sie ihre Rechte gefordert hatte ... Mit den ersten Worten , deren er fähig war , bat Bonaventura um ein Exemplar der » Nobla Leyçon « ... Fußnoten 1 Thatsache . 2 Wörtlich zu lesen . 3 1856 . 4 Vorhandene Inschrift . 14. Zu seinem höchsten Erstaunen erfuhr der Freund die nähere Bewandtniß , die es mit den Stäben haben sollte ... Es waren Hirtenstäbe , wie sie in Calabriens Bergen getragen werden ... Die Griffe gewunden - die Spitzen von Eisen ... Griffe und Spitzen , das sah man bald , ließen sich abschrauben ... Das Innere fand sich ausgehöhlt ... In beiden Stäben befand sich eine mit lateinischen Buchstaben beschriebene Rolle Papier ... Das Geschriebene war ein Durcheinander von unaussprechbaren Wortformen ... Die » Nobla Leyçon « gab den Schlüssel ... Die Buchstabenordnung war dieselbe , die bereits in dem zwischen Ambrosi und Federigo gepflogenen Briefwechsel gewaltet hatte ... Beide Rollen hatten denselben Inhalt ... Schon entzifferte Ambrosi ein Wort nach dem andern und schrieb auf , was er gefunden ... Er stockte ... Es war deutsch - die Ausübung einer schon lange geläufigen Fertigkeit wurde gehindert ... Ambrosi bat den Freund , sich zu ruhen ... Inzwischen , sagte er , wollte er versuchen , den Inhalt , soweit ihm möglich , mechanisch zu dechiffriren ... Das Vertrauen des Freundes gehörte ihm in allem ... Es konnte auch hier kein Geheimniß mehr geben , dessen Kunde sie nicht theilen wollten ... Nach wenigen Stunden schon , während die sonstige Stille der nach hinten hinaus gelegenen Wohnzimmer des alten Gebäudes anfangs noch vom Lärm der Glocken und Feuersignale gestört wurde , Bonaventura stillverzweifelnd sein Haupt stützend und zum Tod erschöpft auf einem Ruhelager sich wand und sein ganzes vergangenes und zukünftiges Leben an sich vorübergleiten ließ , unterbrochen vom Bild der letzten Liebesblicke des Vaters , kam Ambrosi in hoher Aufregung mit einer Anzahl Blätter , auf welche bereits ein großer Theil der Eröffnungen Federigo ' s an seinen Sohn mechanisch niedergeschrieben war ... Die deutsche Sprache kannte er zu wenig , um ganz zu verstehen , was , Buchstabe an Buchstabe gereiht , seine Blätter bedeckte ... Es war nun auch von draußen her still geworden ... Schon mochte die zehnte Stunde geschlagen haben ... Bonaventura konnte leicht die Buchstaben zu Worten fügen und die Sätze durch Punkte trennen ... Durch gegenseitige Unterstützung kamen die Freunde zu folgender Entzifferung : » Mein Sohn ! Das ist ein Brief , den dein Vater dir aus dem Jenseits schickt - ! ... Höre - richte und gedenke mein - ! « ... » Du erfuhrst von den Zeiten , wo ich einst beauftragt war , den Uebergang Witoborns an unsere Regierung zu regeln ... Du kennst die Gründe , welche mich damals den Tod wünschen ließen ... Oft , oft überfielen mich Gedanken an Selbstmord - ! .... Sie hafteten nicht , weil Selbstmord nur denkbar ist im Zustand einer Verzweiflung , die mit dem ganzen Leben abzuschließen vermag - Das war nicht meine Lage ... Wohl ging mein Blut stürmisch , wenn ich sah , wie mein Weib am besten meiner Freunde hing , dieser an ihr ; dacht ' ich aber an die Mittel , mich solcher Schmach zu entziehen , so lockte mich wol die Welle des Stromes , der Blitz der tödtlichen Waffe eine Weile ; bald aber erkannte ich dann wieder , wenn nur die Gesetze unserer Kirche über die Ehescheidung andre wären , daß der Anfang eines neuen Lebens voll neuer Bewährung für mich anbrechen könnte - ... Ich wollte den Wunsch des geistig schon lange ehelich verbundenen Paares erfüllen und würde eine Scheidung durch Confessionswechsel möglich gemacht haben - aber in diesem Punkte würde die Mutter nicht meinem Beispiel haben folgen können - aus innerem Triebe nicht - auch ihres neuen Gatten wegen nicht , der sich kaum würde entschlossen haben , schon aus Rücksicht auf den schlimmen Ruf seines Vaters , dem Geist der Provinz ein Aergerniß zu geben ... So kam ich , ohnehin von manchem Misverhältniß zu meinem Beruf getrieben , auf den Entschluß , mir den Schein des Todes zu geben - ... « Die Entzifferung ging noch bis jetzt aufs leichteste von statten ... » Ich ließ dich einem neuen Vater und die Mutter einem neuen Gatten zurück , der ein reicher Mann war und für euch beide sorgen konnte ... Außerdem hattest du den Onkel . Hatte zwar mein Bruder Franz schon den Adoptivsohn meines Bruders Max , den dieser aus Spanien mitgebracht , in seine väterliche Obhut genommen - « ... Wie ? unterbrach Bonaventura seine Worteintheilung und Uebersetzung des Berichtes für den aufmerkenden und in Bonaventura ' s Familienverhältnissen völlig heimischen Freund ; kannte selbst der Vater nicht die Herkunft Benno ' s ? ... Er las staunend weiter : » - so gestattete ihm doch sein gutes Herz und seine Vermögenslage , auch dich in deiner Laufbahn zu befördern , die dir ohnehin , da du Soldat werden solltest , bald die volle Selbständigkeit geben konnte ... Zur Ausführung meines Vorhabens bedurfte ich Beistand ... Ich konnte mich auf einen Menschen verlassen , der , seines Zeichens ein einfacher Tischler , mit meinem Bruder Max unter Napoleon in Spanien gedient hatte , ihm eine Rettung seines Lebens verdankte , aber auch ohne diesen Anlaß ein Muster von Pünktlichkeit und Verschwiegenheit gewesen wäre ... Ihr alle , die ihr mich überleben werdet , vor allem auch du , Benno von Asselyn , niemand von euch wird je geahnt haben , daß mit dem schweren Amt , einen kaum geborenen Knaben aus Spanien mitzubringen , dieser alte treue Mevissen in Verbindung stand - ... Selbst mir bekannte es der Brave nie , warum auf seinem Todbett Max die Weisung hinterlassen , eine Summe , die ich ihm noch schuldete , in besserer Zeit , wenn ich könnte , einem in der Nähe Kochers am Fall , in Sanct-Wolfgang , wohnenden und von dort gebürtigen