Greise , der nur durch diese Zeichen der Liebe und durch die kostbaren Gewänder seinen Sohn erkannte - ... Durch die lange Reihe der Jahre hatte auch dieser eine Veränderung seines Ausdrucks erfahren , die jenen Jüngling , dessen Bild der Vater im Herzen trug , nicht wiedererkennen ließ ... Bona - ! hauchte der Greis ... Was weckst du - mich vom - Tode - ! ... Ich liege - unter dem Schnee - der Alpen ... Und der Tod der Mutter - erst - durfte den Schnee schmelzen ! ... wehklagte Bonaventura mit thränenerstickter Stimme und mit einem wie vorwurfsvollen , doch innigzärtlichen Ton ... Der Greis legte die mageren , zitternden Finger auf das purpurrothe Sammetbaret und die Tonsur des Sohnes ... Wie ein Blinder , der durch Tasten sich erfühlen muß , was sein Auge nicht erkennt ... Schon war er auf sein Lager zurückgesunken , als er mit Thränen hauchte : Der Mensch ist sich - seine eigene Welt ... Was zürnst du mir - ! ... Dann - lange ihn betrachtend - fügte er fast scherzend und doch tief wehmüthig hinzu : Ich - kenne - dich nicht ... Mein Vater ! rief Bonaventura , des Ortes , wo er sich befand , nicht mehr achtend , beugte sich über den Greis und bedeckte ihn mit seinen Küssen ... Die Thränen mehrten sich in des Greises Augen , die sich wieder schließen mußten ... Leise sprach er : Nur eine - kurze - Auferstehung ! ... Lebe , mein Vater ! ... Ist denn kein Arzt hier ? ... O , verschmähst du alles ? ... Daß ich einen Heiligen Gottes nicht noch erhöht sehen soll - ! ... Die rechte Hand des Greises deutete eine Weile nach oben - warnte zur Vorsicht , wobei ein unendlich liebevoller Blick der Augen ihn unterstützte - dann sank die Hand kraftlos auf die Decke ... Eine Pause trat ein , die nur vom stillen Weinen Bonaventura ' s und von den liebkosenden Bewegungen seines Vaters unterbrochen wurde ... Hat dich Gott so erhöht ! ... sprach der Greis , die Gewänder des wiederholt Knienden berührend ... Und als dieser schwieg und die Zeichen seiner Würde mit Geringschätzung betrachtete , setzte er hinzu : Als du - Bischof in Robillante wurdest , da - mußt ' ich fliehen ... Denn eines Mannes - That soll - nicht halb sein ... Ich wollte nicht - mehr für die Welt - am wenigsten die Meinen - am Leben sein ... Deine Mutter - wollt ' ich glücklich machen ... Sie wurde es nicht - ! ... sprach der Sohn ... Der Greis erwiderte nichts ... Damals schon wollt ' ich dich einem Schicksal entreißen , dem du nun doch erlegen bist - ! fuhr der Sohn fort und betrachtete die elende Umgebung ... Man wird dich mir herausgeben müssen ... Man soll dich in einer Sänfte in meine Wohnung , in die Wohnung deines edeln Ambrosi tragen - ... Ambrosi ! sprach der Vater und faltete voll Verehrung die Hände ... Wo ist - er - ? ... Ich rufe ihn - fuhr Bonaventura fort ... Der Greis tastete nach seiner Hand und sprach : Zum - Ketzer - und mich - in das Haus - der Cardinäle ? ... Ich sehe - auch so - mit Freuden auf meine - Saat ... Herzen fand ich , in denen sie aufgegangen ... Auch in den euern ... Mein Geheimniß - bleibe bedeckt - vom - Grabe ... Vater ! flehte Bonaventura , wir beide sehnen uns nach dem Martyrium ! ... Auch Vincente ist angekommen an der Grenze seiner großen Gelübde ... Nur auf der Höhe wollte er leiden , wie Jesus auf einem Berge litt ... Dank , Dank deiner Lehre ... Er ist heilig - nicht ich ! ... Der Greis faltete , allen diesen Worten scharf aufmerkend , seine Hände und sprach : Die Zeugen des gekreuzigten - Lammes seh ' ich - in weißen Gewändern ... Sind das - die Glocken - der Peterskirche - die so läuten - ? ... Kann - auf Erden - Stolz wol ewig - währen ? ... Mit bangem Herzen hatte sich Bonaventura erhoben und eine hölzerne Bank dem ärmlichen Bette nähergerückt ... Erschüttert von dem , auch ihm aus der Seele gesprochenen Worte , daß die Peterskirche nur den Eindruck des Stolzes mache und beschämt vom Pomp seiner bunten Kleider , bat er wiederholt : Schon die sechste Stunde ist es ... Alles ist dunkel ... Ich lasse eine Sänfte bringen und sie tragen dich in die Wohnung Ambrosi ' s ... Und das Officium gestattet es ... Mehr noch , ich bekenne dich als meinen Vater ... Mein Sohn ! wiederholte abwehrend der Greis ... Unser Geheimniß decke das Grab ... Schon um Wittekind ' s willen ... Ich habe den seligsten Tod ... Schöner , als ich ihn je geträumt ... Konnt ' ich nicht in meiner Wildniß - bittrer enden ? ... In Castellungo - ... Horch , was - läuten - so - die Glocken - ! ... Die Augen des Greises wandten sich wie innenwärts ... Jedes Wort ist ein ewiger Vorwurf meines Innern ! nahm Bonaventura mit äußerstem Schmerz die abbrechende Rede des ohne Zweifel in Erinnerungen an Gräfin Erdmuthe und an seine Hütte bei Castellungo verlorenen Vaters auf ... Dieser betrachtete ihn und sprach liebevoll mit zurückkehrendem Bewußtsein : Nein , mein Sohn ! ... Vor dem Tode - deiner Mutter dich wiederzusehen - das hätt ' ich nicht ertragen ... Lieber hätt ' ich vor Schaam mir selbst den Tod gegeben - den ich nun auch - in - Jesu Namen - ... Gib uns nicht den Schmerz , daß du nicht mehr leben willst - ! unterbrach Bonaventura ... Laß nur noch die beiden treuen Seelen - entgegnete der Greis , die mich so oft - erquickt , so oft dem Leben - erhalten haben , nicht ohne deinen