Schutz - wenn du , hoff ' ich , noch Schutz verleihen kannst , nachdem du - einem Ketzer - deine Theilnahme bewiesen ... Einem Ketzer ! Vater ! ... sprach Bonaventura und setzte dicht am Ohr des Greises hinzu : Ich selbst - bin ich - denn nicht - selbst - ein Ungetaufter ! ... Der Greis wandte die Augen auf den Sohn voll Bestürzung ... Was Leo Perl einst - dem Bischof von Witoborn - bekannte - ich sollte es ja erfahren ! fuhr Bonaventura fort ... War es nicht dein Wunsch ? ... Im Sarge deines alten treuen Dieners fand sich ja - ... Mein Wunsch ? unterbrach der Vater staunend und seine letzte Kraft zusammenraffend ... Bonaventura hielt inne ... Die Aufmerksamkeit des Greises war zu erregt ... Auch machte ihn ein oberhalb des Zimmers wie von einem Fußtritt vernehmbares Geräusch einen Moment betroffen ... Dann begann er leise eine Erzählung vom ersten Eindruck , welchen damals das Verschwinden des Vaters auf die Welt und ihn gemacht hätte , vom neuen Bund der Mutter , von des Onkels Fürsorge für ihn , von seinem eigenen Entschluß , Priester zu werden , von seiner Pfarre in Sanct-Wolfgang , einem Ort , wo dann zufällig des Onkels Max ehemaliger Diener schon seit Jahren sich niedergelassen hatte ... Bonaventura erzählte , wie treu der alte Mevissen sein Geheimniß gehütet - treu , falls er gewußt , daß der Verschollene lebte ... Dann schilderte Bonaventura die beim Tode Mevissen ' s vorgefallenen Dinge , welche durch Hubertus dem Vater nur hatten unvollständig bekannt werden können ... Eben war er an die Beraubung des Sarges angekommen , als ihm der veränderte Blick des Vaters auffiel ... Bonaventura mußte sich unterbrechen und fragen : Vater - wie ist dir - ! ... Dieser antwortete schon nicht mehr und lag wie betäubt ... Bonaventura eilte , um nach Wasser zu suchen ... Aus einem Glase , das er mit Wasser gefüllt fand , benetzte er dem Greise die Stirn ... Noch einmal schlug Friedrich von Asselyn die Augen auf ... Liebevoll ließ er das Beginnen des Sohnes gewähren ... Plötzlich starrten seine Augen nach einer Uhr , die an der Wand hing , und er sprach : Laß dir - von meinen Begleitern - die ich deiner Liebe empfehle - ... Vater ! ... unterbrach Bonaventura , voll Entsetzen die Veränderung der Gesichtszüge , ein krampfhaftes Zucken des Kinns , ein Schütteln der Hände bemerkend ... Die - Stunde - ist - - hauchte der Sterbende mit kaum noch vernehmbarem Ton ... Bonaventura wollte die Mönche und etwaigen andern heilkundigen Beistand rufen ... Der Vater hielt noch krampfhaft seine rechte Hand fest ... Bonaventura ' s Linke nahm mit seinem Taschentuch vom Mund des Sterbenden schon leichte Schaumbläschen ... Zugleich vernahm er noch die Worte : Laß dir von meinen Begleitern - laß dir von ihnen - die Pilgerstäbe geben ... Dort der meine ... Ich sehe ihn nicht ... Ist ' s ein Baum - ... Er grünt - und wächst - ! ... Sieh die kühlen - Schatten ... Die Zweige wie sie - dicht - ... Vater , dich täuscht dein Auge ... Bonaventura sah die Kennzeichen des Todes , deren er in kurzer Zeit so viele hatte sammeln müssen ... Ein Baum - wie die Eichen in - Castellungo ... Ha ! Sieh - das Feuer ! ... Sieh , von rosigen Wolken - alles bedeckt ... Von Licht - und - Wonne des Triumphs ... Sie kommen von allen Zonen und bekennen das Lob des Höchsten ... Ils - engendron - Dio - in lor - - mesêmes ... - In sich Gott und - Gott - in - uns ... - Die - Nobla Leyçon - hörst du - der - Waldenser - Lobgesang - ... Vater ! flehte Bonaventura und mühte sich , dem Sinn dieser Worte zu folgen - - Ich rufe Ambrosi - den Arzt - ... Der Sterbende beherrschte noch einmal sein unaufhaltsam ihn fortreißendes Irrereden und fuhr fort : Die Nobla Leyçon nimm - öffne die Wanderstäbe - meiner - Führer ... In ihnen - findest du - mein Leben - und deines - ... Kennst - - die Nobla - Leyçon ? ... Ich kenne sie ... hauchte Bonaventura mit stockendem Athem und die schweißbedeckte Stirn des Vaters trocknend ... Er verstand , daß in den Wanderstäben der Gefangenen ihm ein letzter Gruß gesagt werden sollte ... In kurzen abgerissenen Sätzen sprach der Vater : Sie können nicht lesen , was - die Chiffern sagen - ... Der Schlüssel - ist - die Nobla Leyçon ... Im - Anfang - war das Wort - und das Wort - ... Bonaventura ' s Lebensgeister blieben in fieberhafter Spannung , während die des Vaters entschwanden ... Die Nobla Leyçon - macht die Chiffern - der Pilgerstäbe - zu Worten ... O frayres - entende - una - nobla . - A - und - B ... Mein Alpha und - Omega - » Herr bleib - mit - Deiner - Gnade - « ... Der Irreredende erhob die Stimme zum Singen - ... Die ersten Worte der Nobla Leyçon enthalten das Alphabet - des - Testamentes , das du mir - hinterlassen wolltest - ! sprach Bonaventura dicht am Ohr des Sterbenden - ... Amen ! sprach der Greis und sank zusammen ... Und wieder regte es sich in der Nähe ... Und wieder war es , als huschten oberhalb schleichende Fußtritte ... Diesmal kam auch Geräusch von der Thür ... Ohne Zweifel setzten die Harrenden voraus , daß die Beichte des Ketzers vorüber war .... Wenn sein Seelenhirt noch länger blieb konnte es sein , daß ihm auch aus seiner Hand die letzte Oelung und das Abendmahl ertheilt wurde ... Die Thür öffnete sich ... Der General der Dominicaner trat selbst herein , die Monstranz in der Hand ... Ein Assistent hinter , ihm mit den Werkzeugen der letzten Oelung ... Die