinen ... Am Hospiz , wo uns die Mönche einluden , einzutreten , trennte sich Mevissen - er mußte es schnell thun , um unsere Physiognomieen nicht zu lange dem Gedächtniß der Nachblickenden einzuprägen ... ... Es war ein Abschied für ewig und dennoch ging Mevissen - wie zu einem Wiedersehn auf den folgenden Tag - ... « Solche Treue lebte jahrelang neben mir und dem Onkel - ohne ihres Ruhmes zu begehren - ! schaltete Bonaventura ein ... » Aber , der Gedanke : Die Spur jenes Unglücklichen , für welchen du nun genommen werden wirst , blieb vielleicht den Seinigen auf ewig verloren - du hast ein Verbrechen auf dich geladen , größer , als dein Selbstmord gewesen wäre ! - der verfolgte mich bald mit allen Schrecken eines bösen Gewissens ... Im Portefeuille des Todten , für welchen man mich nehmen konnte und sollte , fand ich keinen Namen , nur Höhenmessungen und Zahlenreihen ... Noch im ersten Eifer meiner scheinbaren Selbstvernichtung warf ich diese Anklage gegen mich in die Tiefe eines Waldstroms ... Ringend , mich in die Stimmung meines alten Leichtsinns , meiner romantischen Sorglosigkeit , meiner angebornen lässigen Natur zurückzuschmeicheln , umging ich Turin ... Die Thäler , die ich mit meinen neuen Kleidern durchwanderte , waren zufällig Waldenserthäler ... Ich kannte die romanische Sprache ... Aber ich floh vor allem , was mich an Religion erinnerte ... Nur mein romantischer Trieb gab mir Kraft , nur jener phantastische Sinn , der dem Schönen und Reizvollen sich ergibt und moralischer Imputationen nicht achtet ... Ich wollte nach Genua , wollte mit dem Rest meiner Baarschaft zu Schiff gehen und mir in Südamerika ein neues Leben begründen ... Ueber Coni hinaus wurde ich krank ; seelisch und körperlich angegriffen , schleppt ' ich mich jetzt nur noch langsam vorwärts ... Scheu mied ich die große Straße und ruhte mich oft in Wäldern ... Da war es denn , wo ich in einem einsamen Thale aus einem schönen Hause einen vollstimmigen Choral vernahm ... Ich trat in einen neugebauten Raum , wo ein Redner geistliche Erweckungen hielt ... Der Gottesdienst war bald zu Ende ... Ich sah eine hohe stolze Dame , der , als sie aus dem Hause trat , alle ehrerbietig auswichen , ich grüßte sie und folgte ihr ... Zu meinem Erstaunen sprach sie mit ihrem Diener deutsch ... Ich redete sie in gleicher Sprache an ... Dies gethan zu haben , bereute ich freilich sofort , denn ich hörte ihren Namen und mußte erstaunen , mich in der Nähe eines entfernten Zweigs meiner eigenen Familie zu befinden ... Entfliehen konnte ich nicht ; ich war zu hinfällig , wurde krank , kam dem Tod nahe und befand mich monatelang in einem Zustand fast der Geistesabwesenheit ... Als ich genas , war ich so von Dankbarkeit und Ehrfurcht vor dieser edlen Frau erfüllt , daß ich mich nicht mehr von ihr trennen konnte ... Da ich mich als Katholiken bekannt hatte , durfte