müssen aus Furcht vor einem Tyrannen , dem Kronsyndikus auf Schloß Neuhof ... Mißhandlung , Drohung , sogar Weinen und Flehen dieses Mannes hätten ihm so lange zugesetzt , bis er Priester wurde ... Jahrelang aber hätte er sein Amt mit Unlust und ohne Ueberzeugung geführt ... In diesem Sinne , schrieb er , hätte er die Sakramente ertheilt , ohne die entsprechende Richtung des Willens ... Getauft hätt ' er in bestimmter Voraussetzung , daß das , was er that , eine leere Formel war ... So zunächst alle Verwandte des Kronsyndikus - sogleich seinen ersten Täufling , Bonaventura von Asselyn ... Seine erste Trauung , zwischen Ulrich von Hülleshoven und Monika von Ubbelohde , gleichfalls Verwandte seines Peinigers , wäre von ihm vollzogen worden , ohne den Willen und die Ueberzeugung , daß er wollte , was er that ... Mit diesem bittern Hohn gegen sein Geschick , zu welchem sich die Andeutung über eine unrichtige Ehe gesellte , die einst irgendwo von ihm vorher schon hätte geschlossen werden müssen - und wie zu vermuthen war , auch diese auf Anstiften des Krönsyndikus - wollte der menschenfeindliche Mann , der ein Rabbiner , ja , wie man aus einigen Stellen seines Briefes ersah , ein Kabbalist geblieben war , aus dem Leben scheiden ... « Bonaventura erkannte jetzt die Gründe , warum Lucinde vor Jahren , damals , als sie seinen Epheu zerstörte , von Monika ' s Ehe als von einer löslichen gesprochen ... » Meine Empfindungen waren damals noch so katholisch , daß ich über diese Entdeckung den größten Schmerz empfand und darüber anders dachte , als mein hochbetagter freidenkerischer Bischof , der einige Tage nach Uebergabe der Urkunde an mich gleichfalls aus dem Leben schied ... Aber sollte ich meiner Familie , meinem eigenen Kinde noch einen neuen , von mir mit Entsetzen empfundenen Makel anhängen ? ... ... Ich dankte der Vorsehung für diese glückliche Wendung , die ein so wichtiges Document in meine Hand gelangen ließ ... Sollte ich sie zerstören ? Daran verhinderte mich mein rechtgläubiges Gemüth , ja der feste Entschluß , eines Tages deine richtige Taufe nachholen zu wollen ... Und in diese Schrecken und Beunruhigungen meines Gewissens mischte sich die immer mehr gesteigerte Trauer um mein unseliges Verhältniß zu deiner Mutter ... Ein treuer , aufrichtiger Freund , den ich um so mehr liebte , als seine kühle und verständige Natur zu meinem eigenen Wesen die heilsamste Ergänzung bot , konnte sich einer Leidenschaft nicht entwinden , die die einzige war , welche ihn vielleicht je überkommen ... Noch mehr , ich war von ihm abhängig ; die Güter des Lebens , die ich nie zu verwalten wußte , verbanden uns , während alles andere uns hätte rathen müssen , uns zu trennen ... Eine Lage entstand , die vor der Welt meine Ehre in einem Grade bloßstellte , der mich über mich selbst verzweifeln machte ... Ich sprach nie von dem , was mich drückte , und doch erkannte ich alles , was vorging ... Ich sah , daß Wittekind meinen Haushalt bestritt , meine Schulden bezahlte , die Entscheidungen in jeder Frage gab , wo meine Zustimmung kaum noch begehrt wurde ... Schon gab ich mir die Miene , solche Zustimmungen von meiner Seite gar nicht mehr zu beanspruchen - ich vergebe deiner Mutter ; sie folgte ihrem weiblichen Sinn , der sich an Starkes und Verwandtes halten will - unwahr ist es , daß sich nur die Gegensätze lieben - ... « Die Freundschaft der Lesenden , grade die aus dem Gefühl entsprungen war , sich verwandt zu sein , mußte diesen Ausspruch bestätigen ... Bonaventura dachte an die Sterbeaugenblicke seiner Mutter , die in Einem Punkte ruhigere gewesen waren , als er erwartet hatte - ihr zweiter Gatte hatte mit der Ueberzeugung von ihr Abschied nehmen dürfen , daß ihr ganzes Glück und ihre wahre Lebensbestimmung nur er gewesen ... Bonaventura gedachte des Tages , wo auf Schloß Westerhof die Mutter ihm gesagt hatte , gern beuge sich ein Weib dem Worte : » Und er soll dein Herr sein ! « - wenn der Gatte es nur wäre - ! ... » O mein Sohn , damals verehrte ich noch eine Kirche , die einer Form zu Liebe zwei Menschen , und wenn sie sich hassen und wenn sie sich zum Anlaß ewiger Verwilderung werden , doch aneinanderschmiedet - eine Kirche , die dem frivolsten Priesterwillen eine Macht über unser ewiges und zeitliches Wohl gibt ... Aber mein Sinn sollte sich ändern ... Er änderte sich in dem Grade , daß ich nicht für mich allein der Wohlthat der Erleuchtung theilhaftig werden wollte ... Als du Geistlicher wurdest , als ich hörte , du hättest dich den Römlingen angeschlossen , da erfreute es mich zu vernehmen , daß Mevissen jene Urkunde damals beim Verbrennen meiner Effecten im Gasthof zur Balance zu Martigny zurückbehalten hatte ... Mein braver Begleiter schrieb mir zuweilen und unter anderm meldete er : Einiges hab ' ich nicht verbrennen mögen ... Besonders auch Geschriebenes nicht ... Es ist bei mir sicher wie im Grabe ... Und sollte sich einst noch einmal Ihr Wille ändern oder eine andere Zeit kommen , wo Sie bereuen , was Sie gethan - dann lassen Sie in Gottes und seiner Heiligen Namen mein Grab öffnen . Was ich nicht vernichtete , finden Sie dort ! ... Und dies Grab ist erbrochen worden - ! ... Ich weiß es - ein Räuber , dessen Hand mein treuer Hubertus richtete , hat die Witterung gehabt , daß ein Schatz - der Liebe mit diesem armen Manne begraben wurde - ! Daß es zu spät sein mußte , ihn zur Verantwortung zu ziehen und mich zu beruhigen über das Verbleiben jener Urkunde - ! In deinem eignen Dorfe mußte ein Fluch zu Tage kommen , den deinem Leben ein wahnwitziger Priester geschleudert - ! Hast du ihn nie vernommen , so vernimm ihn von mir ! ... Bona