unter den moosbewachsenen Steinen ... wo waren sie hin , die gekommen und mit dem Rufe : Morgen ! Morgen ! gingen ? Sie waren verweht wie die Schwärmer und Raketen , die inzwischen in dem Schlosse von Buchau platzend und schnurrend sich abgemüht , viel tausend Gaffer , viel tausend Staunende gefunden hatten , aber nicht ein Auge von Denen , die durch den Kreuzgang in die Tempelkirche schritten , nicht ein Auge , das sich auch nur nach ihrem ohnmächtigen Freudenfeuerwerk zurückgewandt hätte ... Morgen ! Morgen ! Aber ach ! Ein einziger Funke ! Ein einziger Funke vielleicht war von dem Feuerwerk doch ein Thatenkeim gewesen , ein einziger Funke , der in das Dorf , das menschenleere , in den kleinen Zwischenort Buchau , von dem Feuerwerk der Großen und Mächtigen niedergefallen war und still sich vielleicht in dem Schindeldach einer armen Herberge verlor . Alles war zur Ruhe , Alles träumte oder schlief mit ermüdeten Thieren um die Wette . Da lebte der versprengte Funke vielleicht in dem Schindeldache auf , verbreitete sich . Um eilf Uhr sank vielleicht ein glimmender Spahn vom Dache in den Boden . Um zwölf Uhr rauchte es vom wenigen Heu , dessen Flamme einen Ausweg suchte . Um eins wenigstens rief man auf eine halbe Stunde vom Dorfe entfernt Feuer ! ... Feuer ! Schrecklich pflanzte sich der Ruf von Hütte zu Hütte fort . Um zwei Uhr stand das Wirthshaus zum St.-Georg im Dorfe Buchau in lichten Flammen ... Von dem Funken aus dem Feuerwerk der Könige ? Wer weiß es ! Wer kennt die Macht eines einzigen Funken ! Menschen riefen , die Glocken heulten , Pferde sprengten ... hinaus , heran , ... Feuer ! hallte es zum Ufer hinüber , vom Ufer herüber . Fürst , Bauer , Pächter , Soldat , Jäger , Weiber , Kinder , Greise durcheinander ... Feuer ! Feuer ! ... Rettet ! Es brennt ! In Buchau ! Die Herberge zum St.-Georg ! Die Hütten nebenan sind von Stroh , von Lehm , sie brennen ... von dem kleinen Funken ? - Die Flammen züngeln zum Kirchthurm - von dem kleinen Funken ? Wild rennt das Vieh aus den Ställen , stürzt sich zum Feuer , die Vögel umkreisen die Flammen ... Nur der Ruf : Niederreißen ! Nicht löschen ! Nur retten , retten , was sich erhalten läßt ... und von dem kleinen Funken ? Ha ! Zünden so vielleicht auch eure Funken , ihr nächtlich Tagenden in der Tempelabtei ? Schwarze Wolken wallen wie Helmbüsche der Reiter im Sturm , die Flammen züngeln wie zur Umarmung sich entgegen ... sie suchen sich , gierig , zuckend , liebe- oder hassesvoll ... es gelingt ... eine einzige Riesensäule hat sich gebildet , heiß jubelnd springt sie hoch empor , umschlungen in sich selbst wirft sie sich wie gepeitscht von ihrer eigenen Leichtigkeit , wie tanzend , wie im Kreisel hin und her und küßt dieses Dach , berührt jenes und aus jeder Berührung , aus jedem Kusse wächst eine neue Flammengeburt und die Saatkörner auf den Scheunen fangen neue Funken auf und knistern schon selbst und umhüpfen die große Flamme wie ein niederperlender Feuerthau , wie ein Lichtregen , viel schöner , als vor drei Stunden im Schlosse der künstliche ... und Alles von dem kleinen Funken ? Wir wissen es nicht , ob von ihm ... Aber es fehlen schon Menschen ... Man sucht sie ... man hört Stimmen ... der Frauen , der jammernden Kinder ... Vater ! Mutter ! Um Gott ! Es fehlen schon Menschen ... Rettet ! Rettet ! ruft eine verzweifelnde Stimme ... Man blickt empor zu den brennenden Hintergebäuden des Gasthofs zum St.-Georg ... Da ! Durch die flatternden im Rauch sich geisterhaft abschneidenden weißen Tauben , durch die schwarzen strömend hinwallenden Wolken hindurch sieht man , zwischen zwei brennenden Scheunenfenstern auf einem noch nicht vom Feuer ergriffenen , aber schon rußgeschwärzten Verbindungsstege , der aus jenen Fenstern Thüren macht , die sich auf diesem Stege erreichen lassen , einen jungen Mann halb nackt , im Hemde , niedergekauert an der einen Thür , einen großen alterthümlichen Schrein neben sich auf dem Stege und eingeschlafen ... oder wacht er ? Oder träumt er , daß er , des Gewühles nicht achtend , der Flammen und des Rauches nicht gewahrend , auf jenem Balken da kauert , der ihm nur den Ausweg zu verkürzen schien und ihn zu einer geschlossenen Thüre führte ? Man drängt sich ihm zu helfen , aber so sicher ruht er auf dem Schrein und hält ein Licht in der Hand . Ein Licht in diesem Flammenmeer ? Ein Licht , ein Gluttropfe in solchen Glutströmen ? Von diesem Lichte - wenn von ihm die Glutströme gekommen wären ? Nicht von der Freude der Könige ? Wenn ein Frevler - nein , nein , das ist die Haltung eines Frevlers nicht ! Er sitzt ja mit dem Licht in der Hand auf dem Schrein , den Rücken an die Thür gelehnt , die er offen erwartete , geschlossen fand , er ist erstickt , er suchte Rettung oder ... gräßliche Ahnung , die schon einige Menschen durchzuckt , wenn er lebte , von allen diesen Schrecken schlummernd nichts ahnte , diesen schwindelnden Steg schon vor dem Brande gesucht , den Brand veranlaßt hätte - wenn er ein Nachtwandler wäre - ! Das war ein Wort , das Alle auf einmal ergriff ... Ein Mann in schon zerrissener Tracht ruft durch den schwärzenden Qualm - Er bricht sich durch die Flammen Bahn , er erklimmt die innern Stiegen des verschlossenen Hauses , reißt die Fenster auf , langt mit der Hand fast hinüber zu dem Steg , auf dem der junge halb Geopferte , auf seiner Bürde schlafend , noch nicht erstickt ruht , den Rücken gelehnt an die geschlossene Thür . Er ruft : Paul ! Paul ! Die Flammen schlagen von unten heran auch ihm in