Tischler , einem ehemaligen Soldaten seiner Compagnie , auszuzahlen ... Da die Zahlung nicht drängte , ich auch die Summe nicht sofort besaß , sprach ich zu niemand davon , am wenigsten zu unserm guten Bruder Franz ... Letztrer würde die Summe gegeben , aber auch die Verwendung derselben haben erfahren wollen ... Benno war schon damals zum Hüfner Hedemann in Borkenhagen bei Witoborn gegeben ... Ohne Zweifel ist Benno entweder das Kind einer spanischen vornehmen Frau oder einer Nonne ... Mevissen kannte das Geheimniß ; er hütete es wie ein Soldat die Parole seines Wachtpostens ... « Bonaventura mußte voll Rührung ausrufen : Guter , kindlicher Sinn des Vaters - ! ... Alle diese Dinge - wie waren sie so ganz anders und nur dir blieben sie verborgen ! ... Die Neugier seines ältesten Bruders , meines freundlichen Erziehers war seine Furcht ! ... Und gerade in dessen Händen lagen , selbst dem Bruder verborgen , die Fäden aller der Veranstaltungen , die für den armen geopferten Benno getroffen werden mußten - ! ... Ambrosi kannte die Beziehungen und vermochte voll gesteigerten Antheils zu folgen ... » Es drängte mich , endlich jene Schuld von einigen hundert Thalern an den alten Soldaten in Sanct-Wolfgang zu berichtigen ... Als ich Abschied von meinem bisherigen Dasein und meinem Namen nehmen wollte , besuchte ich deshalb den kleinen Ort , den Mevissen bewohnte ... Ich fand einen räthselhaft verschlossenen Menschen ; einfach und würdig sein Benehmen ; obschon nicht mehr jung , hatte er geheirathet , sein Weib war gestorben ; ohne Kinder hielt er eine kleine Tischlerwerkstatt für die einfachen Bedürfnisse des Landlebens , die ihn ernährte ... Die Summe , welche ich ihm schuldete , mochte er früher mehr bedurft haben , als jetzt ; dennoch hatte er nicht gedrängt ... Nach den ersten Verständigungen sah ich wohl , daß sich Mevissen jene Summe durch irgend einen werthvollen Beistand , den er dem Bruder geleistet , verdient hatte ... Ich suchte den Anlaß seiner Bewährung zu erfahren und zeigte mich voll Neugier schon aus Interesse für Benno ' s Vater , meinen zu früh vollendeten Bruder Max ... Ich grübelte , forschte - kein anderes Wort kam von den Lippen des schlichten Mannes , als daß mein Bruder - sein bravster Chef gewesen ... Angezogen von soviel Ehrlichkeit und Charakterstärke , beredete ich ihn , mich als Diener auf einer Schweizerreise , die ich machen wollte , zu begleiten ... Er nahm diesen Vorschlag an und ihm verdank ' ich die Ausführung meines gewagten Unternehmens - ... Den Schein zu erwecken , daß ich zu den Opfern der Lawinen des großen Sanct-Bernhard gehörte , das war die Aufgabe ... « Ambrosi seufzte ... Bonaventura ' s Herz klopfte voll gespannter Erwartung ... Es war die noch nicht ganz enthüllte Stelle im Leben des Vaters ... » Im Canton Wallis , zu Martigny , legt ' ich alles ab , was an mich erinnern konnte . Ich hatte mir neue Kleider gekauft , die in einem Packet verborgen werden mußten , das Mevissen trug - Das meiste , was mein Koffer enthielt , hatten wir verbrannt - ... Der Dunst , den die verbrannten Papiere und die sengenden Kleider verbreiteten , fiel im Gasthof zu Martigny auf ; so hielten wir mit unsern Zerstörungen inne ... Einiges mußte auch für das Leichenhaus auf dem großen Sanct-Bernhard zurückbehalten werden ... Mevissen ' s Handschlag durfte mir genügen , um die Gewißheit zu haben , daß von ihm sein Geheimniß würde mit ins Grab genommen werden ... Unter dem Zurückbehaltenen befand sich vielleicht eine seltsame Urkunde , von welcher ich dir reden muß - aus Gründen , die du erfahren sollst - ... « Bonaventura verstand das schmerzliche Lächeln seines Freundes ... Es galt der Erinnerung an die Qualen , die sich früher , in seinem jetzt überwundenen Glauben , der unrichtig Getaufte über seine Lage bereitet hatte ... » Mein Sohn ! Ich rufe dir mit der Schrift : Wer Ohren hat , zu hören , der höre ! - - Ich hatte in Witoborn mit dem Husarenrittmeister von Enckefuß , dem neuen Landrath des neugebildeten Kreises , die Besitzergreifung , namentlich die Archive aus einer heillosen Verwirrung zu ordnen , in welche sie während des Krieges gerathen waren , wo man die wichtigsten Acten zu Streu für die Pferde benutzt hatte ... Bischof Konrad war ein wohlwollender , aufgeklärter Mann ... Ich hatte sein Vertrauen gewonnen ; auch er liebte , wie ich , alte Drucke , Miniaturen , kunstvolle Heiligenschreine , ohne daß er darum , wie ich , auch geistig unter den Ranken und Blüten der damals modischen Romantik und Phantastik wohnte ... Auf einem Krankenlager , von welchem er nicht wieder erstehen sollte , übergibt mir der Bischof einen soeben empfangenen Brief des am selben Tage zur Ruhe bestatteten Pfarrers von Borkenhagen , eines getauften Juden ... Nehmen Sie das ! sprach der Bischof . Es ist das Testament eines Narren ! Ich soll es nach Rom schicken ! Wahnsinn ! Doch - da manches Geheimniß Ihrer Familie betheiligt ist - zerreißen Sie die Stilübung - ! Sie ist lateinisch geschrieben - ... « » Ich las den Erguß eines melancholischen Gemüthes , das , zerfallen mit sich selbst und mit der Welt , in diesem Brief das Judenthum für die vollkommenste Religion erklärte , die Lehre Jesu nur eine von Jesus nicht beabsichtigte Abweichung vom Judenthum nannte und sich in seiner letzten Stunde von einem Gaukelspiel lossagte , das er jahrelang mit Bewußtsein getrieben hätte ... In dieser Ueberzeugung , hieß es in dem merkwürdigen Briefe , hätte er zwar nicht damals gehandelt , als er den Glauben gewechselt - damals hätte er Jesus und der christlichen Kirche etwas abzubitten gehabt - aber die Erinnerung an seine Verwandte , die Thränen einer verlassenen Geliebten hätten ihn bestimmen sollen , wenigstens nicht auch Priester zu werden ... Er hätte es werden müssen ; er hätte die Weihen annehmen