hoch über den Trümmern stand und Andrer Loos verknüpfte , seines eignen so wenig gedenkend . Er hatte Selma an die männliche Gestalt Dankmar ' s abgetreten , fand lange nicht das einfache und ihn beglückende Herz , das er suchte und hatte wohl Recht , in sein altes lateinisches Kollektaneenbuch zur einstigen Mittheilung an Louis Armand und zum Gegensatz gegen dessen weltumfassendes Sehnen zu schreiben : Ein Häuschen auf grünen Matten In ' s Silber des Mondes getaucht , Von frischen Waldesschatten Freundnachbarlich milde umhaucht - Ein Stübchen eng nur gezimmert , Bescheiden das Hausgeräth , Nur Lampenlichtdurchschimmert , Nur Blumenduftdurchweht - Ein Schrank , ein Tisch , zwei Sessel , Ein Weib dazu , an ihrer Hand Der Ehe goldene Fessel , Die erst ein Jährchen sie band - Der Mann im Liederbuch blättert , Sie strickt beim Lampenschein , Vom Lindenbaum draußen schmettert Die Nachtigall herein - Horch ! ruft das Weib nach der Kammer . Was Nachtigall ! Liederbuch ! Sie öffnet dem süßesten Jammer Im Gehen ihr Busentuch . Hold Kindlein wacht , ruft wieder ! Gib allen Dichtern den Lauf ! Ein Trunk aus Mutter-Mieder Wiegt Hippokrenen auf ! Dem Mann , nicht lesend weiter Legt gleicher glücklichster Trieb Eine ganze Jakobsleiter Als Zeichen in ' s Buch , wo er blieb . Ob im Walde die Wipfel rauschen , Ob die Nachtigall lockt und schlägt , Sie sitzen nur Beide und lauschen Dem Kind , ob ' s im Schlummer sich regt ... O Bild der seligsten Feier ! Ein Schattenspiel an der Wand ! An meiner Dichter-Leier Bin ich Saite nicht - ach ! nur die Hand . Oleander sang nicht sich , sondern Andere , wenn er das Glück schilderte . Jahrelang wird er den Anblick des Poeten der Dachkammer bieten , dessen lange , ungepflegte Gestalt , schlendernd , träumend durch die Gassen schreitet , an Fremde denkend und die Nächsten zu grüßen vergessend , voller Liebe dem Einen zugewandt und kaum bemerkend den Andern , wenn dieser auch hülfefordernd die Hände nach ihm streckt . Er wird immer die Aufforderung zur That erst dann vernehmen , wenn die Gelegenheit , sich zu bewähren , schon vorüber . Vielbewundern wird man ihn und viel verspotten und schon mit bleichenden Haaren wird man ihn noch ein Kind nennen . Bei der allgemeinen Theilung des Glücks dieser Erde wird er mit leeren Händen ausgehen und sich mit dem Troste begnügen müssen , daß Zeuß zu ihm sprach : Willst du in meinem Himmel mit mir leben : So oft du kommst , er soll dir offen sein . ... Grade am Morgen nach dem Brande im Dorfe Buchau fuhren die beiden Reisewägen Anna ' s von Harder zum Tempelstein hinauf , während rechts und links um sie her Rosse und Reiter sprengten , noch die rauchende Stätte des Brandes zu sehen . Der Hof im Schlosse war voll gnadenreichster Theilnahme gewesen . Er hatte Wäsche , Betten , Geld geschickt , um die nächste Noth zu mildern . Alle seine Umgebungen wetteiferten im Antheil an dem unglücklichen Vorfall , bei dem in der That Menschenleben verunglückte und im Gasthofe zum St.-Georg manche werthvolle , ja außerordentlich hochgeschätzte Gabe einiger unbekannter Reisenden zu Grunde ging ... Anna war mit ihrer Begleitung am Orte des Schreckens angelangt , als Fränzchen Heunisch ein junges Mädchen zu erkennen glaubte , das auf der Trümmerstätte , an der steinernen Schwelle einer ausgebrannten Thür , die Hand in den Schoos gestemmt , auf der Erde sitzt , vor sich einen von vielen Menschen umgebenen mit einem Tuch bedeckten , von Allen scheu vermiedenen Gegenstand und in ihrer Nähe einen Alten , der gleichfalls auf dem Boden an dem Tuche kauert und in seinen Mienen eine Ähnlichkeit mit jenem Manne mit der schwarzen Binde darbietet , der sie einst von der Stadt nach Hohenberg begleitet hatte . Jenes Mädchen war Louise Eisold , der Alte ohne Zweifel Murray ... Fränzchen machte sogleich Rodewald aufmerksam . Dieser trat hinzu und erfuhr von den vor ihm ausweichenden Menschen , daß unter dem Tuche der Rest eines in der Nacht Verbrannten läge , eines dem Mädchen und jenem Manne sehr werthen Verwandten und daß schon in der Nacht vom Tempelstein Leute gekommen wären und das seltsamste Schauspiel der Bestürzung geboten hätten . Von einem großen Schatze , den jener Unglückliche entweder hätte vor dem Feuer bergen oder schon vorher vielleicht allzusehr schützen wollen , wäre nichts übrig geblieben als die halbverbrannten Splitter , mit denen der Alte da wie irrsinnig spiele ... in dem Schrein sollten hundert Tausende von Papiergeld gelegen haben ... aber wer wisse es ... und wer könnte es glauben ... ! Schaudernd ahnte Rodewald die Möglichkeit , daß Dankmar ' s Schrein verunglückte ... Er trat näher ... Fränzchen folgte ... Murray ! rief Rodewald ... Fränzchen legte schon die Hand auf Louisen ' s Schulter ... Jener blickte auf und erkannte Rodewald , lächelte bitter , zeigte auf das Tuch , auf die verbrannten Splitter ... Louise Eisold starrte Fränzchen an , wußte erst kaum , wo sie das blühende , gewachsene , holdentwickelte Mädchen hinbringen sollte , dann errieth sie , stand auf und sagte : Franziska ! ... Die Freundin aber erwiderte entsetzt : Wer verbrannte ? Louise schien gefaßt . Sie hatte in der Schule der Leiden gelernt , das Schwerste zu tragen . Dennoch sagte sie mit noch zuckendem Schmerz : Weißt du Fränzchen ? Des Volkes Tochter , arme Bettlerin ! Das ist da - Hackert unter dem Tuch ! Fränzchen zuckte zusammen . Aber Friedrich Zeck bestätigte den Nähergetretenen : Ja , diese Splitter sind der Rest vom Erbe der Wildungen ! Sie wissen es schon oben auf dem Tempelstein , sie grübeln , wie man Papier wieder lebendig macht , aber Menschen , amortisirte Menschen lebendigmachen - das wird fehlschlagen , Freunde ! Ah ! Seht nur ! Rodewald hatte das Tuch gelüftet und es sogleich fallen lassen . Der