mit ruhiger Ergebung trug . Pauline von Harder bot lange nicht das gleiche Schauspiel der Resignation . Sie schien die ihr doch sonst immer gegenwärtige Besinnung verloren zu haben . Sie konnte den Gedanken , geopfert zu sein , auf Nichts zurückgeführt , verlassen von ihrem Einfluß , nicht ertragen . Die Menschen , die ihr früher huldigten , gingen zu den neuen Machthabern über . Das Journal : Das Jahrhundert verlor seine besten Kräfte an die Blätter des neuen Systems , sie mußte es verkaufen und gab alles hin , nur um vor einem Dämon zu fliehen , den Alle in ihrer Brust suchten , in ihrer Unfähigkeit , auf sich selbst bezogen zu bleiben . Rodewald , Egon aber allein wußten , daß dieser Dämon weit mehr in der Furcht vor Friedrich Zeck und ihrem Sohne lag . Die Ludmer hatte somit die glänzendste Genugthuung für ihren schon lange gehegten Verdacht erhalten ! Sie mußte nach ihrer Gesinnung rathen , nun alle Minen springen zu lassen . Pax wurde mit ganzem Vertrauen bedacht , sogar Schlurck , selbst Bartusch wurden wieder um Rath angegangen . Die Entdeckung , daß der Sohn Paulinen ' s wohl gar selbst dieser Hackert , Murray jedenfalls der ehemalige Baron Grimm war , lag jetzt vollkommen nahe . Pax verfolgte die Spur des Einen , der schon seit dem Mai , des Andern , der jetzt eben erst abhanden gekommen war . Wie diese Jagd , die die Ludmer anstellen zu müssen glaubte , auch endete , Pauline von Harder wollte sie nicht abwarten . Sie wollte reisen , sie knüpfte in der That mit Helene d ' Azimont an , die ihr wie eine Wiedergeborne und Erleuchtete schrieb und sie aufforderte , nach Enghien bei Paris zu kommen , wo sie zusammen lateinisch lernen und die Kirchenväter studiren wollten . Es bildete sich in der That fast ein Bund von römischgesinnten Frauen , die sich jetzt , wie sie sich früher in ihren starken Gefühlen nachahmten , eine der andern in der katholischen Bekehrung nachahmten . Einstweilen wollte Pauline nur aus dieser Stadt , nur aus diesem Lande heraus . Aber sie beschloß , es mit Aufrechthaltung aller Formen zu thun . Sie begleitete ihren Gemahl nach Buchau , wo sie einige Tage zu bleiben und sich dem Hof feierlich zu empfehlen beschloß . Die Ludmer folgte ungern . Sie dachte an den dortigen Inspektor Mangold . Doch die Hülfe ihres Erben und » Neffen , « des Herrn Pax stand ihr ja zur Seite . Zur Sicherung der Herrschaften war auch dieser nach jenem äußersten Grenzpunkte abgereist . So drängte es Alle nach Westen ; wir wissen nicht , ob auch Oleander ' n , der am Nikodemustage auf dem Tempelstein vielleicht nicht fehlte , Oleandern , der wie ein Harfner , wenn auch vielleicht unsichtbar , um alle die Gestalten , die wir in dem Schutt ihres Lebens wie vergraben finden , den Epheu seiner Poesie ranken ließ , einer Poesie , die , in den meisten Menschen unbewußt , als Stoff nur für den Seher lebt . Oleander führte Buch über die Seelen , die da an sich so wild vorüberjagten , sich niederwarfen oder vielleicht nur Einmal und dann nicht wieder berührten . Oleander war im Stande , die Empfindungen des Fräuleins von Flottwitz , wenn sie Dankmar ' s gedachte , ebenso nachzudichten , wie er auch , nachdem er schon die Veranlassung eines neuen Misverständnisses zwischen Egon und Helenen durch Olga geworden war , sich selbst in diesen unheilbaren , ewigen Bruch hinein fühlte mit einer Melancholie , die in gewissen Momenten sicher auch in Egon , zuweilen in Helenen auftauchte bei aller Trennung durch die Welt und das Leben . Oleander dachte wenigstens nur an Helenen und Egon , als er einst schrieb : Wer glaubt an Riesen , die den Himmel stürmen , An Göttersöhne , frevelnde Titanen , Die Berg auf Berg zum Wolkensitz der Ahnen , Ja ihre Leiber , sich erwürgend , thürmen ! Und doch rast dies der Erde Urgewimmel Zu jeder Stunde noch im Menschenherzen , Das über Schädelstätten fremder Schmerzen Erklimmt des Wahn ' s und seiner Träume Himmel . Die Gräber werden Spielplatz , heiße Thränen Wie aus dem Thonrohr steigen bunt wie Blasen , Gehascht , gejagt auf dem zertretnen Rasen Des heiligsten Erinnerns ! Und warum ? ... Ein Wähnen Hängt Haut an Haut , wie Schlangen thun , an Bäume ! Jetzt bist du frei , jetzt steigst du auf mit Flügeln , Nun kann dein Arm die Sonnenrosse zügeln , Nun trittst du schon auf ros ' ge Wolkensäume ! Ihr Thoren ! Ob Titanenfäuste einen Dem Ossa Pelion , ob dieser Welt nie Frieden Der Menschengenius bietet - die Kroniden Verhüllen sich und lächeln nur und weinen . Die Harmonie im Menschenchaos ist nur dem Ohre Geweihter vernehmbar . Was Poesie dem Allblickenden ist , ist Dem , der sie erlebte , oft davon das baarste Widerspiel . Ihn macht dieselbe That ergrimmt , die einen Andern hebt und tröstet . Der Dichter nur ahnt , in welchem Endergebniß Aller Dasein den Sternen erscheint . In Oleander ' s Gemüth sammelte sich von Allem , was wir erlebten , erfuhren , mit einsahen , ein solcher Sternenwiderschein , den das Leben nicht ausspricht und die Darstellung des Lebens auch nur andeuten kann . Den Oleandergemüthern unsrer Leser überließen wir die Ergänzungen der harten und schroffen Unmittelbarkeiten und Wirklichkeiten , die wir schildern mußten . Der treue Sänger , selbstentsagend , fühlte , was Siegbert Olga auf seine Klage antworten mochte , fühlte , was der Flottwitz stumme Liebe dachte , als Dankmar in Banden saß , er sammelte sich Das , was Niemand gesagt bekommt und was doch für die Sterne ewig gesprochen und empfunden ist . Auch in dem Märchen auf der Tempelabtei fehlte er gewiß nicht . Er war dem lauschenden Dystra gewiß ein Sänger mit der Harfe , der